"Suicide-Hotel Nirwana" - Eine philosophisch unterwanderte Science-Fiction-Komödie über den Freitod von Ren Saibara - in Berlin

Premiere am 4. Juli 2018, 20 Uhr, Vierte Welt| Neues Zentrum Kreuzberg| Galerie 1. OG | Kottbusser Tor| Adalbertstr. 96

Der Freitod, der im christlich geprägten Europa als Sünde gilt oder als Folge seelischer Erkrankung, ist in Japan eine ehrwürdige Geste, mit der das Ich sein Recht auf Entscheidungsfreiheit wahrnimmt. Die philosophisch unterwanderte Science-Fiction Komödie der japanischen Regisseurin Ren Saibara greift diesen kulturellen Unterschied in einem absurden Setting auf, und verstrickt sich im Irrsinn interkultureller Missverständnisse. Mit Suicide-Hotel macht sie sich Foucaults Idee zu eigen und schafft einen Raum für den Freitod: Ein Start-Up sieht die Zeichen der Zeit und macht sich fernab der leistungsorientierten Gegenwart zur Aufgabe, den europäischen Markt für eine ehrwürdige Selbstbestimmung im Tod zu erschließen.

Das neue Unternehmen will den zahlreich erwarteten Kunden das nötige Knowhow vermitteln, das dabei hilft, fatale Anfängerfehler bei der Vorbereitung des selbstgewählten Lebensendes zu vermeiden. Außerdem ermöglicht es die Begegnungen mit Gleichgesinnten und diskutiert die Relevanz von Entscheidungsfreiheit und richtigem Timing.

Inspiriert und angereichert mit Fakten aus dem japanischen Bestseller „The Complete Manual of Suicide“ von Wataru Tsurumi hinterfragt das japanisch-deutsche Ensemble in „Suicide-Hotel Nirwana“ mit Humor und Pragmatik den Selbstmord als ästhetische und verantwortungsvolle Praxis des Lebens. Die anfangs kahle Bühne verwandelt sich nach und nach in einen bildreichen und labyrinthischen Sehnsuchtsraum, in dem das interkulturelle PR-Team, die positive Einstellung der Japaner zum Selbstmord promotet, um sie auch in Europa salonfähig zu machen.

Die Regisseurin Ren Saibara widmet sich in ihren Arbeiten gesellschaftspolitischen Themen, die besondere Brisanz bekommen durch die Aufladung interkulturell unterschiedlicher Perspektiven zwischen Japan und Deutschland. In ihrer Performance „Der japanische Volksfeind“ hinterfragte sie z.B. anhand Ibsens „Volksfeind“ kontrastiv allgegenwärtige, globale Mechanismen der Meinungsbildung in der Demokratie durch die Berichterstattung rund um Fukushima. 2001 wurde Saibara von der Japan Performing Arts Foundation in der Kategorie „beste Regie“ nominiert.

Konzept und Regie: Ren Saibara
Performance: Yuko Matsuyama, Ikko Masuda, Jasper Tibbe Ausstattung: Valentina Primavera, Johannes Maas
Video: Lea Nagano
Dramaturgie: Martina Neu
Produktionsleitung: Annett Hardegen

Weitere Vorstellungen am 5./7./8./9. Juli 2018, jeweils um 20 Uhr
Vierte Welt| Neues Zentrum Kreuzberg| Galerie 1. OG | Kottbusser Tor| Adalbertstr. 96
Preise:  11,- Euro |3,- Euro | 7,- Euro
Tickets unter karten@viertewelt.de oder 0157-88440941

Eine Produktion von Ren Saibara, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa/ Interkulturelle Projekte und den Fonds Darstellende Künste.

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