URAUFFÜHRUNG: NOWHERE OUT - Dokumentarstück über muslimische schwule, lesbische & transgender-Geflüchtete von Hans-Werner Kroesinger & Regine Dura - Badisches Staatstheater Karlsruhe

Premiere am Freitag, 30.6.2017, um 20 Uhr im STUDIO. -----Was zunächst wie ein Abend über Minderheiten und sich überschneidende Diskriminierungen klingt, entpuppt sich als ein Stück über die ganze Gesellschaft: Vorurteile und falsche Zuschreibungen, Religionen und ihre Gesetze, Sexualitäten, Asylpraxis. Werte und Grenzen verändern sich, Geschlechter werden fluide, es kommt zu interkulturellen Verschiebungen und produktiven oder problematischen Missverständnissen.
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Es sind nicht allein Krieg und Terror, weshalb sich muslimische Geflüchtete auf den Weg nach Deutschland gemacht haben. Für manche kommt hinzu, dass sie in ihren Herkunftsländern wegen ihrer sexuellen Orientierung bedroht werden, die dort im Widerspruch zu Gesetz und Religion steht. Sie hoffen, hier mit ihrer Homo-, Bi- oder Transsexualität frei und sicher leben zu können. Doch in den Erstaufnahmen und Unterkünften ist ihr Versteckspiel noch nicht zu Ende – und in der deutschen Wirklichkeit sind sie als Minderheit in der Minderheit einer dreifachen Diskriminierung ausgesetzt. In Nürnberg und Berlin wurden nun erste Häuser speziell für lesbische, schwule, bi- und transgender-Flüchtlinge eröffnet – doch wer dort Schutz sucht, outet sich damit notgedrungen vor Familie, Freunden und Behörden.

Im Dokumentarstück von Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura kommen Geflüchtete, Aktivisten, Behörden-Mitarbeiter, Religions- und Sexualwissenschaftler, Journalisten und Autoren verschiedenster Positionen zu Wort, von christlich-fundamentalistischen bis zu links-feministischen. Das vierköpfige Ensemble hat sich mit Kroesinger und Dura durch wissenschaftliche Arbeiten, Interviews, religiöse Texte und Handbücher gearbeitet, Tagungen und Workshops besucht und Geflüchtete getroffen. Im Zentrum stehen Gesetze, Regeln und Leitfäden unserer bürokratisch durchstrukturierten Welt. Der Abend richtet den Blick auf die Gesellschaft, in der Geflüchtete zu Neubürgern werden und befragt die Ängste und Projektionen der Willkommenskultur.

Kroesinger ist Deutschlands profiliertester Dokumentartheater-Regisseur. Seit 25 Jahren recherchiert er zusammen mit Regine Dura kontinuierlich zu gesellschaftlich und politisch brisanten Themen, vom Völkermord an den Armeniern und dem Genozid in Ruanda bis zu Frontex, der RAF und der deutschen Griechenland-Manie. Seine Inszenierung Stolpersteine Staatstheater über die Gleichschaltung des STAATSTHEATERS 1933 wurde mit einer Einladung zum BERLINER THEATERTREFFEN 2016 ausgezeichnet. Für sein neues Projekt spricht er bundesweit mit muslimischen Geflüchteten und stellt mit Schauspielern aus dem Ensemble ihre Geschichten und Forderungen, ihre Träume und Alpträume zur Diskussion.

Regie Hans-Werner Kroesinger

Textfassung Regine Dura

Bühne, Kostüme & Video Rob Moonen

Musik Jens-Uwe Beyer

Dramaturgie Jan Linders

Jakob Schumann

Theaterpädagogik Verena Lany

Mit Marthe Lola Deutschmann

Antonia Mohr

Jonathan Bruckmeier

Gunnar Schmidt

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