"Baal" von Bertolt Brecht im Schauspiel Leipzig

Premiere: 5. Juni 2015, 19:30, Große Bühne. -----Ein vergnüglicher Zeitgenosse ist er nicht, der Baal. Als junger Dichter wird er entdeckt, aber verprellt den Verleger, der ihn berühmt machen könnte, spannt ihm gar dessen Frau aus. Doch diese ist nur gut für kurze Zeit, dann gibt’s eine neue.
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Sogar vor der Freundin eines Freundes macht er nicht halt. Aber er behandelt sie nicht gut, die Frauen, die ihm in die Arme laufen. Die Lust genießt er von ihnen, aber roh stößt er sie von sich, wenn er ihrer überdrüssig geworden ist. Mit einem Freund flieht er durch die Lande, betrügt sich durchs Leben, dem er sich ungezügelt hingibt. Schließlich tötet er diesen Freund, beim Streit um eine Frau. Am Ende verreckt Baal im eigenen Dreck.

Mit Baal hat Brecht in einem seiner ersten Stücke, das nach mehrfachen Überarbeitungen 1923 im Leipziger Alten Theater seine Uraufführung erlebte, eine zerstörerische, rauschhafte anarchische Figur geschaffen. Der Baal entzieht sich jeglicher Kontrolle. Er ist eine mythische Figur, eine Gottheit, gleichermaßen ist er aber auch ein Weltverschlinger. Er berauscht sich an allem, was ihn umgibt, tut alles, wozu es ihn treibt, hat kein moralisches Gesetz in sich, nur die Sterne über sich und die Kloake unter sich. Er verleibt sich die Menschen ein, die sich magisch von ihm angezogen fühlen. Er verschlingt sie mit allem, was sie ihm geben können. Und dann speit er sie wieder aus, bevor sie schwer verdaulich werden. Und nicht nur der Alkohol fließt in rauen Mengen, auch der Körper des Baal wächst unaufhörlich. Als würde er sich die Welt einverleiben. Es ist eine Welt ohne Geist und mit leerem Himmel, in der er wohnt, der Baal. Gemein ist er zu allen, die seinen Weg kreuzen. Doch genau so ist die Welt schön für ihn. Er ist wie ein kleines Kind, das grausam wütend seinen Weg zieht. Seine Religion ist die Farbe des Himmels.

Der Regisseur Nuran David Calis, der für das Schauspiel Leipzig Frank Wedekinds „Lulu“ inszenierte, wird sich dieses ungestümen Textes von Bertolt Brecht annehmen. Calis hat sich als Regisseur durch seine zahlreichen Klassikerbearbeitungen einen Namen gemacht, u. a. „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind, die auch verfilmt wurde. Stationen seiner Theaterarbeit waren bisher u. a. Köln, Essen, Hamburg, Berlin, Stuttgart, Mannheim, Bochum, Dresden und Wien. Seine Verfilmung von „Woyzeck“ mit Tom Schilling war eingeladen zum 34. Filmfestival Max Ophüls Preis 2013.

Regie: Nuran David Calis

Bühne: Irina Schicketanz

Kostüme: Amélie von Bülow

Musik: Vivan Bhatti

Licht: Ralf Riechert

Video: Adrian Figueroa

Dramaturgie: Esther Holland-Merten

BESETZUNG

Wenzel Banneyer

Pina Bergemann

Ulrich Brandhoff

Andreas Herrmann

Anna Keil

Tilo Krügel

Dirk Lange

Lisa Mies

Michael Pempelforth

Stefanie Schwab

Sebastian Tessenow

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12. Juni 19:30 Große Bühne

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18. Juni 19:30 Große Bühne

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02. Juli 19:30 Große Bühne

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08. Juli 19:30 Große Bühne

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22. Januar 19:30 Große Bühne

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