Unheimlich

"The Turn of the Screw" von Benjamin Britten in der Deutschen Oper am Rhein

FOTO Thilo Beu

Nichts ist, was es scheint in Benjamin Brittens Oper "The Turn of the Screw" nach der Erzählung von Henry James. Eine Gouvernante tritt ihre neue Stelle auf dem Lande an, wo sie zwei elternlose Kinder betreuen soll. Unter ihr unbekannten Umständen sind der Verwalter Peter Quint und die vorherige Gouvernante Miss Jessel umgekommen. Aber sie schienen immer noch einen unheilvollen Einfluss auf die Kinder auszuüben. Die Haushälterin Mrs Grose hält sich mit Informationen zurück.

Anfangs sind es nur kleine Irritationen, etwa wenn die Gouvernante zu erkennen gibt, dass sie sich ein wenig in ihren neuen Arbeitgeber verliebt hat, dass sie Zweifel daran hegt, ob der neue Job für sie richtig sei. Dann meint sie einen Mann vor dem Fenster oder sogar Schatten im Zimmer gesehen zu haben, sie spürt den Einfluss von Peter Quint und Miss Jessel und sieht sie als Gespenster. Auch die Kinder haben zwei Gesichter. Sie versucht sich einzureden, dass die Kinder lieb seien. Aber warum wird Miles der Schule verwiesen, warum ertränkt Flora ihre Puppe im Waschbecken? Und sehen die Kinder auch die Gespenster? Sie fangen an, sich ihr zu widersetzen. Sie weigert sich, das wahrzunehmen. Was verbirgt Mrs. Grose? Der Sog des Unheilvollen wird stärker, sie will die Kinder beschützen, aber schließlich erstickt sie unbedacht Miles.

Was ist real, was ist Einbildung? Alles bleibt im Ungewissen. eine eindeutige Beantwortung gibt es nicht. Das erzeugt eine thrillerhafte Spannung. Auch Immo Karaman widersteht der Versuchung, in seiner Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein eine eindeutige Interpretation zu bieten, allenfalls deutet er sexuelle Obsessionen an. Auch das düstere Innere des Landsitzes, die schlammig-farbigen großformatigen Tapeten, die sich windende hölzerne Treppe, die riesigen Fensterrahmen, das schummrige, manchmal flackernde Licht, die beiden zusammenhanglos platzierten einfachen Waschbecken scheinen ein Eigenleben zu führen und sich zu verändern. Nichts ist gewisser als die Ungewissheit.

Marta Márquez als Mrs. Grose spielt die Haushälterin im Kittel, großartig in ihrer lässigen Schlampigkeit, immer Kette rauchend. Sylvia Hamvasi ist als Gouvernante beeindruckend, zunächst unterschwellig unsicher, reagiert immer nervöser, was sie auch stimmlich intoniert. Völlig sicher und unbeeindruckt dagegen die beiden Kinder, William Gardner als Miles und Emma Warner als Flora, die ihr Verhalten als normal erleben und sich dementsprechend verhalten. Corby Welch aus dem Off als Peter Quint und Anke Krabbe als Miss Jessel überzeugen ebenfalls. Die hier agierenden 14 Musiker der Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Wen-Pin Chien musizierten ebenfalls grandios und durften mit auf die Bühne zum gigantischen Schlussapplaus. Eine stimmige Inszenierung, die noch lange im Gedächtnis bleibt.

THE TURN OF THE SCREW von Benjamin Britten

Oper in zwei Akten mit Prolog

Libretto nach Henry James von Myfanwy Piper

In Kooperation mit der Oper Leipzig

The Prologue / Peter Quint: Corby Welch

Darsteller Peter Quint: Ulrich Kupas

The Governess: Sylvia Hamvasi

Mrs. Grose: Marta Márquez

Miss Jessel: Anke Krabbe

Erscheinung Miss Jessel: Photini Meletiadis

Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

Musikalische Leitung: Wen-Pin Chien

Inszenierung: Immo Karaman

Choreographie: Fabian Posca

Bühne: Kaspar Zwimpfer

Kostüme: Marie-Luise Walek

Licht: Michael Röger

Dramaturgie: Sonja Westerbeck

Premiere 22.11.2013 - Opernhaus Düsseldorf

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