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Schauspiel

Abwärts

Haushohe Bretterverschläge, die sich verschieben, sich verdrehen, zu Labyrinthen werden, in denen sich K. in der Düsseldorfer Inszenierung von Kafkas "Das Schloss" verläuft. Sinnbild seiner inneren und äußeren Situation. Sein Ziel, ins Schloss zu gelangen, erreicht er nicht.

 

Die Freakshow

Der stadtbekannte Kleinkriminelle Macheath, immer gedeckt durch den Polizeichef Brown, heiratet heimlich die Tochter des Jonathan Jeremiah Peachum, Chef des organisierten Bettlersyndikats. Dieser zeigt sich mit dieser Liaison gar nicht einverstanden und bringt Macheath hinter Gitter. Die „Dreigroschenoper“ von Brecht/Weill ist seit ihrer Uraufführung 1928 ein Dauerläufer. Die schmissige Musik und…

Gegensätze

 

In Anlehnung an Heisenbergs "Unschärferelation", nach der sich Elektronen unbeobachtet anders verhalten als unter Beobachtung, unternimmt Simon Stephens in seinem Stück den Versuch, diese Theorie Heisenbergs auf das menschliche Miteinander anzuwenden.

 

Das Stück beginnt unmittelbar nachdem eine unerhörte Begebenheit stattgefunden hat: Georgie hat im Bahnhof den ihr bis dahin völlig fremden…

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

 

„Und ich? Wer bin nun ich?“ fragt André, der Vater, gegen Ende des Stücks. Er ist verloren gegangen, er hat sich selbst verloren in seiner fortschreitenden Demenz. Um deren Verlauf geht es im Stück, das den Verlauf der Erkrankung auf fünf Tage konzentriert. Fünf Tage, in denen die Menschen, die André umgeben, beständig ihre Identitäten wechseln, in denen sich beständig deren Kontexte,…

"Die Fremden" nach dem Roman „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud

Die riesige Kohlenmischhalle der ehemaligen Zeche Auguste Vikoria in Marl bietet eine grandiose Bühne. Im Rahmen der Ruhrtriennale spielt hier Johan Simons Inszenierung „Die Fremden“ nach Kamel Daouds Debütroman „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“. Das Buch wurde seit seinem Erscheinen 2014 (dt. Ausgabe Februar 2016) heftig diskutiert. Daoud, 1970 geboren, ist Autor und Journalist in…

Ein Kunstraub der Extraklasse

 

Der Albtraum jedes Kunstmuseums, hier ist er schaurige Wirklichkeit. Im Impressionistensaal fehlt der „Frühlingsmorgen“ von Max Slevogt, er muss gestohlen worden sein. Schlimmer noch. An seiner Stelle macht sich ein museumsfremdes, komplett weißes Bild des umstrittenen Zeitgenossen Ontrias breit. Auf die doppelte Peinlichkeit stößt der stellvertretende Museumsdirektor Dr. Mirtz ausgerechnet…

Der Blick hinter die Bühne

 

Vom Zuschauerraum aus erblickt man auf der Bühne den Garderobenraum einer Theaterbühne. Im Hintergrund öffnet sich ein roter Samtvorhang und gibt den Blick - auf eine Theaterbühne frei. Ein Dreifachszenengedanke. Alle kleinen Eifersüchteleien, Intrigen, Bewunderungen und Beurteilungen spielen sich auf dem Hintergrund ab, der für den Zuschauer des Schauspiels "Mephisto" zum Vordergrund wird.…

Im Nebel

 

Ein Quintett spielt kammermusikalisch auf, bevor dann ein orkanartiger Sturm einsetzt. Mit einer Reminiszenz an den Untergang der Titanic beginnt Volker Hesse seine Inszenierung von Shakespeares "Der Sturm" für das Düsseldorfer Schauspielhaus. Auf einer einsamen Insel, zwischen Neapel und Tunis gelegen, lebt Prospero. Einst war er Herzog von Mailand, bevor er von seinem Bruder Antonio entmachtet…

