Neue Operndirektion ab der Spielzeit 2018|19 am Theater und Orchester Heidelberg

Die Dramaturgin Ulrike Schumann und der Kulturmanager Thomas Böckstiegel übernehmen als Operndirektionsteam die Verantwortung für die Musiktheater-Sparte.

Mit dem Leitungswechsel in der Sparte Musiktheater des Heidelberger Theaters wird es eine nach außen deutlich sichtbare strukturelle Veränderung geben. Das Ziel dieses Teams ist es, die künftige Ausrichtung und Gestaltung des Spielplanes sowie die Aufstellung des Ensembles nach gemeinsamen Ideen gleichberechtigt zu entwickeln und umzusetzen. Mit dieser Neuausrichtung reagiert das Theater und Orchester Heidelberg zudem auf aktuelle bundesweite Forderungen (unter anderem ensemble-netzwerk) nach enthierarchisierenden Leitungskonzepten an subventionierten Bühnen.
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Thomas Böckstiegel, (c) Sebastian Buehler

Das Ziel dieses Teams ist es, die künftige Ausrichtung und Gestaltung des Spielplanes sowie die Aufstellung des Ensembles nach gemeinsamen Ideen gleichberechtigt zu entwickeln und umzusetzen. Mit dieser Neuausrichtung reagiert das Theater und Orchester Heidelberg zudem auf aktuelle bundesweite Forderungen (unter anderem ensemble-netzwerk) nach enthierarchisierenden Leitungskonzepten an subventionierten Bühnen. Die bisherigen beruflichen Schwerpunkte von Ulrike Schumann und Thomas Böckstiegel ergänzen sich hinsichtlich dieser Teambildung hervorragend.

Ulrike Schumann hat nach langjähriger Tätigkeit als Opern-Dramaturgin, seit 2008 in leitender Funktion, an den Theatern Bonn und Osnabrück Konzepte miterarbeitet für Produktionen verschiedener Epochen, dazu zählen neben dem gängigen Repertoire Ur- und Zweitaufführungen im Rahmen der Reihe für Experimentelles Musiktheater „bonn chance!“, die Uraufführung von Georg Friedrich Haas´ und Händel´ Klaus „Bluthaus“ im Rahmen der Schwetzinger SWR-Festspiele 2011, Wiederentdeckungen von durch die Nationalsozialisten verfemten Komponisten und Werken, darunter Hans Gáls „Das Lied der Nacht“ (Osnabrück, 2017), Manfred Gurlitts „Soldaten“ (Osnabrück, 2015) oder Eugen d’Alberts „Der Golem“ (Bonn, 2010). Ein besonderes Anliegen sind Ulrike Schumann zudem spartenübergreifende Projekte und die Wiederentdeckung der Operette für das Repertoire, denn, so Ulrike Schumann: „Operette ist mitnichten die angestaubte und etwas miefig gewordene Heile-Welt-Schnulze, als die sie in vielen Köpfen verankert ist. Operette war vor 100 Jahren das, was heute manchmal die Comedy sein kann: der tagesaktuelle und knallharte Spiegel von Politik und Gesellschaft mit unterhaltenden Mitteln. Das kann Operette auch heute!“

Thomas Böckstiegel begann seine Theaterlaufbahn beim renommierten Kunst- und Theaterfestival RuhrTriennale, zunächst in der Dramaturgie und später im künstlerischen Management des Festivals mit den Intendanten Gerard Mortier und Jürgen Flimm. Anschließend führte ihn sein Weg an das Theater Dortmund, das Aalto-Theater Essen und zuletzt an die Bühnen der Stadt Wuppertal, wo er sich einen Namen machte durch den Aufbau eines neuen hochkarätigen Opernensembles mit Intendant Berthold Schneider, welches durch zahlreiche Kritikerumfragen und internationale Wettbewerbstitel mehrfach ausgezeichnet wurde. Als Gastdozent für Kulturmanagement war er unter anderem an der Ruhr-Universität Bochum tätig und gibt regelmäßig Workshops und Vorsingtrainings für Opernsänger*innen, unter anderem in München, an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der International Skt. Goar Music Academy. Im Juni 2018 ist er Jurymitglied des Internationalen Haydn-Wettbewerbs für Gesang in Österreich. In seiner Dozententätigkeit legt er besonderen Wert auf die Vermittlung von Inhalten: „Der Reichtum des Operngesangs liegt in einer Konstellation, in der sich die Schönheit der Stimmen und die Dramatik der Handlung gegenüberstehen. Jedes Duett, jede Arie zeugt davon, dass dramatische Personen immer auch eine lebendige Geschichte tragen, die sich durch die technische Exzellenz ihres Gesangs allein nicht erschließt.“

Die kommende Spielzeit 2018|19 wurde noch von ihrem Vorgänger Heribert Germeshausen konzipiert, inhaltliche neue Schwerpunkte kommen dann zunächst punktuell, ab 2019|20 kontinuierlich zum Tragen, der ersten eigenverantwortlich geplanten Spielzeit des neuen Teams. Slawische und englische Oper soll ins Blickfeld rücken, ungewöhnliche Musiktheaterprojekte zeigen, dass Oper niemanden ausschließt, sondern jeden Musik- und Theater liebenden Menschen ansprechen kann. Angedacht ist gemeinsam mit dem Jungen Theater spartenübergreifendes Musiktheater für junge Menschen. Die Heidelberger Tradition der Ur- und Erstaufführungen sowie Wiederentdeckungen wird auch unter dem neuen Team fortgeführt. Ebenso das Barockfest „Winter in Schwetzingen“, das sich dann der deutschen Barockoper zuwenden wird.

Die Rhein-Main-Neckar-Region bietet vielfache Möglichkeiten im Rahmen einer geplanten Exzellenzinitiative mit jungen talentierten Sänger*innen der verschiedenen Hochschulen in Kontakt zu kommen und einen wertvollen Beitrag durch geplante Kooperationen zur Ausbildung einer neuen Theatergeneration zu leisten.

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