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Uraufführung: THALERHOF von Andrzej Stasiuk im SCHAUSPIELHAUS GRAZ

Premiere am 27. September 2013 um 19.30 Uhr, Hauptbühne. -----

„Thalerhof“ ist der Beiname des Grazer Flughafens. Im Jahr 1914 startete hier das erste Flugzeug und noch im gleichen Jahr entstand auf dem Gelände ein Internierungslager. Zivilisten aus dem östlichen k.u.k.-Grenzgebiet wurden in Güterwagen hierher deportiert, weil man sie verdächtigte, mit den Russen zu sympathisieren.

Tausende Grazer pilgerten nach Thalerhof, um die Fremden zu bestaunen. Sanitäre Anlagen gab es nicht, und zunächst auch keine Baracken. So starben durch Epidemien fast 1.800 Menschen, die in einem Massengrab beerdigt wurden. Der für seinen grotesken Humor bekannte polnische Autor Andrzej Stasiuk, der in der Heimat der damals Vertriebenen lebt, hat für das Schauspielhaus ein Stück geschrieben, in dem die Toten den Lebenden ihre Geschichten erzählen. Damit spannt er einen Bogen vom 1. Weltkrieg nach heute, und schlägt eine Brücke vom Rand Galiziens bis nach Graz.

 

Andrzej Stasiuk gehört zu den einflussreichsten polnischen Autoren unserer Zeit. Seine Essays erscheinen regelmäßig in polnischen Zeitungen, aber auch in der Süddeutschen Zeitung und der FAZ. Seine Erzählungen und Romane (Die Welt hinter Dukla, Die Mauer von Hebron, Der weiße Rabe, Kurzes Buch über das Sterben, etc.) sind bekannt für ihre Bildgewalt und ihren grotesken Humor. Sein erstes Theaterstück schrieb er 2005 für das Schauspielhaus Düsseldorf. Im selben Jahr wurde er mit dem Adalbert-Stifter-und dem Nike-Preis ausgezeichnet. Er lebt in einem kleinen Dorf in den Niederen Beskiden.

 

„Ich bin ein abergläubischer Slawe und glaube an Geister. So wie meine Großmutter an Geister glaubte. Ich lausche, was sie zu sagen haben. Zum Beispiel die, die man eines Tages aus meiner Gegend wegbrachte, um sie ohne Gerichtsurteil in ein Deportationslager in der schönen Stadt Graz zu sperren. Ich lausche aber auch den Stimmen jener, die – vom Kaiser ausgesandt – in meiner Gegend 1914 und 1915 im Großen Krieg gestorben sind – gefallen, ermordet. Ich lausche. Sie liegen unter der Erde. Ich gehe zu ihnen. Danach versuche ich euch zu erzählen, was ich gehört habe.“

 

Zur Regisseurin

Anna Badora, geboren in Tschenstochau, begleitete als Intendantin Auftragswerke und Uraufführungen von Andrzej Stasiuk am Düsseldorfer Schauspielhaus (Nacht, 2005) und am Schauspielhaus Graz (Ostmark, 2006). Nun setzt sie die freundschaftliche Zusammenarbeit fort und inszeniert selbst das Stück von Andrzej Stasiuk, das er als Auftragswerk für das Schauspielhaus Graz geschrieben hat.

 

Regie Anna Badora

Bühne Raimund Orfeo Voigt

Kostüme Julia Kornacka

Musik Dominik Strycharski

Lichtdesign Tamas Banyai

Video Philipp Haupt

Dramaturgie Britta Kampert, Christian Mayer

 

Mit Sebastian Klein, Laurenz Laufenberg, Verena Lercher, Kaspar Locher, Gerti Pall, Seyneb Saleh, Stefan Suske, Jan Thümer, Franz Xaver Zach, Simon Zagermann u. a.

 

Weitere Vorstellungen am 2., 3., 12., 22., 23. und 25. Oktober sowie ab November

 

Tickets

T 0316 8000, F 0316 8008-1565 - E tickets@buehnen-graz.com

I www.schauspielhaus-graz.com

 

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