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Zwei Trauerfälle bei der Komischen Oper Berlin

In den vergangenen Tagen sind zwei der Komischen Oper Berlin langjährig verbundene Künstler verstorben: Neven Belamaric und Reinhard Heinrich.

 

Der in Kroatien geborene Bassist Neven Belamaric verstarb am 9. Juli 2006 in Zagreb nach schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren. Seit 1998 gehörte Neven Belamaric zum Ensemble der Komischen Oper Berlin.

Der am 3. Juni 1949 in Sibenik/Kroatien geborene Bassist schloss 1973 sein

Gesangsstudium an der Musikakademie in Zagreb ab und machte ein Jahr

später auch ein Examen in Theoretischer Physik an der Naturwissenschaftlichen

Fakultät. Er war drei Jahre lang Mitglied des Opernstudios der Wiener

Staatsoper unter der Betreuung von Kammersänger Otto Wiener.

Neven Belamaric wurde in seiner Heimat mehrmals ausgezeichnet, u. a. mit

dem ersten Preis für die Partie des Wotan in Die Walküre beim Festival Ljubljana (1986), als bester Künstler Kroatiens für Herzog Blaubarts Burg von Béla Bartók (1999), als bester Künstler Kroatiens für Fiesco in Simone Boccanegra (2003) und mit dem Tito-Strozzi-Preis als König Marke in Tristan und Isolde (2005). Seit 2003 unterrichtete er als Dozent Sologesang an der Musikhochschule in Zagreb.

Von 1998 an gehörte Neven Belamaric zum Ensemble der Komischen Oper

Berlin und hat hier in zahlreichen Partien sein Können unter Beweis gestellt. Er

war u. a. als Raimondo in Lucia di Lammermoor, als Philipp in Don Carlos, als

Boris in Boris Godunow, als Crespel in Hoffmanns Erzählungen, als Timur in

Turandot, als Sparafucile in Rigoletto, als Zauberer Celio und Köchin in Die

Liebe zu drei Orangen, als Dorfrichter in Jenufa, als Boris Timofejewitsch in

Lady Macbeth von Mzensk und als Fürst Gremin in Jewgeni Onegin zu erleben.

In dieser Partie stand er am 10. Juli 2005 zuletzt auf der Bühne der Komischen Oper Berlin.

 

Der Kostümbildner Reinhard Heinrich verstarb am 6. Juli 2006 im Alter von 70 Jahren. Er war der Komischen Oper Berlin über Jahrzehnte eng verbunden, zuletzt von 1991 bis 2000 als Direktor der Kostümwerkstätten.

Der gebürtige Hallenser kam nach einer Herrenschneiderlehre und nach Kostümzeichner- Unterricht als Volontär 1955 an die Komische Oper. Von hier

wechselte er 1957 an die Deutsche Staatsoper Berlin. 1962 ging er als Assistent von Kurt Palm an das Münchner Residenz-Theater, wo er später Leiter der Kostümwerkstätten wurde. Ab 1969 schloss sich eine längere Periode des Reisens durch Persien, Indien und Afrika an. Dann folgte eine Zusammenarbeit mit Claire Fontaine in Südafrika.

Im Jahre 1972 wurde er Leiter der Kostümabteilung der Bayreuther Festspiele

und übernahm dieselbe Position auch in Montreal/Kanada. Im Jahre 1978

begann mit den Inszenierung von Parsifal in Kopenhagen und Der fliegende

Holländer in Bayreuth die enge künstlerische Partnerschaft mit Harry Kupfer,

die ihn in den 80er und 90er Jahren zurück an die Komische Oper Berlin

führte.

Darüber hinaus arbeitete er mit Regisseuren wie Wolfgang Wagner, August

Everding, Götz Friedrich, Michael Hampe, Christine Mielitz, Friedrich Meyer-

Oertel und anderen zusammen.

Seine letzte Arbeit für die Komische Oper Berlin waren die Kostümentwürfe zu

La fille mal gardée in der Choreographie von Richard Wherlock. Harry Kupfers

Inszenierungen von La Traviata und Die Fledermaus, für die Reinhard

Heinrich die Kostüme schuf, stehen noch auf dem Spielplan unseres Hauses.

Mit Reinhard Heinrich ist ein Künstler von uns gegangen, von dessen Arbeiten

wichtige Impulse für die Entwicklung des modernen Musiktheaters ausgegangen sind.

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