Süsse Klänge und propagandistische Wucht

 

Als Marlene Dietrich im Zweiten Weltkrieg vor amerikanischen Soldaten auftritt, kämpft sie auf ihre Art an vorderster Front. Sie schenkt Ablenkung, motiviert durch gute Laune, verhilft zu einem Stück Normalität im Kriegsgrauen. Dem Beispiel der Dietrich folgen weitere Sänger, Unterhaltungskünstler, Showgirls. Hier setzt Jürgen R. Weber mit seiner Revue „Frontgarderobe“ an. In Liedern, Tanz und…

Glücksspiel in Roulettenburg

 

Sommerfrische in einem deutschen Kurort. Die Attraktion: das Spielkasino. Alexej, leidenschaftlich und obsessiv in Polina verliebt, entdeckt bald eine andere Leidenschaft, die ihn alles andere vergessen lässt. Für Martin Laberenz’ Inszenierung nach Dostojewskiys Roman "Der Spieler" hat Volker Hintermeier in seinem Bühnenbild dafür ein eingängiges Bild gefunden, so spielt sich das ganze Geschehen…

Fast wie im richtigen Leben

 

Verstaubte ficus benjamini stehen im Vorzimmer des smarten Minister Narbonne, der gerade sein Amt angetreten hat, ganz unerfahren ist und natürlich alles anders als sein Vorgänger machen will; es soll aufgeräumt, alte Seilschaften sollen gekappt werden. Da er aber anscheinend lieber seinen diversen sportlichen Vergnügungen nachgehen möchte - Moritz Führmann überrascht dabei in ständig…

Zwischen Traum und Wirklichkeit

 

An der Wirklichkeit kann man schon einmal verzweifeln! Zumal wenn es sich um ein Leben in den stürmischen Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts handelt. E. T. A. Hoffmann hat für sich ein Gegenmittel in der Poesie gefunden. In seinen Erzählungen bricht in das harmlos bürgerliche Biedermeieridyll unversehens das Phantastische ein. Markus Bothe hat sich diese Verfahrensweise für sein Bühnenstück…

Der Tanz der Trolle

 

Was für ein Lebenslauf! Der Vater verspekuliert sich, wirtschaftet den Hof herunter und stirbt als Alkoholiker. Die verbitterte Mutter vergöttert ihren Sohn einerseits, anderseits schlägt und entwertet sie ihn, der klassische double bind. Peer Gynt, der Sohn, flieht in Lügen und Fantastereien, wird von den anderen ausgegrenzt und zum Außenseiter. Er ist kein Unschuldslamm. Ingrid entführt er…

Das angeschlagene Selbstgefühl

 

Zwei Inszenierungen ihres Intendanten Johan Simons hatten die Münchner Kammerspiele an den Osterfeiertagen 2013 auf dem Spielplan. Der Titel ist jeweils schlicht und folgerichtig ein Männername. In beiden Stücken geht es zentral um das Schicksal eines Mannes, der in seinem Wirkungsbereich eine umstrittene Rolle spielt und der bittersten Verachtung anheimfällt.

 

Zuerst als deutschsprachige…

Das Meta-Ding

 

Ein Mann steht mit dem Rücken zum Publikum auf der Bühne, unbeweglich, breitbeinig, von einem großen Spot beschienen, während ihn die Drehbühne langsam dem Publikum zuwendet. Er trägt die Insignien der Coolness; dessen, der sich nicht in die Karten gucken lässt: dunkler Anzug, Hut, schwarze Sonnenbrille und spitze Macker-Lackschuhe. Dann aber breitet der Mann sein ganzes Blatt vor dem Publikum…

Nachdenken über Heiner M.

 

Wenn man ins Nachdenken kommt, kann das schon einmal zur Verwirrung führen. Was ist die Wahrheit, die Wirklichkeit, stimmt die eigene Wahrnehmung? Oder ist alles nur Täuschung, Fiktion?

