Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Uraufführung: „Der letzte Riesenalk“, ein Diorama von Anna Viebrock und Malte Ubenauf im Schauspiel Köln Uraufführung: „Der letzte Riesenalk“, ein Diorama von Anna Viebrock und Malte...Uraufführung: „Der...

Uraufführung: „Der letzte Riesenalk“, ein Diorama von Anna Viebrock und Malte Ubenauf im Schauspiel Köln

Premiere 14. Februar 2009 um 19.30 Uhr im Schauspielhaus

 

Nichts in unserem täglichen Sprachgebrauch scheint ähnlich überstrapaziert wie die Anwendung von Tiervergleichen. Hyänenartig stürzen wir uns auf Böcke und Rehe, auf Affen und Ameisen, auf Hunde, Katzen, Mäuse, um an ihrem Beispiel Aussagen über das menschliche Verhalten zu treffen.

Dabei sind die Schnittmengen äußerst gering, abgesehen von 90-95 Prozent Überschneidung im Bereich der genetischen Codierung. Warum beherrschen die Tiere so weit reichend unsere Sprache? Warum umgeben wir uns mit vermeintlich bewusstseinslosen Geschöpfen, sprechen sie an und empfinden sie als Gesellschafter? Der Schriftsteller Elias Canetti findet folgende Antwort: „Tiere sagst du. Was meinst du? Du meinst alles Lebendige, das du liebst, weil du es nicht verstehst.“ Genau hier scheint der Hund begraben. Der Mensch kann das Tier nicht betrachten, ohne es auf sich zu beziehen. Er spricht von den Tieren und meint immer nur die Leerstellen seiner eigenen Lebenswirklichkeit. Wir blicken den Tieren in die Augen, sind erschüttert, dass uns das, was wir da erblicken, ein einziges Rätsel ist, und wenden uns ab.

 

Was aber, wenn wir es wagen würden, dem Blick der Tiere standzuhalten? Nicht, um sie zu bezwingen, sondern um den unüberbrückbaren Abstand zwischen Mensch und Tier zu feiern oder leidenschaftlich an dieser Differenz zu verzweifeln. Diesem Versuch gilt die ganze Aufmerksamkeit der Regisseurin und Bühnenbildnerin Anna Viebrock. In ihrer ersten Arbeit am Schauspiel Köln lädt sie den Schauspieler Josef Ostendorf und weitere Kollegen des Ensembles ein, sich den Blicken der Tiere zu stellen und ihrerseits zu blicken.

 

Anna Viebrock, geboren 1951 in Köln, studiert an der Kunstakademie Düsseldorf und beginnt ihre Theaterarbeit mit Hans Neuenfels in Frankfurt. Seit 1983 arbeitet sie mit Jossi Wieler und seit 1993 regelmäßig mit Christoph Marthaler u.a. in Berlin, Hamburg, Basel, Paris, Salzburg und Bayreuth, immer in Oper und Schauspiel. Von 2000 bis 2004 ist sie im Leitungsteam des Schauspielhaus Zürich. Für ihre Arbeiten erhält sie zahlreiche Preise. Eigene Inszenierungen folgen, u.a. am Schauspielhaus Zürich, HAU Berlin, Theater Basel, Opéra National de Paris, Münchener Biennale und Staatsoper Hannover – häufig in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Johannes Harneit und dem Dramaturgen Malte Ubenauf.

 

Malte Ubenauf, geboren 1973 in Hamburg, arbeitet als Dramaturg und Regisseur. Seine Inszenierungen sind u.a. am Schauspielhaus Zürich, an den Theatern von Aachen und Meinigen, auf Kampnagel in Hamburg, sowie bei Festivals in Berlin, Dresden, Gießen und Basel zu sehen. Als Dramaturg war Ubenauf am Schauspielhaus Zürich und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin engagiert. Seit 2004 ist er vorwiegend als freiberuflicher Schauspiel- und Musiktheaterdramaturg tätig und arbeitet regelmäßig mit Anna Viebrock, Christiane Pohle und Christoph Marthaler zusammen.

 

Es spielen Josef Ostendorf, Ernst Surberg, Thomas Wittmann u.a.

 

Regie, Bühne und Kostüme Anna Viebrock, Choreografie Altea Garrido Video Till Exit Licht Johan Delaere Dramaturgie Malte Ubenauf, Götz Leineweber

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die bisherigen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