"Die Maßnahme / Die Perser" von Bertolt Brecht/Hanns Eisler & Aischylos (Deutsch von Durs Grünbein), Schauspiel Leipzig

Premiere Donnerstag, 30. März, 19.30 Uhr, große Bühne. -----Der letzte Flecken an der russischen Grenze. Vier Abgesandte der Kommunistischen Partei erscheinen. Doch die Hoffnung trügt, dass sie konkrete Hilfe bringen in Form von Maschinen, Saatgut oder auch nur neuen Anweisungen. Stattdessen bringen sie den Auftrag der Partei, die Revolution in China anzustiften
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. Dazu soll einer der beiden Grenzposten rekrutiert werden. Der Posten fügt sich dem Wunsch der Partei. In China ist es immer wieder dieser junge Genosse, der die Instruktionen infrage stellt — und damit das Gelingen des Auftrags gefährdet. Als er sich schließlich nicht mehr unterordnet und Arbeiter zum sofortigen Aufstand anstachelt, exekutieren ihn die Anderen in einer Kalkgrube. Der junge Genosse stimmt dieser Maßnahme zu. Als er die Maske abnimmt, die sich die Agitatoren zu ihrem Schutz während der Mission aufgesetzt hatten, hat er plötzlich ein Gesicht ...

Während die Agitatoren in der „Maßnahme“ sich namenlos machen im Dienst der „Sache“, wie der Text es nennt, sind es die vielen namentlich benannten Toten, die das Leid der „Perser“ fassbar werden lassen. Im Plan, Athen zu unterwerfen, geht das persische Heer in der Seeschlacht von Salamis in einer vernichtenden Niederlage wortwörtlich unter. Obwohl zahlenmäßig weit unterlegen, siegt Athen. Die persische Vormachtstellung existiert danach nicht mehr, genauso wenig wie das persische Heer. Wer gewartet hat auf seine Söhne, Brüder, Ehemänner, Väter, der wird sie niemals wiedersehen. Übrig bleiben der Chor der Alten, die Königinmutter Atossa, der König Xerxes, der schließlich traumatisiert und in Fetzen zurückkehrt — und der Bote, der das Unfassbare dieser Schlacht in Worte und Namen fasst, die man nicht mehr vergisst.

„Die Maßnahme“ zählt zu den Lehrstücken Bertolt Brechts und gilt als deren Hauptwerk. Gleichermaßen angelehnt an die Auseinandersetzungen des chinesischen Bürgerkriegs Ende der zwanziger Jahre und inspiriert von einer alten japanischen Fabel, suchten Brecht und sein Umkreis suchten in „Die Maßnahme“ nach Wegen einer theatral-theoretischen Vermittlung und Aneignung ihrer politischen Weltanschauung. Nicht zuletzt durch die Kompositionen des gebürtigen Leipzigers Hanns Eisler bewegt sich „Die Maßnahme“ nah am Oratorium. Geprägt wird sie durch den großen sogenannten „Kontrollchor“, der die Agitatoren zu der Tötung befragt — und sie entschuldet. Zur Uraufführung 1930 ein enormer Erfolg, wurde „Die Maßnahme“ nurmehr selten aufgeführt, nachdem Brecht sie unter dem Eindruck der stalinistischen Schauprozesse lange Zeit selbst gesperrt hatte.

Aischylos’ „Die Perser“ aus dem Jahre 472 v. Chr. gilt derzeit als das älteste erhaltene Drama der Menschheit und als Beginn des europäischen Theaters. Acht Jahre nach der Schlacht von Salamis verfasst, ist der Text zutiefst geprägt von dieser bis dato größten militärischen Auseinandersetzung der Antike. „Die Perser“ sind damit eines der sehr wenigen griechischen Dramen, die ein reales Ereignis behandeln – allerdings das einzige dieser Kategorie, das uns vollständig überliefert ist. Aischylos, der an der Schlacht von Salamis selbst teilgenommen hatte, erzählt von der Hybris des Xerxes und vom Eroberungswillen der Perser. Er erzählt von einem unerwarteten Untergang - und er erzählt seinem Athener Publikum auch davon, was der eigene Sieg für den geschlagenen Gegner bedeutete.

Mit diesem Vorhaben setzt das Schauspiel Leipzig seinen dramaturgischen Weg der Doppelbefragung fort. Nach „Die Schutzflehenden / Die Schutzbefohlenen“, mit denen das Schauspiel Leipzig die europäische Flüchtlingsthematik in den Spiegel zweier sehr verschiedener Texte und Epochen gestellt hat, sind es nun zwei Texte, die an Wendepunkten der Geschichte markant und sehr verschieden die Frage nach der Wirkung von politischen Ideen und dem Bewusstsein individuellen Leids entwickeln — im Spannungsfeld zwischen Humanismus und Ideologie, dem Wert einer Idee und dem Wert des Individuums.

„Die Maßnahme / Die Perser“ wird inszeniert von Enrico Lübbe. Von 2000 bis 2004 war Lübbe Hausregisseur am Schauspiel Leipzig, von 2005 bis 2007 Hausregisseur am Neuen Theater Halle, von 2008 bis 2013 Schauspieldirektor an den Theater Chemnitz. Seit 2013 ist Enrico Lübbe Intendant des Schauspiel Leipzig. Als Gast inszenierte er u. a. am Schauspiel Stuttgart, Schauspiel Köln, Schauspiel Frankfurt, Berliner Ensemble, Residenztheater München und an der Staatsoper Hannover.

Mit: Wenzel Banneyer, Thomas Braungardt, Anna Keil, Tilo Krügel, Dirk Lange, Michael Pempelforth, Felix Axel Preißler, Hannelore Schubert, einem Kontrollchor (Die Maßnahme) und dem Chor der Ältesten (Die Perser).

Regie: Enrico Lübbe,

Musikalische Leitung: Marcus Crome,

Orchester: Leipzig Brass (Musiker des Gewandhausorchesters),

Bühne: Etienne Pluss,

Kostüme: Bianca Deigner,

Choreographie: Stefan Haufe,

Video: fettFilm (Momme Hinrichs, Torge Møller),

Dramaturgie: Torsten Buß, Clara Probst

Eine Koproduktion des Schauspiel Leipzig mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen in Kooperation mit dem Gewandhaus zu Leipzig

Weitere Vorstellungen am 1. April, 19.30 Uhr

und 2. April um 16 Uhr (mit Kinderbetreuung)

Fr,

28. April 19:30 Große Bühne

Sa,

06. Mai 19:30 Große Bühne

So,

04. Juni 18:00 Ruhrfestspiele Recklinghausen

Mo,

05. Juni 18:00 Ruhrfestspiele Recklinghausen

Mi,

14. Juni 19:30 Große Bühne

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