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Uraufführung: "Für meinen Bruder" von E. L. Karhu - Auftragswerk des Schauspiel Leipzig

Premiere 16.04.2022, 20:00, Diskothek

Untrennbar scheinen sie verbunden: „Ich“ — sie, die Schwester aus E. L. Karhus neuestem Stück, laut Selbstbefund „hässlich“ und evtl. dick — und „er“, ihr Bruder, „ein schöner Mann, der schöne Frauen liebt“. Eine Paarung der Gegensätze ist das Zusammenleben der beiden, der Bruder für die Schwester ein Türöffner zum Leben, zur Ausschweifung, zum Begehren; sie für ihn ein notwendiger Gegenpol, die Bestätigung seiner Lebensweise, diffuse und doch starke Anziehung. Wie zwei Himmelskörper in gebundener Rotation umkreisen sich die beiden unaufhörlich.

 

E. L. Karhu beschreibt in ihrem neuen Auftragswerk für das Schauspiel Leipzig eine Symbiose zweier entgegengesetzter Figuren. Das System, das die beiden bilden, ist eines von Beobachten und Beobachtetwerden, in dem die Grenzen zwischen den Geschwistern mimetisch verschwimmen — und in das andere Personen willentlich-unwillentlich hineingezogen werden.

Doch was genau ist dieses geschwisterliche Doppelgestirn? Eine dysfunktionale Abhängigkeitsbeziehung? Ein Spiel aus Faszination für Absonderliches? Ein morbides soziologisches Experiment? Karhu schreibt zwischen und jenseits all dieser Kategorien, immer haarscharf am Horror vorbei, am Psychothriller, und meint doch den Schrecken des Alltäglichen, den kleinen Voyeurismus von nebenan, den Ekel, der morgens mit am Frühstückstisch sitzt.

E. L. Karhu gehört zu den erfolgreichsten gegenwärtigen Theaterautorinnen Finnlands. Nach der Deutschsprachigen Erstaufführung von „Prinzessin Hamlet“ und der Uraufführung von „Eriopis“ ist „Für meinen Bruder“ das dritte Stück Karhus, das auf der Bühne der Diskothek zu sehen ist.

Mit „Für meinen Bruder“ stellt sich Elsa-Sophie Jach als Regisseurin dem Leipziger Publikum vor. Sie hat Regie an der Theaterakademie Hamburg und Szenisches Schreiben an der UdK Berlin studiert. 2018 wurde sie für „Das Erdbeben in Chili“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg von der Zeitschrift Theater heute als Nachwuchsregisseurin des Jahres genannt. Gemeinsam mit dem Autor Thomas Köck inszenierte sie 2018 dessen Uraufführung „die zukunft reicht uns nicht (klagt, kinder, klagt!)“, die für den Nestroy 2018 nominiert und zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen war. Ebenfalls gemeinsam mit Thomas Köck inszenierte sie „Dritte Republik“, das 2019 zum Festival Radikal jung eingeladen war. Darüber hinaus hat sie mehrere Uraufführungen von Autorinnen wie Katja Brunner und Enis Maci inszeniert.

Deutsch von Stefan Moster

Mit
Thomas Braungardt, Patrick Isermeyer, Amal Keller, Teresa Schergaut

Regie: Elsa-Sophie Jach
Bühne: Marlene Lockemann
Kostüme: Aleksandra Pavlović
Musik: Max Kühn
Dramaturgie: Georg Mellert
Licht: Thomas Kalz
Theaterpädagogische Betreuung: Amelie Gohla

Do, 28.04. 20:00
Diskothek
Fr, 20.05. 20:00
Diskothek

 

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