Now & Next FORUM im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

mit Stücken von Douglas Bateman, Monika Born & Kerim Karaoglu, Chikako Kaido und Sanja Tropp Frühwald

Wieder einmal konnte der Zuschauer vier sehr unterschiedlichen Positionen des Choreographennachwuchses im Tanzhaus NRW im jüngsten Now und Next kennenlernen.

"Die Geschichte vom gar traurigen Feuerzeug" aus dem Kinderbuch Struwwelpeter dient Sanja Tropp Frühwald als Grundlage ihres Stückes "Vanishing Acts # 3". Sie verwendet einzelne Elemente aus dieser Geschichte, z.B. Asche, das Maunzen der Katzen, Paulinchens Kleidung, und verwandelt die Erzählung vom aufmüpfigen Mädchen in etwas Unheimliches und Bizarres. Das könnte überaus spannend und auch verstörend sein, wenn sie sich nicht einer ungelenken Körpersprache bedienen würde, und auch der vorgelesene Texteinschub nimmt dem Stück etwas von seiner Kohärenz.

Ausgangspunkt für Chikako Kaidos "Schattenlinien", einem Solo für die Tänzerin Hyunjin Kim, waren die Fotografien von Daid? Moriyama. Sicherlich spielt in der japanischen Ästhetik der Umgang mit Licht und Schatten eine bedeutende Rolle, wie bereits Tanizaki Jun'ichiro in seinem Buch "Lob des Schattens" eindrucksvoll dargestellt hat. Kaido belässt es aber nicht bei einer Reflexion über das Verhältnis von Licht, Schatten, Körper und Raum, sondern ihr geht es darüber hinaus auch um den im Schatten erzeugten Doppelgänger und die sog. Schattenseiten. Hyunjin Kim bot diese Schattenstudie präzise und konzentriert dar.

In "Reflekt!" tritt Monika Born in Dialog mit ihrem projizierten Alter Ego. Beide bewegen sich zunächst völlig unabhängig, um bei unerwarteten Zusammentreffen voreinander zu fliehen, bis dieses projizierte Wesen sich schließlich multipliziert, von den Tänzern Besitz ergreift und sich nicht mehr abschütteln lässt. Ein kurzes, nämlich nur 11 Minuten langes, aber umso überzeugenderes Stück.

In Emma-Peel-artigen Kostümen bewegen sich Sabina Perry und Adam Ster in Douglas Batemans „On Reality“ á la Batman über die Bühne. Irgendwie erinnern die Bewegungs¬muster an die 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein Knallbonbon lässt Sternenflimmer herab und schon ist die völlige harmonische Perfektion der beiden Tänzer dahin. Wechselseitig werden sich die tänzerischen Kompetenzen abgesprochen, wobei das für den Zuschauer so gar nicht einsichtig ist. Das Spiel mit der "Wirklichkeit" wird zu Farce. Und das ist auch der Sinn des Stückes, der die mediale Darstellung von Authentizität wie sie in Reality-Shows dargeboten wird, hinterfragen will.

"Vanishing Acts # 3"

Choreographie, Performance: Sanja Tropp Frühwald

Musik: Damir Šimunovi?

"Schattenlinien"

Choreographie: Chikako Kaido

Tanz: Hyun.Jin Kim

Video: Semiramis Ceylan

"Reflekt!"

Choreographie, Performance: Monika Born

Sound, Visuals: kerim Karaoglu

"On Reality"-preview

Choreographie: Douglas Bateman

Performance: Sabina Perry, Adam Ster

Musik: Adam Ster

Oktober 2011

Weitere Artikel