Noch immer aktuell

"Rosas danst Rosas" von Rosas / Anne Teresa De Keersmaeker im Tanzhaus NRW Düssseldorf

Von Dagmar Kurtz
Das Tanzhaus NRW wird 40 und feiert seinen Geburtstag mit der Neuauflage eines 35 Jahre alten Klassikers des modernen Tanztheaters: mit Anne Teresa De Keersmaekers "Rosas danst Rosas", jetzt performt mit einem jüngeren Ensemble.
24615

Im Bühnenhintergrund ein Stapel Holzstühle. Vier Tänzerinnen nehmen mit dem Rücken zum Publikum Stellung, bevor sie sich abrupt zu Boden fallen lassen. Die erste Sequenz verläuft vergleichsweise ruhig, wenn die Tänzerinnen sich über den Boden bewegen ohne Musik, nur der Rhythmus ihres Atmens ist zu hören. Das ändert sich, nachdem die Stühle in Reihen aufgestellt sind. Mit dem Einsetzen der Musik werden die Bewegungen schneller. Es sind immer die gleichen Bewegungen in einer schier endlos anmutenden Folge. Ein ständig wiederholtes Muster ist z.B. das Kinn in die Hand stützen oder die Blusenvorderteile über die Schulter ziehen, ein typisch weibliches Bewegungsmuster und zugleich eine Persiflage.

Einer streng geometrischen Struktur folgend bewegen sich die Tänzerinnen überwiegend synchron bis eine aussetzt, die drei anderen weiter agieren. Oder der Focus auf einer allein liegt mit einer einzelnen Bewegungssequenz. Ein kurzes Innehalten, Entspannung folgt auf Anspannung der Muskeln. Die ständigen schnellen Repetitionen zusammen mit dem durchdringenden Rhythmus der Musik rufen die Assoziation mit dem Hamsterrad hervor: bis zur Erschöpfung geht der immer gleiche Tagesablauf, oder aber auch bis zur Ekstase.

Angelehnt an die Prinzipien der Minimial Music hat Anne Teresa De Keersmaeker sich auf einfache Bewegungen und Gesten beschränkt und diese in eine strenge Komposition gefügt. Jedoch ist hier nicht der Raum oder die Aufteilung im Raum das Erforschungsthema, sondern wohl eher wie sich Verhaltensmuster manifestieren.

Beim Publikum konnte "Rosas danst Rosas", der kraftvolle Tanzklassiker, auch nach 35 Jahren noch bestehen und rief enthusiastische Begeisterung hervor.

Choreografie: Anne Teresa De Keersmaeker
Tanz: Léa Dubois, Yuika Hashimoto, Laura Maria Poletti, Soa Ratsifandrihana
Kreiert mit: Anne Teresa De Keersmaeker, Adriana Borriello, Michèle Anne De Mey, Fumiyo Ikeda
Musik: Thierry De Mey, Peter Vermeersch
Musiker (Aufnahmen): Thierry De Mey (Percussion und Piano), Walter Hus (Piano), Eric Sleichim (Saxofon), Peter Vermeersch (Klarinette)
Licht: Remon Fromont
Kostüme: Rosas
Probenleitung: Fumiyo Ikeda, Sue Yeon Youn; Künstlerische Koordination, Planung: Anne Van Aerschot; Technische Leitung: Joris Erven; Koordination Kostüm: Heide Vanderieck; Technik: Max Adams, Joris De Bolle, Quinten Maes, Michael Smets

Uraufführung: 06.05.1983, Kaaitheaterfestival amThéâtre de la Balsamine, Brüssel. Foto: Anne Van Aerschot.Eine Produktion von Rosas & Kaaitheater (1983), koproduziert durch De Munt / La Monnaie, Sadler’s Wells, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg. Rosas wird unterstützt durch die Vlaamse Gemeenschap.

Weitere Artikel