Uraufführung am Theater Augsburg: »1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße« von Peer Ripberge

Premiere 10.3.2018, 19:30 | brechtbühne

Mit dem Jahr »1968« verbindet sich in vielerlei Hinsicht ein gesellschaftlicher Wandel, den viele konservative Kräfte heute nur allzu gerne wieder rückgängig machen würden. Längst sind Begriffe wie »Studentenrevolte«, »Außerparlamentarische Opposition«, »Zweite Welle des Feminismus«, »Rausch« oder »Radikalisierung« zu Kampfbegriffen geronnen, die heute den Mythos von »Achtundsechzig« konstituieren, nicht selten den konkreten Blick auf die sozialen Errungenschaften, aber auch der gescheiterten Forderungen dieser Zeit verstellen.
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Leseprobe (c) Jan-Pieter Fuhr

Autor und Regisseur Peer Ripberger wagt einen Blick zurück auf das Jahr 1968 und leitet daraus, frei nach dem Motto von 68: »Alle Macht der Phantasie«, eine spekulativ-fiktionale Zukunft ab.

In seiner Stückentwicklung interessiert er sich  vor allem für die Frage, was wir über unsere Gegenwart erfahren können, wenn wir uns mit historischen Gegebenheiten auseinandersetzen. Welche Themen beschäftigen uns heute noch? Welche Motive lassen sich weiter denken, welche müssen erst wiederentdeckt werden? Konkret bezogen auf die 68er-Bewegung bedeutet das: Zu fragen, welche Kritik heute noch greift, an welchen Stellen die hehren Ziele der Linken Ende der 60er Jahre erreicht werden konnten und an welchen der Kampf auch gescheitert ist. Und natürlich, gerade mit Blick auf die 60er: Welche Zukunftsvisionen gab es, welche sind aus der Bewegung heraus entstanden und welche können uns heute evtl. immer noch faszinieren und begeistern?

Dabei geht es nicht darum, die Chronologie des Jahres 1968 nachzuerzählen, sondern durch den Zugriff auf Originaltexte aus der Zeit – Reden, Flugblätter und Zeitungsartikel – eine Collage zu erstellen, die eine Verschiebung weg vom rein historisierenden Betrachten hin zu einer Auseinandersetzung mit der Gegenwart ermöglicht. Es geht also nicht um ein romantisierendes Verklären der Vergangenheit, ein »Früher war alles besser«, in das man so leicht verfällt, wenn man sich mit der Ikonographie bestimmter geschichtlicher Momente beschäftigt. Stattdessen wagt es Peer Ripberger aus dem Geist und den Forderungen der 60er Jahre eine fiktionale Zukunftsvision abzuleiten, in der das Individuum von allen sozialen, materiellen und biologischen Zwängen befreit ist.

Peer Ripberger (*1987 in Flensburg) ist Regisseur und Autor. Er studierte am Hildesheimer Theater-Institut und inszenierte währenddessen an verschiedenen Theatern, u.a. am Theater an der Rott und dem Theater für Niedersachsen. Es folgten Lehraufträge an der Uni Hildesheim und Aufträge für Stückentwicklungen u.a. am Theater Trier, am JT Göttingen, der Theaterwerkstatt Pilkentafel in Flensburg und eine Arbeit im Hamburger Gängeviertel. Er wurde 2015 in die Künstlerische Leitung der Theaterwerkstatt Pilkentafel in Flensburg berufen und hielt 2017 ein Künstlerstipendium der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein. Ab der Spielzeit 2018/2019 ist er Intendant des Zimmertheaters Tübingen

Text & Inszenierung Peer Ripberger
Bühne & Kostüme Raissa Kankelfitz
Dramaturgie Lutz Keßler

mit
Sebastian Baumgart
Marlene Hoffmann
Roman Pertl
Katharina Rehn
Patrick Rupar
Daniel Schmidt
Natalie Hünig (Stimme Gaia)

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Einführung jeweils 30 Minuten vor der Vorstellung (ausgenommen Premiere)

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