 

Kris Verdonck spielt mit dieser Art der Verwirrung, indem er in seinem Stück "M a reflection" dem wirklichen Schauspieler Johan Leysen einen Doppelgänger gegenüberstellt, mit dem er in einen Dialog tritt.…

In der Zwangsjacke durch den Sturm

 

Eine trügerische Ruhe liegt über der Stadt. Die schmale, tiefe Bühne mit ihren hohen schwarzen Wänden, die sich nach hinten verjüngen, wirkt eng und unbeweglich wie eine Felsschlucht. Raumgreifende, farbenfrohe Hollywoodschaukeln können nicht über diese beklemmende Atmosphäre hinweg täuschen, die die Geschichte bestimmt.

 

Heavenly (Maike Jüttendonk), Tochter aus so genanntem gutem Hause,…

Theater-Fuck

 

Die Geschichte ist schnell erzählt: Im antiken Griechenland bekämpfen sich Athen und Sparta seit zwanzig Jahren im Peleponnesischen Krieg. Zermürbt von der Sinnlosigkeit dieser Kämpfe verschwören sich die Frauen beider Seiten mit Lysistrata an ihrer Spitze. Sie treten in einen Sexstreik, um von ihren Männern den Frieden zu erzwingen – mit Erfolg. Ende.

 

Rebekka Kricheldorf (Textbearbeitung)…

Münchner Theater in Hochform

 

Die beiden großen Schauspielhäuser Münchens blühen in farbenprächtiger, wagemutiger, geradezu berstender Vitalität. Mit tollen Stücken und absolut hervorragenden Regisseuren und Darstellern. So jedenfalls an den beiden Abenden, die ich zur Jahreswende 2012/2013 erlebte.

 

Zuerst in den Münchner Kammerspielen das 1957 geschriebene Stück „Orpheus steigt herab“ von Tennessee Williams, eine…

Zwischen Revolte und Resignation

 

Die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen am Anfang des 19. Jahrhunderts analysierte Georg Büchner in seinen Werken mit sezierendem Blick. Er stellte den Einzelnen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und zwar in dem Moment seines individuellen Scheiterns.

 

Falk Richter hat aus Büchners Texten, überwiegend aus "Lenz", "Woyzeck" und Auszügen aus seinen Briefen, für das Düsseldorfer…

Scherbengericht

 

Das Gericht tagt zwischen Baugerüsten. Der Dorfrichter Adam hat die letzte Nacht nicht gut überstanden. Für seine offensichtlichen Malträtierungen denkt er sich bizarre Lügen aus. Und wie es das Schicksal so will, trifft ausgerechnet jetzt der neue Revisor im Dorfe ein. Zudem ist Adam auch persönlich in den zu verhandelnden Gerichtsfall involviert, was er jedoch zu vertuschen versucht. Das…

Die Träume des Andrej Mogutschi

 

Ein Fest für Requisite, Bühnentechnik und Kostümbildnerei! Der Regisseur Andrej Mogutschi schöpft aus dem Vollen, um seine Traumphantasien umzusetzen. Absurdität und Surreales haben es ihm angetan. In schnellem Wechsel dreht sich die Bühne in verschiedenen Ebenen, man schwebt in Booten am Himmel und am Boden, Wolken und behütete Männer ziehen vorüber wie auf René Magrittes Bildern. Gewagte…

Die ganze Welt ist ein Bühne

Ein raffiniertes Spiel mit Schein und Wirklichkeit, aber auch mit falschen Vorstellungen, die man sich von sich selbst und voneinander macht, das ist das Thema von Pierre Corneilles vielschichtiger Tragikomödie "Illusion". Geistreiche Dialoge, Verwechslungen, Täuschungen und Selbsttäuschungen, Liebeschwüre, Lug und Trug, Tode, Gefechte, Bühnenklappen und Drahtseilakte, fast das ganze Repertoire…

Unentschlossen

 

Der dänische Hof ist ein güldener Kerker. In seiner Inszenierung des "Hamlet", mit der er zugleich seine Intendanz am Düsseldorfer Schauspielhaus einleitet, lässt Staffan Valdemar Holm die Schauspieler in einem großen leeren Raum - ohne Fenster, ohne Türen - agieren. Dazu gibt es eine ausgeklügelte Choreographie, in der sich die Schauspieler wie Aufziehpuppen auf einem Schachbrett bewegen.

