Der Operntag 2015 auf ARTE

SONNTAG, 10. MAI 2015, AB 17.35 UHR. ----Jedes Jahr öffnen berühmte Opernhäuser im Rahmen der europäischen Operntage Anfang Mai ein Wochenende lang die Pforten, um den Europäern eine der tragenden Kunstformen des Kontinents näherzubringen.
18803

2015 werden die Operntage zum 9. Mal ausgetragen und stehen unter dem Motto „Oper live und online“. Neu in diesem Jahr ist die in Partnerschaft mit Opera Europa, dem Dachverband für Opernhäuser und -festivals in Europa, 15 europäischen Opernhäusern und ARTE gegründete Opern-Plattform in Verbindung mit ARTE Concert (concert.arte.tv), die ab dem 8. Mai mit der Übertragung von „La Traviata“ aus Madrid startet.

Im Fernsehen zeigt ARTE einen musikalischen Schwerpunkt mit Konzerten, Porträts und einer Opernaufführung in absoluter Starbesetzung. Andreas Scholl singt die Titelrolle von Friedrich Händels Heldenoper „Giulio Cesare in Egitto“, die historische Figuren neu in Szene setzt. Die Oper spielt in Ägypten, wo Julius Caesar Cleopatra trifft und sich in sie verliebt. Uraufgeführt wurde sie 1724 im King’s Theatre in London. Das Besondere an dieser Aufführung: Sie vereint die schönsten Countertenor-Stimmen unserer Zeit. Neben Andreas Scholl stehen Philippe Jaroussky, Philippe Kowalski und Christophe Dumaux als Cleopatras Bruder und Caesars Widersacher Ptolemäus auf der Bühne. Cleopatra selbst wird von Cecilia Bartoli, Sextus Mutter Cornelia von Anne Sofie von Otter gesungen.

Die männlichen Rollen sind alle für hohe Stimmen geschrieben worden. In der Barockzeit waren das die

Kastraten, und der Caesar der Uraufführung, Senesino, in Italien und in England ein gefeierter Star.

In der heutigen Zeit übernehmen Countertenöre diese Stimmlage. Was es mit der hohen Männerstimme in der Barockzeit auf sich hat, das erzählt Andreas Scholl noch vor Händels Oper in „Caesar der hohen Töne“, einem Filmporträt von Manfred Scheyko. Der Bariton Matthias Goerne ist in der „Schubertiade“, einem glanzvollen Konzert der Wiener Philharmoniker zu erleben. Und bereits am Nachmittag stehen an diesem Tag bei ARTE die Helden der Opernbühne auf dem Programm. Dieses Mal sind es die der Romantik und der Schellackzeit: In „Mythos Tenor“ kommen Peter Seiffert, Klaus-Florian Vogt und Jonas Kaufmann zu Wort.

PROGRAMM

17.35 UHR MYTHOS TENOR

18.30 UHR SCHUBERTIADE

22.35 UHR ANDREAS SCHOLL

23.30 UHR GIULIO CESARE IN EGITTO

17.35 Uhr

MYTHOS TENOR

DOKUMENTATION VON ASTRID BSCHER

WDR/ ARTE, FILMFRITZ GMBH, DEUTSCHLAND 2015, 52 MIN.

ERSTAUSSTRAHLUNG

Sie werden gefeiert und verehrt - Tenöre sind die Stars der Opernszene. Große Stars wie Jonas Kaufmann, Klaus Florian Vogt, Vittorio Grigolo, Peter Seiffert oder Joseph Calleja zählen gegenwärtig zur Weltspitze. Die Dokumentation porträtiert diese herausragenden Tenöre und gibt faszinierende Einblicke hinter die Kulissen der heutigen Opernwelt.

Wilder Schrei der Seele - so nennen die Italiener das hohe C eines Tenors. Seit Jahrhunderten sind Sänger, die hohe Töne mit der Bruststimme singen, Mittelpunkt der Opernwelt - vor allem der Frauenwelt. Enrico Caruso oder auch Mario del Monaco wurden zu ihren Zeiten gefeiert wie Popstars. Sie sind Stimm-Akrobaten, diese Tenöre. Doch es geht um mehr als nur darum, den Körper auf die Produktion von unnatürlichen, beinahe femininen Tonhöhen zu trainieren. Vergöttert wird der Tenor erst, wenn er gleichzeitig den Habitus eines Drachentöters hat.

