Magisches Kaleidoskop - Choreografien von Stephan Thoss (Uraufführungen) und Jiří Kylián - Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Testing-Machine / La Chambre Noire / Sechs Tänze, Premiere 29.10.2011, 19.30 Uhr, Großes Haus. -----Die erste Ballett-Premiere der Spielzeit, vereint zwei Uraufführungen von Stephan Thoss und einen zeitgenössischen Klassiker, Jiří Kyliáns berühmtestes Ballett Sechs Tänze. In Wiesbaden ist es erstmals überhaupt zu sehen.
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Wer in ein Kaleidoskop blickt, der sieht in eine andere Wirklichkeit. Auf magische Weise ändern sich bei jeder Bewegung die Formen und Farben und Perspektiven, ergeben sich neue und faszinierende Räume. Räume, in denen die Fantasie arbeiten kann.

In ihrem neuen Ballettabend laden Stephan Thoss und sein Ensemble die Zuschauer zu einem solch individuellen Blick auf drei Stücke ein, die, facettenreich wie ein Kaleidoskop, ganz unterschiedliche Choreografien präsentieren. Zwei Neu-Kreationen erarbeitet Thoss für diesen Abend, ergänzt durch einen modernen Klassiker, Jiří Kyliáns berühmtestes Ballett ‚Sechs Tänze‘, das in Wiesbaden erstmals überhaupt zu sehen ist.

Testing- Machine

Uraufführung

Choreografie / Bühne / Kostüme Stephan Thoss

Willkommen zur fiktiven Wohndesign- und Innovationsmesse! Wer sagt denn, dass ein Teppich auf dem Boden liegen muss? ‚Testing Machine‘ ist eine augenzwinkernde und satirische Show-Präsentation der angesagtesten Möbel, Kleider und Wohnaccessoires durch unser internationales Top-Testensemble, begleitet von heißer Tanzmusik, von Bossa Nova bis Balkan-Pop. Maschinelle Testmaschinen können lediglich die Haltbarkeit Ihres Sofas beweisen, unsere Tester dagegen zeigen das wirklich kreative Potential, das in den Möbeln steckt. Zugegeben, unsere Möbel sind nicht ganz einfach zu benutzen und stellen durch die Form mitunter ihre Funktion auf den Kopf. Für unsere Tester ist das die wahre Herausforderung!

La Chambre Noire

Uraufführung

Choreografie / Bühne / Kostüme Stephan Thoss

Im Großen wie im Kleinen umgibt uns Bewegung. Wenn wir nach oben blicken, sehen wir die größte denkbare Bewegung: die der Himmelskörper. Doch das meiste dort bleibt unsichtbar: dunkle Energie und dunkle Materie. ‚La Chambre Noire‘, das dunkle Zimmer, funktioniert wie ein Schwarzes Loch, es saugt durch seine Rotation alles auf, was in seine Nähe kommt. Drinnen gelten andere Gesetze als die des Lichts. An die Stelle der Gewissheit treten Unsicherheit und Geheimnis, die Angst vor dem Unbekannten. Aber die Dunkelheit schärft auch das Bewusstsein. Bewusstsein für Nähe und Entfernung und für die Autonomie des Menschen, über Nähe und Distanz zum anderen selbst zu entscheiden – ganz im Gegensatz zu Himmelskörpern. Die Musik- und Klangcollage von ‚La Chambre Noire‘, entwickelt Stephan Thoss selbst. Die Tänzer sind einem Spannungsfeld von unsichtbaren Kraftfeldern und Anziehungen ausgesetzt. Wieviel hält sie in der Dunkelheit gefangen und wieviel treibt sie an? Ein Zeitstopp im Sog der Materie.

Sechs Tänze

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

Sechs Deutsche Tänze, KV 571

Choreografie / Bühne / Kostüme Jiří Kylián

Einstudierung Yvan Dubreuil

Mit dem dritten Werk kommt ein zeitgenössischer Tanz-Klassiker auf die Bühne. Jiří Kylián, ehemals Künstlerischer Leiter des Nederlands Dans Theater und einer der größten und stilbildenden Choreografen unserer Zeit, schuf ‚Sechs Tänze‘ auf Mozarts ‚Deutsche Tänze‘ KV 571 im Jahr 1986 – es sollte unter seinen rund 100 Werken zu den erfolgreichsten und meistgespielten werden. In dieser frech-frivolen Mozart-Hommage erleben wir vier junge Rokoko-Paare auf höchst virtuose und musikalische Weise in Beziehungen und Verstrickungen. Kylián bezieht sich dabei auf die berühmten ‚Bäsle‘-Briefe, die ein ganz eigenes Bild des großen Genies geben: derb und drastisch, ungehemmt albern aber auch ebenso abgründig wie seine musikalische Kunst. ‚Mozart ist das beste Beispiel für jemanden, dessen Leben schmerzvoll kurz war‘, so Kylián, ‚der aber trotzdem das Leben in seiner Fülle, Fantasie, Clownerie und Verrücktheit verstanden hat. Es sind sein Esprit und seine Erkenntnis, dass unser Leben nichts weiter als eine Maskerade oder eine Generalprobe für etwas viel Tieferes und Bedeutungsvolleres ist, die mich zu diesem Werk inspiriert haben.‘

Das Ende des 18. Jahrhunderts durchs Kaleidoskop betrachtet.

Jiří Kylián wurde 1947 in Prag geboren und kam nach seiner Ausbildung am Prager Konservatorium und der Londoner Royal Ballet School zu John Crankos Stuttgarter Ballett, der ihn bald als Choreograf förderte. 1973 entstand seine erste Choreografie für das NDT in Den Haag, dessen künstlerischer Leiter er schon 1975 wurde. Bis 1999 hat Kylián das NDT zu dem gemacht, was es heute ist: eine weltweit führende zeitgenössische Ballettcompany, der er auch nach seinem Rückzug von der Leitung als Gastchoreograf verbunden blieb. Zu seinen berühmtesten Werken neben Sechs Tänze gehören Sinfonietta (1978), Psalmensinfonie (1978), Petite Mort (1991), Bella Figura (1998) und Zugvögel (2009).

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Choreografie / Bühne / Kostüme Stephan Thoss

Jiří Kylián

Mit:

dem Ballettensemble des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

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