Drei Premieren im Theater Bielefeld

WAS IHR WOLLT von William Shakespeare, PREMIERE 23.09., 20:00 Uhr, CHESS – DAS MUSICAL von Tim Rice, Benny Andersson, Björn Ulvaeus, PREMIERE 25.09., 19:30 Uhr,DAS PRINZIP MEESE von Oliver Kluck, PREMIERE 30.09., 20:00 Uhr.
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WAS IHR WOLLT von William Shakespeare

PREMIERE 23.09., 20:00 Uhr, Stadttheater

Die Zwölfte Nacht, so der englische Originaltitel des Stücks, bezeichnet das Ende des Karnevals und so ist Shakespeares Illyrien ein Ort von Ausschweifung und Exzessen, Verkleidung und Rollentausch. In dem abgeschiedenen Reich, in dem Herzog Orsino regiert, ist die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit durcheinander geraten. Ein Liebeswahn hat die Partygesellschaft befallen und jeder hofft, bangt und zittert, erkannt und zurück geliebt zu werden – dafür nimmt man jede Maskerade in Kauf, Verwechslungen eingeschlossen. Viola strandet auf der Insel und auch sie wird sofort angesteckt: Um dem geliebten Orsino nah zu sein, tritt sie verkleidet in seinen Dienst und wird zum Sprachrohr seiner hoffnungslosen Liebe zu Olivia. Doch die interessiert sich bald mehr für den Boten als für seine Botschaft. Im Bann der hemmungslosen Liebessehnsucht verkehrt sich das Verhältnis von Herr und Diener ebenso wie die Identität der Geschlechter. Olivias gesamter Hausstand steht Kopf und durch alle Liebeswirren hindurch soll auch noch dem Spaßverderber Malvolio eine Lektion erteilt werden und er sieht sich plötzlich mit seinen geheimsten Träumen konfrontriert. Als schließlich Violas verloren geglaubter Zwillingsbruder auftaucht, ist das Chaos perfekt und spätestens jetzt ist klar, dass in Illyrien genauso viel Delirium wie Illusion steckt.

Inszenierung Henner Kallmeyer Bühne und Kostüme Franziska Gebhardt Musik Henning Brand Dramaturgie Michael Grube

Mit Oliver Baierl, Therese Berger, Lukas Graser, Christina Huckle, Johannes Lehmann, Nicole Paul, Hannah von Peinen, Charlotte Puder, Thomas Wehling, Thomas Wolff

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CHESS – DAS MUSICAL von Tim Rice, Benny Andersson, Björn Ulvaeus

PREMIERE 25.09., 19:30 Uhr, Stadttheater

Das Schachspiel der Supermächte: Als Tim Rice mit den ABBA-Männern Benny Andersson und Björn Ulvaeus Anfang der 80er-Jahre das Musical Chess kreierte, hing die Welt noch im waffenstarrenden Spannungsnetz zwischen UdSSR und USA. Mit Songs wie One Night In Bangkok oder I Know Him So Well erzählen die Autoren die Pulverfass-Atmosphäre des Kalten Krieges, gespiegelt in einer ganz privaten Dreiecksgeschichte, die sich an einer historisch inspirierten Schachweltmeisterschaft entzündet. Die Kontrahenten Frederick Trumper und Anatoly Sergievsky treten in Meran gegeneinander an. Zwischen ihnen steht die schöne Ungarin Florence Vassy. Der Russe besiegt den US-Champion, läuft aber anschließend in die USA über und muss sich ein Jahr später in Bangkok der Herausforderung des jüngsten sowjetischen Talents stellen – kritisch beäugt von Funktionären des berüchtigten sowjetischen Geheimdienstes KGB, die kein Mittel scheuen, um Sergievsky vom Kurs abzubringen. Chess in Bielefeld ist zugleich ein Wiedersehen mit Veit Schäfermeier, Roberta Valentini, Karin Seyfried, Jens Janke und Frank Bahrenberg; zu Gast als Frederick Trumper: Alex Melcher (We Will Rock You, Berlin).

In deutscher Sprache, Songs in englischer Sprache (übertitelt)

Musikalische Leitung William W. Murta Inszenierung Kay Kuntze Bühne und Kostüme Duncan Hayler Choreographie Götz Hellriegel Choreinstudierung Hagen Enke Dramaturgie Jón Philipp von Linden Mit Frank Bahrenberg, Jens Janke, Alex Melcher, Michael Pflumm, Veit Schäfermeier, Karin Seyfried, Roberta Valentini; Bielefelder Opernchor, Herren des Extrachores des Theater Bielefeld, Bielefelder Philharmoniker

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DAS PRINZIP MEESE von Oliver Kluck

PREMIERE 30.09., 20:00 Uhr, TAMDREI

Was ist los mit diesen jungen Menschen, die seit Jahren als »Generation Praktikum« durch die Feuilletons geistern? Die mit der vermeintlichen Alternativlosigkeit der Wirtschaft und der Spezialisierung der Arbeitsmärkte, mit Kabelfernsehen und Internet aufgewachsen sind und sich anscheinend weigern, erwachsen zu werden? Die sich irgendwo zwischen digitaler Bohème und Prekariat eingerichtet haben und trotz ihres hohen Bildungsstandards keine politischen Positionen beziehen, während sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten? Die Älteren blicken aus bequemen Chefsesseln auf ihre eigene, in der Erinnerung immer revolutionärer erscheinende Jugend, und beklagen deren Mangel an Visionen.

Der Dramatiker Oliver Kluck, geboren 1980 in Bergen auf Rügen, nimmt mit lakonischem Witz die »heranwachsende Arbeitslosigkeit unter 30« ins Visier, die angesichts zweifelhafter Zeitarbeitsjobs lieber fernsehend im Bett liegen bleibt. Kluck stellt zwei dieser jungen Menschen auf die Bühne und lässt sie teils anekdotisch, teils agitatorisch ihre Position reflektieren. Ob sie sich dabei gegen die vielfältigen Labels zur Wehr setzen, die ihnen zugeschrieben werden, oder ob sie diese schon längst verinnerlicht haben, ist eine Frage der Inszenierung. Auf jeden Fall sind sie auf der Bühne zur Aktion gezwungen und stehen schon damit im Widerspruch zu ihrer mutmaßlichen Existenzform.

Das Prinzip Meese wurde 2009 zum Stückemarkt des Theatertreffens eingeladen und mit dem Förderpreis für neue Dramatik des Stückemarktes, gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung, ausgezeichnet. 2010 erhielt Kluck den Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker und 2011 den Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.

Inszenierung Babett Grube Bühne und Kostüme Margarete Schmidt Dramaturgie Franziska Betz Mit Julia Friede, Niklas Herzberg

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