Der Tenor-Mythos hat viel mit der Sehnsucht nach scheinbar Unvereinbarem zu tun, zum Beispiel der Gegensätze Mitgefühl und Kämpfergeist, Weichheit und Härte. Die Dokumentation macht sich mit den heutigen Tenören Jonas Kaufmann, Klaus Florian Vogt, Vittorio Grigolo, Peter Seiffert oder Joseph Calleja auf die Suche nach der immer gleichen Faszination von Helden mit hoher Stimme. Auch der Tenor-Sohn Giancarlo del Monaco kommt zu Wort. Entstanden ist ein Gruppenporträt von ganz unterschiedlichen Männern, die das Gleiche tun, aber ganz unterschiedliche Wege im Leben gehen. Gleichzeitig bebildert der Film die Opernwelt von den 50er-Jahren bis heute.

18.30 UHR

Das glanzvolle Konzert der Wiener Symphoniker steht ganz im Zeichen des österreichischen Komponisten Franz Schubert. Als Solist ist der deutsche Bariton Matthias Goerne zu hören.

Als Musikdirektor der Opéra national de Paris und Chefdirigent der Wiener Symphoniker zählt Philippe Jordan zu den etabliertesten Dirigenten seiner Generation. Unter seiner Leitung bringen die Wiener Symphoniker Orchesterbearbeitungen von Schubert-Liedern zum Erklingen. Die orchestrale Begleitung der Schubert-Lieder, die üblicherweise mit Klavierbegleitung aufgeführt werden, verspricht ein neuartiges Hörerlebnis.

SCHUBERTIADE

REGIE: KARINA FIBICH

ORF/ ARTE, ÖSTERREICH 2015, 43 MIN.

ERSTAUSSTRAHLUNG

Schuberts musikalische Umsetzung der deutschen Liedtexte ist gekennzeichnet durch alle Facetten menschlicher Sehnsüchte, Begierden und Hoffnungen, aber auch Ängste. Indem Stimme und Klavier gleichberechtigt zum musikalischen Vermittler der textlichen Expression gehoben wurden, gelang Schubert seinerzeit eine Revolutionierung des Liedschaffens.

Diesem Bemühen nachspürend schufen die Komponisten Alexander Schmalcz, Anton von Webern und Max Reger Orchestrierungen, die Schuberts Welt zu intensivieren vermögen. Mit dem deutschen Bariton Matthias Goerne bekommen die Wiener Symphoniker stimmkräftige Unterstützung. Bekannt als Schubert-Interpret, verleiht er den Liedern weitere klangliche Dramatik.

22.35 UHR

ANDREAS SCHOLL: CAESAR DER HOHEN TÖNE

Dokumentation von Manfred Scheyko mit Philippe Jordan, Matthias Goerne und den Wiener Symphonikern

Was begeisterte die Menschen in der Barockzeit und fasziniert die Zuhörer heute am Countertenor: Männer, die so hoch wie Frauen singen können? Andreas Scholl hat beruflich mit Helden zu tun. Er singt Könige und Feldherren mit hoher Stimme. Aber geht das überhaupt: Können männliche Eigenschaften durch hohe Singstimmen dargestellt werden? „Ich kam, sah und sang“ - der Countertenor Andreas Scholl erklärt und singt Julius Caesar. Von der historischen Figur ausgehend beschreibt er, warum Georg Friedrich Händel für die Titelrolle seiner Oper „Giulio Cesare“, den Inbegriff eines männlichen Helden, ausgerechnet die hohe Stimmlage der Kastraten gewählt hat. Sie galten vor rund 300 Jahren als das Ideal in der Oper, und Kastraten wie Senesino und Farinelli waren umjubelte Superstars, denen Frauen wie Männer zu Füßen lagen.Was aber macht die geheimnisvolle Anziehungskraft eines Countertenors aus?

