Theater Bonn: MICHAEL KOHLHAAS von Heinrich von Kleist

Premiere 11. Mai 2012, 19.30 Uhr, Kammerspiele. ----- Es ist nur ein schmaler Grat, auf dem sich Michael Kohlhaas bewegt in Kleists verstörender Erzählung. Es ist die feine Linie zwischen objektiver Gerechtigkeit und engstirniger Selbstgerechtigkeit, die Grenze zwischen Recht und Selbstjustiz.
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Und er übertritt diese Linie, oder besser: Er reißt sie nieder, diese Grenze. Denn für ihn ist kein Halten mehr, die Ordnung seiner Welt ist erschüttert und diese fundamentale Erschütterung trägt wiederum er in die Welt. Was ist geschehen? Eine Kleinigkeit nur, so scheint es: Kohlhaas, Familienvater und als ehrlich und gerecht bekannter Pferdehändler, wollte einige Rappen vom Brandenburgischen nach Dresden bringen, um sie dort zu verkaufen. Doch er lebt in einem zersplitterten Land, in dem jeder kleine Herr eigene Gesetze macht.

So gerät er auf seiner Reise in Konflikt mit dem Junker von Tronka, der willkürlich Passiergeld verlangt, als Kohlhaas durch sein Gebiet zieht. Im Folgenden entwickelt sich jener komplizierte Rechtsstreit, in dem sich Kohlhaas vom vertrauenden Bürger in einen brandschatzenden Kämpfer verwandelt, weil er sich Willkür, Unehrlichkeit und Vetternwirtschaft ausgesetzt sieht. Am Ende dieses Streits hat er alles verloren: seinen Besitz und seine Frau und seinen inneren Frieden. Als Rebell überzieht er das Land mit Terror... Wer ist nun dieser Kohlhaas für uns? Ein Wutbürger, der das Unglück hat, statt in einer Demokratie unter absolutistischer Willkürherrschaft zu leben? Oder doch ein selbstgerechter Machtmensch, der stolz und verbohrt nur dem eigenen Willen folgt? Dieser Frage geht Ulrich Rasche in seiner Bühnenfassung der Kleistschen Erzählung nach.

Ulrich Rasche, geboren 1969, studierte Kunstgeschichte in Bochum und lebt als freier Regisseur in Berlin, wo er 2004 erstmals überregionales Aufsehen mit seinem Chorprojekt SINGING! IMMATERIELL ARBEITEN im entkernten Palast der Republik erregte. Es folgten Arbeiten unter anderem am Staatstheater Stuttgart, an der Berliner Volksbühne und am Schauspiel Frankfurt. Rasches Inszenierungen sind Grenzgänge zwischen Oper und Schauspiel, zwischen Theater und Performance. Er arbeitet mit Chören und strengen Choreographien, verknüpft aber auch durchaus DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL mit dokumentarischen Texten von Susanne Osthoff (sophiensaele Berlin 2010). Für KOHLHAAS wird er eine eigene musikalisch-theatralische Erzählweise mit Opernchor und Schauspielern entwickeln.

Inszenierung und Bühne: Ulrich Rasche

Kostüme: Sara Schwartz

Musik: Johannes Winde

Video: Tim Ringwaldt

Chorleitung: Jürgen Lehmann

Licht: Bernd Winterscheid

Dramaturgie: Stephanie Gräve/Ingo Piess

Mit: Mareile Blendl, Philine Bührer, Dominik Fornezzi, Roman Hemetsberger, Jürgen Lehmann, Nico Link, Kornelia Lüdorff, Hendrik Richter, Falilou Seck (Schauspiel)

Julika Birke, Ines Madeira, Guillaume Francois, Arturas Miknaitis (Gesang)

Johannes Winde (Musik)

Sa. 12.05.12 // 19:30 Uhr

Sa. 19.05.12 // 19:30 Uhr

So. 20.05.12 // 18:00 Uhr

Sa. 02.06.12 // 19:30 Uhr

So. 03.06.12 // 18:00 Uhr

Fr. 08.06.12 // 19:30 Uhr

Sa. 09.06.12 // 18:00 Uhr

Do. 14.06.12 // 19:30 Uhr

Fr. 15.06.12 // 19:30 Uhr

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