Bernard-Marie Koltès: "Kampf des Negers und der Hunde", Mainfranken Theater Würzburg

Premiere: 22. November 2008 | 20:00 Uhr | Mainfranken Theater Würzburg | KammerspieleIn einem westafrikanischen Land, irgendwo zwischen Senegal und Nigeria, auf der Baustelle einer französischen Firma: Der weiße Baustellenleiter Horn hat Besuch von seiner Pariser Verlobten Lèone.

Sein Arbeiter Cal hat ein ganz anderes Problem: der Afrikaner Alboury fordert vehement die Herausgabe der Leiche seines „Bruders“, der bei einem Arbeitsunfall auf der Baustelle ums Leben gekommen sein soll. Aber war es tatsächlich ein Arbeitsunfall? Alboury lässt sich weder bestechen, noch abwimmeln. Er wartet. Zunehmend entgleitet den Europäern die Kontrolle. Während Horn und Cal mit ihrer abgeklärten Weltsicht in Bedrängnis geraten, erliegt Lèone der exotischen Faszination Albourys.

Das Schauspiel basiert auf einem Ereignis, das Bernard-Marie Koltès 1978 auf seiner ersten Afrikareise von weißen Bauarbeitern geschildert bekam: Ein Afrikaner war von einem Caterpillar getötet worden. Man erzählt ihm davon wie von einem ganz alltäglichen Vorfall. Koltès allerdings erschütterte dieses Erlebnis nachhaltig. Beeinflusst von dieser wie von seinen übrigen Erfahrungen in Afrika, schrieb er ein Jahr später das Stück „Kampf des Negers und der Hunde“. Darin setzt er sich außerdem mit postkolonialen Herrschaftsphantasien, wechselseitigen kulturellen Projektionen, dem Fremden, dem Hass und der menschlichen Verlorenheit auseinander. Koltès starb 1989 im Alter von 41 Jahren an AIDS.

Koltès ist bekannt für seine beinahe lyrische Sprach- und Bildgewalt, die Intensität und Eindrücklichkeit seiner Themen und Stücke. Die Inszenierung von Axel Stöcker setzt dies in atmosphärisch dichte Szenen und Bilder um. Präzision und psychologische Nachvollziehbarkeit bestimmen seinen Regiezugriff in einem Bühnenbild von Sandra Dehler, das den poetischen Symbolgehalt von Koltès Sprache mit bewusst reduzierten Mitteln aufgreift.

Inszenierung: Axel Stöcker

Bühne: Sandra Dehler

Kostüme: Hella Bünte

Dramaturgie: Petra Paschinger

Lèone: Maria Vogt

Cal: Kai Christian Moritz

Horn: Klaus Müller-Beck

Alboury: Issaka Zoungrana

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