Missglückter Flug

 

Sommer auf dem Lande. Arkadina, eine gefeierte Schauspielerin, besucht ihren Bruder Sorin auf ihrem Gut. Begleitet wird sie von ihrem Geliebten Trigorin, einem berühmten Schriftsteller. Ihr Sohn Konstantin hat ebenfalls schriftstellerische Ambitionen. Er liebt Nina, die Schauspielerin werden will, und sich in Trigorin verliebt. Nina führt Konstantins avantgardistisches Theaterstück auf, das bei…

Totentanz der Liebe

 

Es ist eine alte Geschichte, doch immer wieder neu. In seiner Inszenierung für das Düsseldorfer Schauspielhaus setzt Michael Talke erfrischend Shakespeares Tragödie "Romeo und Julia" in Szene. Zwischen Alpha Romeo und Rover mit Veroneser Kennzeichen kämpft man mit Autoantennen statt mit Schwert und Degen, der Looser Peter verschwindet auch schon einmal im Kofferraum und die Liebesnacht von Romeo…

Kein kalter Kaffe. Eine alte Geschichte neu erzählt.

 

 

"Die Leiden des jungen Werther", von Goethe im Jahr 1774 geschrieben und im gleichen Jahr veröffentlicht, ist d e r Roman einer Generation, in der die Jugend am Ende des 18. Jahrhunderts sich und ihre Gefühle widergespiegelt fand. Mit Heinrich Heine (auf eine etwas andere Konstellation gemünzten Zeilen) gesagt: "Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu": ein Junge liebt ein…

Die Schlagschatten werden länger

 

Wenn sich die gegenwärtige Finanzkrise zu einer gefährlichen Weltwirtschaftsflaute auswächst, dann werden sie noch zahlreicher. Die Arbeitslosen, die Gestrandeten, die von den Produktikonsbetrieben Ausgeschlossenen. Und der Theatermonolog von Bernard-Marie Koltès, der dem Elend eines solchen unfreiwilligen Aussenseiters bestürzenden Ausdruck gibt, wird immer aktueller.

 

Ein Mann hat irgendwann…

It's partytime

 

Célimène führt ein offenes Haus, in dem ewig Party zu sein scheint. Champagner fließt en masse, es wird gelästert, es werden kleine Gehässigkeiten ausgetauscht. Célimène flirtet mit jedem, sie will sich nicht festlegen. Ausgerechnet in sie hat sich der bis zur Unhöflichkeit aufrichtige, aus Idealismus starrköpfige Alceste verliebt, dem menschliche Eitelkeiten zuwider sind und der keiner…

Kritiken

Farbe, Form, Bewegung

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus in Weimar gegründet. In die vielfachen feierlichen Aktivitäten im Jubiläumsjahr, die…

Von: Dagmar Kurtz

Von Welten und Phantasien

Gleich mit drei Uraufführungen wartet "b37" in der Deutschen Oper am Rhein auf, dieses Mal ohne eine eigene…

Von: Dagmar Kurtz

Sehnsucht

Bereits zum Einlass schreitet Raimund Hoghe betont langsam die Bühne ab, eine gläserne Wasserschale tragend. So wird der…

Von: Dagmar Kurtz

Der schöne Rhein

Drei verschrobene ältere Damen treffen sich im Gartenlokal mit Blick auf den Rhein beim Kännchen Kaffee und Kuchen,…

Von: Dagmar Kurtz

Verwandlung

Drei Tänzerinnen in schwarzer Kleidung mit Hauben, die den ganzen Kopf bedecken und nichts erkennen lassen, die die…

Von: Dagmar Kurtz

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