Heinrich von Kleist, "Die Marquise von O...", Theater an der Ruhr Mülheim an der Ruhr

Premiere: Donnerstag, 15.02.2018, 19:30 Uhr

Die Geschichte beginnt im Krieg. Wie immer im Krieg wird gemordet, geplündert, vergewaltigt. Wie ein Engel erscheint in diesem Chaos ein russischer Offizier, der die Marquise in der Nacht der feindlichen Übernahme vor der sexuellen Gewalt seiner Soldaten schützt. Dieses verhinderte Kriegsverbrechen hat Folgen. Am nächsten Morgen werden die Soldaten hingerichtet und der gefeierte Retter verabschiedet sich. Wochen später stellt die Gerettete fest, dass sie schwanger ist.
24206

An eine Zeugung kann sie sich nicht erinnern. Für ihren Vater ist das die boshafte Lüge zur Verschleierung sexueller Eskapaden, die Mutter weiß nicht, was sie denken soll, und die Marquise entschließt sich zu einem radikalen Schritt. Per Anzeige sucht sie den Vater des Kindes. Sie führt, eine radikale Aufklärungskampagne gegen sich selbst und es zeigt sich eine Welt, in der es keine Gewissheiten gibt, nicht einmal die Gewissheit, dass eine Frau über sich selbst sagen kann, ob sie schwanger ist oder nicht. Und wer ist dann der selbsterklärte Vater, ein Monster? Ein Retter? Ein Engel? Ein Soldat, der einen Fehler begangen hat? Ein Soldat, der den impliziten Regeln des Krieges folgte oder einfach nur ein Mann, der sich verliebt hat? Die Kette der unglaublichen Ungeheuerlichkeit ist an diesem Punkt noch nicht zu Ende, denn gesucht wird die Wahrheit. In einer detektivischen Rückschau, rasant und mit gewalttätig stürmender Sprache arbeiten sich die Figuren an die Wahrheit heran. Eine Wahrheit, die, je näher man ihr kommt, zerfällt.

Regisseurin Esther Hattenbach wurde in Weimar geboren, wuchs in Jena auf und studierte von 1998 – 2002 Theaterregie an der Universität Hamburg, Mit ihrer Version der TROERINNEN nach Euripides im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses Hamburg und Shakespeares KAUFMANN VON VENEDIG auf Kampnagel machte sie erstmals auf sich aufmerksam. Parallel zum Studium arbeitete sie am Volkstheater Rostock. Es folgten mehrere Inszenierungen am Landestheater Tübingen (ALAN TURING, REPUBLIK VINETA, WIE ES EUCH GEFÄLLT, MAIENSCHLAGER), in Stendal (WOYZECK), Karlsruhe, Bielefeld und Krefeld, wo ihre ANTIGONE – Inszenierung 2004 den Publikumspreis der Rheinischen Post erhielt.
 

  • Regie: Esther Hattenbach
  • Regieassistenz: Julia Morawietz
  • Dramaturgie: Sven Schlötcke
  • Kostümbild: Heinke Stork
  • Leitung der Kostümabteilung: Katharina Lautsch
  • Lichtbild und Video: Jochen Jahncke
  • Ton: Franz Dumcius , Gerd Posny
  • Bühnentechnik: Uwe Muschinski
  • Requisite: Thomas Hoppensack , Bekim Aliji


Mit

  • Gabriella Weber
  • Rupert J. Seidl
  • Joanna Kitzl
  • Nico Ehrenteit
  • Thomas Schweiberer
  • Oliver Kerstan


Bild: Heinrich von Kleist

Weitere Artikel