"Manon" von Jules Massenet in Münster

Premiere: Samstag, 03. Mai 2008 um 19.30 Uhr, Großes Haus der Städtischen Bühnen Wann könnte man besser von Liebe auf den ersten Blick sprechen, als bei der ersten Begegnung der jungen Manon und des jungen Des Grieux?

Schon wenige Momente nach ihrem Kennenlernen beschließen sie, die Kutsche nach Paris zu nehmen. Dort wollen sie ein gemeinsames Leben beginnen, obwohl Manon eigentlich von ihrem Cousin Lescaut ins Kloster gebracht werden soll. Dieser trinkt zum Zeitpunkt der Flucht der Liebenden mit seinen Freunden und flirtet mit Poussette, Javotte und Rosette, nicht ohne zuvor seine Cousine Manon ausdrücklich auf die Wichtigkeit von Anstand hingewiesen und sich selber als Hüter der Familienehre bezeichnet zu haben.

In Paris wird das junge Paar, im Glück seiner Liebe schwelgend, schon bald von Lescaut aufgesucht. Unbemerkt von Des Grieux erfährt Manon, dass ihr Geliebter noch in derselben Nacht auf Geheiß seiner Familie entführt werden soll. Manon verschweigt Des Grieux das Unglück, das tatsächlich eintritt. Das Paar ist getrennt. Manon lässt sich von De Brétigny aushalten, stürzt sich in die Vergnügungen, die Paris zu bieten hat und schwärmt davon, die Jugend nur recht auszukosten. Des Grieux zieht sich dagegen in die geistliche Einkehr eines Lebens als Abbé zurück. Manon erfährt durch den Comte des Grieux, dass nur so sein Sohn auf Linderung seiner Qualen und seine Liebe zu vergessen hofft. Manon beschließt, ihren ersten Geliebten, den auch sie nicht vergessen kann, aufzusuchen und beschwört in der Kirche ihre leidenschaftliche Liebe. Das Paar flieht erneut.

Um ihren aufwendigen Lebensunterhalt bestreiten zu können, ist Des Grieux gezwungen, sein Glück am Spieltisch zu versuchen. Wieder tritt der Comte auf den Plan, doch diesmal, um das Paar endgültig zu trennen. Manon soll fortgeschafft werden. Es gelingt zwar noch Manons Cousin Lescaut, sie frei zu kaufen und das Paar noch einmal zusammenzuführen, doch Manon fühlt schon bald ihre Lebenskräfte schwinden.

Massenet zeichnet in seiner Oper den deutlichen Widerspruch zwischen Bigotterie und dem Bild der unmittelbaren, leidenschaftlichen Liebe zwischen Manon und Des Grieux. Es bleibt der schale Beigeschmack einer vergnügungssüchtigen Gesellschaft, die der unmittelbaren erotischen Anziehung des Liebespaares keinen Platz gewährt.

Mit treffsicherer, musikalischer Dramaturgie, gestützt auf bestechende Melodiebögen findet Jules Massenet (1842–1912) zu einer überwältigenden Umsetzung in seiner Musik, die für Sängerinnen und Sänger einige Glanzpunkte bereithält. Massenets „Manon“ ist mit Gounods „Faust“ und Bizets „Carmen“ eine der meistgespielten französischen Opern. Mit „Carmen“ hat „Manon“ die thematische Verwandtschaft der Sprengkraft weiblicher Sexualität gegenüber gesellschaftlicher Unterdrückung gemeinsam, die zugleich ein sinnliches Bild für die Freiheit und Verachtung überflüssiger Normen ist.

Libretto von Henri Meilhac und Philippe Gilles

nach der „Histoire du Chevalier des Grieux et de Manon Lescaut“ von Abbé Prévost

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Hendrik Vestmann

Regie: Wolfgang Quetes

Bühne: Manfred Kaderk

Kostüme: Manfred Kaderk, Tina Toeberg

Choreografie: Tomasz Zwozniak

Chor: Donka Miteva

Dramaturgie: Ralph Blase

Chor der Städtischen Bühnen Münster

Sinfonieorchester Münster

Mitwirkende:

Julia Neumann/ Carmen Acosta (Manon), Juhan Tralla (Le Chevalier des Grieux), Annette Johansson (Pousette), Elena Hajfiz (Javotte), Judith Genrich (Rosette); Plamen Hidjov (Le Comte des Grieux), Jaroslaw Sielicki (Lescaut), Andrea Shin (Guillot de Morfontaine), Donald Rutherford (De Brétigny), Christina Holzinger (La Servante), Frank Göbel (L’Hôtelier), Christian-Kai Sander/ Zbigniew Mizdrak/ Eduard Cremers (Deux Gardes), Matthias Klesy (Le Portier du Seminaire), Lars Hübel (Un Sergent), Eva Lillian Thingbø/ Megumi Nanda (Une Vieille Dame), Christian-Kai Sander (Un Md. d’Elixier), Eberhard Kaehler/ Lars Hübel (Un Md. de Chansons), Megumi Nanda (Une Marchande), Alexandre Partzov/ Eduard Cremers (Un Cuisinier), Jae-Joon Pak (Un Marchand), Peter Jahreis (Abbé des Grieux)

Matinee:

Sonntag, 20. April, 11.00 h, Theatertreff (ehemals Theatercafé)

KostProbe:

Freitag, 23. April, 19.00 h

Weitere Vorstellungen im Mai:

Mittwoch, 7. Mai, 19.30 h

Samstag, 17. Mai, 19.30 h

Sonntag, 25. Mai, 18.00 h

Dienstag, 27. Mai, 19.30 h

Donnerstag, 29. Mai, 19.30 h

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