Andreas Scholl singt so hoch wie eine Frau und ist doch ein ganzer Kerl. Am Beispiel seiner eigenen Bio-grafie erzählt er, wie es gelingen kann - auch jenseits der historisch kurzen Epoche der Kastraten - die hohe Knabensingstimme über den Stimmbruch hinaus zu erhalten. Mühelos schafft er es, selbst im Pianissimo Säle zu füllen. Seit mehr als 20 Jahren singt Andreas Scholl in den großen Konzert- und Opernhäusern der Welt, er hat ein breites musikalisches Repertoire vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Er weiß, dass die hohe Stimmlage allein nicht unbedingt fasziniert und dass einfach nur „schön“ zu singen eher langweilig ist. Sein Können und seine Erfahrungen gibt er deshalb in seinen Meisterklassen an der Hochschule Mainz weiter.

Die Dokumentation von Manfred Scheyko beobachtet Andreas Scholl dort und begleitet ihn auf seinen Konzerten, um das Geheimnis dieser oft so überirdisch klingenden Stimmlage und ihrer Wirkung zu entschlüsseln.

23.30 UHR

GIULIO CESARE IN EGITTO VON G.F.HÄNDEL

REGIE: OLIVIER SIMMONET

ARTE FRANCE, BEL AIR MEDIA

FRANKREICH, 248 MIN.

ARTE überträgt die Erfolgsproduktion von Moshe Leiser und Patrice Caurier, die im Rahmen der Salzburger Pfingstfestspiele 2012 aufgeführt wurde. In der Rolle der Kleopatra ist Starsopranistin Cecilia Bartoli zu erleben.

Große Gefühle, wundervolle Arien und eine ausdrucksstarke Orchestrierung: Cecilia Bartoli, die „Königin der Koloraturen“, übernimmt in Händels „Julius Caesar“ die weibliche Hauptrolle. Mit Andreas Scholl als Caesar, Philippe Jaroussky als Sextus, Christophe Dumaux als Ptolemäus und Jochen Kowalski als Nirena sowie Anne Sofie von Otter als Cornelia stehen ihr großartige Sänger zur Seite. Eine echte Traumbesetzung für die Regisseure Patrice Caurier und Moshe Leiser. Den Orchesterpart übernimmt das italienische Ensemble Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini.

Mit einem für ihn außergewöhnlich aufwendigen Instrumentarium, das zu Beginn und am Ende sogar mit vier Hörnern aufwartet, lotet Händel in der für ihn so typischen Weise seine Figuren in allen Facetten aus, und die Zeitgenossen waren sich einig darin, dass er eine Oper geschaffen hatte, die Schönheit aller Art im Überfluss bietet.

Die Begegnung zwischen Julius Caesar und Kleopatra im Jahr 48 vor Christus ist eine der bewegendsten Romanzen der Weltgeschichte, in die bewaffnete Konflikte, erotische Verwicklungen und politische Intrigen hineinspielten. Im Fokus stehen dabei die Verführungskünste der Schwester des ägyptischen Königs, Kleopatra, die das Herz des siegreichen Herrschers erobert. In acht großen Da-capo-Arien vergegenwärtigt sie das ganze Spektrum menschlicher Affekte, von leichtfertiger Koketterie bis hin zu leidenschaftlicher, von tiefsten Emotionen getragener Liebe.

Die Regisseure Moshe Leiser und Patrice Caurier verlagern die Handlung in die Gegenwart. Geschickt verquicken sie Giacomo Francesco Bussanis Libretto mit der Krisensituation im Nahen Osten und den Reaktionen der Weltpolitik.

Mit: Cecilia Bartoli (Cleopatra), Andreas Scholl (Julius Caesar), Anne Sofie von Otter (Cornelia), Philippe Jaroussky (Sesto), Christophe Dumaux (Tolomeo), Jochen Kowalski (Nireno), Ruben Drole (Achilla), Peter Kálmán (Curio)

Orchester: Il Giardino Armonico

Inszenierung: Moshe Leiser, Patrice Caurier

„Giulio Cesare in Egitto“ ist eine typische Opera seria, eine sogenannte ernste Oper. Der Komponist Georg Friedrich Händel verhalf dieser Operngattung, deren Stoffe stets auf antiken Mythologien beruhen, im 18. Jahrhundert zur Blüte. Er schrieb die Rolle des Julius Caesar einem der größten Kastraten der Zeit, Senesino, auf den Leib. Uraufgeführt wurde die Oper 1724 in London von der Royal Academy of Music.

Weitere Artikel