Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
STELLA - Ein Schauspiel für Liebende von Johann Wolfgang von Goethe im Landestheater LinzSTELLA - Ein Schauspiel für Liebende von Johann Wolfgang von Goethe im...STELLA - Ein Schauspiel...

STELLA - Ein Schauspiel für Liebende von Johann Wolfgang von Goethe im Landestheater Linz

Premiere am Sonntag, 7. Oktober 2012 um 20.00 Uhr im Eisenhand. -----

Fernando und Cäcilie lieben sich, zeugen ein Kind, woraufhin Fernando verschwindet. Fernando und Stella lieben sich, zeugen ein Kind, das Kind stirbt, woraufhin Fernando verschwindet. Lucie, Cäcilies Tochter, ahnungslos, wird Gesellschafterin bei Stella.

Die einsame Stella nimmt auch Cäcilie in ihr Haus auf. „Ganz Herz, ganz Gefühl“, erkennt Stella in Cäcilie die Schicksalsgenossin und führt die neue Freundin vor ein Bild ihres verlorenen Geliebten. Cäcilie erkennt darin ihren eigenen Mann. Vergeblich versucht sie zu fliehen, als auch Fernando auftaucht und Stella ihn als ihren verlorenen Geliebten überschwänglich empfängt und zurücknimmt. Von Stella beauftragt, soll Fernando Mutter und Tochter zum Bleiben bewegen und steht unvermutet in Cäcilie seiner verlassenen Frau gegenüber – und ebenso unvermutet entschließt er sich, mit ihr und

Lucie zu fliehen.

 

Doch auch diese Flucht misslingt. Stella bricht zusammen, als sie die Zusammenhänge begreift. Verzweifelt will Fernando sich erschießen. Da löst Cäcilie den verworrenen Knoten durch einen kühnen Vorschlag, der allen entgegenkommt: „seelig eine Wohnung, ein Bett, und ein Grab“. Ein Wirbelsturm der Liebe – kein anderes Werk Goethes verzichtet so sehr auf eine syntaktisch geregelte Sprache: Stella ist passagenweise eine Partitur von Ausrufen, Satzfetzen und Gedankenstrichen – ein Spiegel hochgradiger Emotionalität.

 

Und kein Werk des jungen Goethe hat nach Werther unter den Zeitgenossen so viel Staub aufgewirbelt wie Stella. Die von Fernando, Stella und Cäcilie als akzeptable Lösung empfundene Ehe zu dritt löste bei Goethes Zeitgenossen Empörung aus, die bis zum Aufführungsverbot reichte. „Ich dachte, die Schaubühne hätte den Zweck, die Tugend als reizend und die Laster als abscheulich und verderblich darzustellen.“ (Hauptpastor Goeze, auch Lessings Widerpart, in einem entrüsteten Kommentar). 1775, zum Zeitpunkt der Entstehung von Stella, war Goethe mit der Frankfurter Bankierstochter Lili Schönemann verlobt. Gleichzeitig hatte er zu seiner Schwester Cornelia eine innige Beziehung, weshalb das Stück häufig als „Wunscherfüllungsphantasie“ interpretiert wurde. Für die erste Weimarer Theateraufführung 1805 überarbeitete Goethe die von ihm „Ein Schauspiel für Liebende“ genannte Urfassung auf Schillers Rat hin und ließ das Stück als Tragödie enden: Stella und Fernando begehen Selbstmord.

 

ZUR INSZENIERUNG

Johannes von Matuschka, der die vergangene Spielzeit in den Kammerspielen mit Jean Anouilhs Antigone eröffnete, hat im konzentrierten Raum des Eisenhand dieses von der Intensität und Unbedingtheit der Gefühle geprägte Stück, das die Einheit von Zeit und Raum wahrt, in Szene gesetzt - in einer auf vier Personen reduzierten Besetzung. Der Geräuschemacher Max Bauer aus Berlin, im Hauptberuf mit der Nachvertonung von Filmen beschäftigt, hat die Inszenierung begleitet und in Workshops mit den Schauspielern ein ganz eigenes Tonkonzept für „Stella“ entwickelt - „Kopfkino“

sozusagen.

 

Inszenierung und Bühnenidee Johannes von Matuschka

Bühneneinrichtung und Kostüme Christian Schmidleithner

Geräusche / Musik Max Bauer

Dramaturgie Kathrin Bieligk

 

Cäcilie Katharina Hofmann

Lucie Henriette Schmidt

Stella Katharina Vötter

Fernando Christian Manuel Oliveira

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 16 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Forever young

Die Essenz zweier realer und eines fiktiven Lebens werden in dem Theaterstück "Dorian" von Darryl Pinckney und Robert Wilson miteinander verknüpft: die des Malers Francis Bacon, des Autors Oscar Wilde…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Mythos erwacht zum Leben

Widersprüchlich und nicht ganz greifbar ist die historische Figur der Johanna von Orléans. Schier unglaublich, wie es einem einfachen Bauernmädchen im 15.Jahrhundert gelang, bis zum König…

Von: Dagmar Kurtz

"Krabat", Ballett nach einem Buch von Otfried Preußler von Demis Volpi in der Deutschen Oper am Rhein

Das 2013 in Stuttgart uraufgeführte Handlungsballett „Krabat“ nach dem beliebten Roman von Ottfried Preußler, in dem er eine sorbische Sage verarbeitet, hatte jetzt an der Deutschen Oper am Rhein…

Von: Dagmar Kurtz

Rocky Horror Picture Show trifft auf Homer

Heftiges Klopfen an der Tür. Es ist nicht der verstorbene Komtur, sondern ein junges Paar, das Einlass begehrt. In ihrer Inszenierung des „Don Giovanni“ für die Deutschen Oper am Rhein“ nutzt Karoline…

Von: Dagmar Kurtz

Der schöne Schein

Täuschungen über Täuschungen, Doppelmoral und Betrug. In der Operette „Die Fledermaus“ macht jeder jedem etwas vor, allein die schwungvolle Musik mit Wiener Walzerseligkeit täuscht darüber hinweg und…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