Freie Darstellende Künste im ländlichen Raum Baden-Württembergs - neue Studie des LaFT BW - jetzt kostenlos ordern

Evaluation Gastspielförderung. Bestandsaufnahme Veranstaltersituation. Eine Studie des Landesverbands Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg Gedruckte Ausgabe kostenlos anzufordern bei:Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e. V., Jägerweg 10, 76532 Baden-Baden, Tel. 07221-39999-11, laftbw@t-online.dePDF unter www.laftbw.de
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Redaktion: Janina Zemni

Kultur in der Terra incognita? Eine neue „Land“-Karte der Darstellenden Künste

Kultur und Stadt gehören zusammen. Wenn wir ehrlich sind, würden wir alle diese Aussage unterschreiben. Aber wie schaut es außerhalb der urbanen Zentren und Metropolregionen aus? Dazu gab es bislang keine solide erhobenen Daten, geschweige denn eine präzisere Vorstellung. Dabei ist klar, dass eine realistisches Bild wertvolle Erkenntnisse liefern würde, sowohl in kultureller als auch in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Schließlich sucht man seit Jahren Wege, Menschen wieder für den ländlichen Raum zu gewinnen, sei es durch Firmenansiedlungen oder durch Schaffung attraktiver Bedingungen bei Hauskauf und Kinderbetreuung. In jedem Fall gilt für die Stadt ebenso wie für den ländlichen Raum: Für die Attraktivität eines Ortes sind nicht nur die „harten Faktoren“ von großer Bedeutung, sondern auch das kulturelle Leben. Aber wie ist Kultur auf dem Land organisiert und wie wird sie angenommen?

Zumindest was den deutschen Südwesten anbelangt, liefert nun eine Studie die Antworten: FREIE DARSTELLENDE KÜNSTE IM LÄNDLICHEN RAUM BADEN-WÜRTTEMBERGS, herausgegeben vom Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V. (LaFT).

Hohe Nachfrage, herausfordernde Strukturen: Kultur auf dem Land tickt anders

Die Infrastruktur für Kultur auf dem Land unterscheidet sich grundlegend von der in den Großstädten und dichter besiedelten Regionen. Trotzdem finden in über 80% der Orte Theatervorstellungen statt. Amateurtheater und Gastspiele gleichen den Mangel an festen Ensembles und Spielstätten aus – und tun dies großteils sehr gut. Authentizität und das individuelle Engagement hochmotivierter Akteure prägen das kulturelle Leben. Im Sommer ziehen die oft außerordentlich erfolgreichen Freilicht- und Naturtheater ein großes Publikum an. Allerdings wirkt sich das Fehlen fester professioneller Ensembles natürlich auf das Programm und die Inhalte des Kulturangebots aus. Bei den Gastspielen liegt das Kindertheater mit Abstand vorne, gefolgt von Angeboten für das erwachsene Publikum. Spezielle Formate für Jugendliche sind Mangelware.

Die Studie zeigt auch: Die Situation im ländlichen Raum ist im Vergleich zu den Städten extrem divers und hängt viel stärker vom persönlichen Einsatz der Menschen vor Ort ab. Das kulturelle Interesse eines Bürgermeisters oder einzelner Macher kann einen Riesenunterschied ausmachen. In der Regel reicht das kulturelle Potential in den Gemeinden trotzdem nicht aus. Kooperationen mit externen Veranstaltern ergänzen meist die heimischen Angebote.

Diese Partner gehören häufig der professionellen freien Szene an, speziell beim Programm für Kinder. Genau hier kommt der LaFT als Vertreter der Freien ins Spiel – und genau hier setzt die Studie an. Denn der LaFT fördert seit über 20 Jahren Gastspiele aus Mitteln des Landes. Die Evaluation dieses Förderprogramms ist daher ein zentraler Baustein der Studie. Für einen umfassenderen Überblick über die aktuelle Theatersituation wurden zudem zahlreiche Kommunen im Land befragt. Da die Darstellende Kunst nicht losgelöst von der Gesamtsituation der Kultur betrachtet werden kann, bietet der Bericht neben Informationen zur ländlichen Theaterlandschaft auch interessante Einblicke in die kulturpolitische Situation der Gemeinden. Es werden Handlungsfelder aufgeführt, um die Arbeit sowohl für die Veranstalter als auch die Theaterschaffenden zu erleichtern. Diese Hinweise richten sich an Kulturakteure und politisch Verantwortliche aus verschiedenen Bereichen. Die Ansätze reichen von der Verbesserung der Information über Theaterproduktionen der Freien Szene und Hilfestellungen für Kulturverantwortliche in ländlichen Orten bis hin zur Überprüfung der Fördermöglichkeiten.

Fakten und Konsequenzen: Die Studie schafft die Grundlagen für eine qualifizierte Kulturförderung des ländlichen Raums

FREIE DARSTELLENDE KÜNSTE IM LÄNDLICHEN RAUM BADEN-WÜRTTEMBERGS erkundet auf über über 120 Seiten das wenig beachtete Kultur-“Land“. Unzählige Gespräche mit den Kulturverantwortlichen vor Ort, ergänzende Online-Befragungen in einzelnen Gemeinden, eine genaue Aufschlüsselung der Gastspiele und des lokalen Kulturangebots sowie die Analyse der bisherigen Förderstruktur ergeben ein detailliertes Bild von den Darstellenden Künsten in Baden-Württemberg abseits der städtischen Zentren. Die Studie eröffnet so nicht nur eine neue Sicht auf ein vernachlässigtes Thema. Sie gibt der Kulturpolitik ein wertvolles Instrumentarium an die Hand, auf dessen Basis sich begründete und belastbare Schlüsse ziehen und Entscheidungen treffen lassen. Der LaFT und das fördernde Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg können stolz sein. Zumal ein vergleichbares Kompendium bislang für kein anderes Bundesland existiert. Auch deshalb hoffen die Herausgeber, dass ihre Studie bei den Kollegen in anderen deutschen Ländern Schule macht.

Janina Zemni, die Redakteurin der aktuellen Arbeit, studierte Theater- und Medienwissenschaften in Erlangen. Nach Stationen im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit leitete sie ein Forschungsprojekt zur Verständlichkeit von Verwaltungstexten an der Hochschule der Medien Stuttgart. Für die aktuelle Publikation ist sie einschlägig qualifiziert: Bevor sie zum LaFT BW kam, verfasste sie im Auftrag des Landesministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz die Studie Kultur in den ländlichen Räumen Baden-Württembergs.

FREIE DARSTELLENDE KÜNSTE IM LÄNDLICHEN RAUM BADEN-WÜRTTEMBERGS wurde herausgegeben vom Landesverband Freier Tanz- und Theaterschaffender Baden-Württemberg e. V. (LaFT). Gefördert wurde die Studie durch den Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

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