NOT MY REVOLUTION, IF…: DIE GESCHICHTEN DER ANGIE O. von ANDCOMPANY&CO. in Berlin

Premiere 24. NOVEMBER 2016, HAU HEBBEL AM UFER (HAU1) IN BERLIN. -----In seiner neuen Arbeit beschäftigt sich das Performancekollektiv andcompany&Co., das zu den wichtigsten politischen Stimmen auf internationalen Theaterbühnen gehört, mit Aktivismus als innovativer Produktivkraft. In Form eines Agit-Musicals spiegelt die Performance die Widersprüche des neoliberalen Zeitalters, in der selbst Wohltätigkeit und Nächstenliebe zu ökonomischen Faktoren werden.
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Die Heldin des Stückes Angie O. ist zuhause in der globalen Antiglobalisierungsbewegung: 1994 beim zapatistischen Aufstand in Chiapas, 1999 als „Mutter“ des legendären „battle of Seattle“ beim WTO-Treffen, 2001 als Aktivistin gegen den G8-Gipfel in Ge-nua oder Teilnehmerin von Occupy-Wall-Street 2011 – wie eine wiedergeborene Heilige Johanna der Schlachthöfe versucht sie, die BankerInnen von der Kraft der Nächstenliebe zu überzeugen. „Heben Sie die moralische Kaufkraft!“ ruft sie ihnen zu. Ihre Bot-schaft: „Service = Nächstenliebe, Dienst am Nächsten = Dienst am Kunden“. Doch scheitert Angie O. – anders als Brechts Johanna Dark – nicht an den Abhängigkeiten der kapitalistischen Verhält-nisse, sondern an einem Kapitalismus, der sich selbst zur „größten NGO der Welt“ (Peter Jungen) erklärt. Und so versucht Angie O. nicht länger, Kapitalisten davon zu überzeugen, bessere Kapitalis-ten zu sein – sie ist selbst die bessere Kapitalistin.

Visuell wird der Bildende Künstler Noah Fischer – selbst ein schillernder Protagonist der New York Occupy-Wall-Street-Bewegung (Occupy Museums) – ein Pandämonium des postmodernen Widerstands entwerfen, eine Zeltstadt mit Barrista-Tresen und Auktionärspult. Von dort erklingt der hypnotische Sprechge-sang von Aktivisten und Auktionatoren, angelehnt an den Singsang der Rinderauktionen in den USA, die die Geschichten der Angie O. in Form von Kunst-Objekten verhandeln. Es geht um eine zeitgenössische „Kunst der Revolte“, in einer Welt, in der alles Kunst werden kann. „Es hilft nur Kunst, wo Kunst herrscht“, so andcompany&Co.

Wie bei seinen Stücken „Orpheus in der Oberwelt: Eine Schlepperoper“ (2014) oder „WARPOP MIXTAKE FAKEBOOK VOLXFUCK PEACE OFF! 'Schland Of Confusion“ (2015) u. a. werden andcompany&Co. ihr Material radikal musikalisieren und selbst Songs schreiben. Beide genannten Stücke wurden vom WDR als Hörspiele produziert, wobei „Orpheus in der Oberwelt: Eine Schlepperoper“ mit dem Prix Europa als bestes europäisches Hörspiel 2015 ausgezeichnet worden ist.

Das Kollektiv andcompany&Co. widmet sich seit seiner Gründung 2003 der ganz eigenen Aufarbeitung und Beleuchtung von gesellschaftspolitischen Themen mit popkulturellen und zeitgenössischen Mitteln. Der Durchbruch gelang 2006 mit der Inszenierung „little red (play): ‚herstory‘“ (eingeladen u. a. zu den Wiener Fest-wochen). Die FAZ bezeichnet seine Arbeiten als „Diskurspopthea-ter“, das Kollektiv sei „spezialisiert auf das Ausgraben und Ver-flechten geschichtlicher Wurzeln und politischer Schlingpflanzen“. „Es ist ein stetes Changieren zwischen einem ironisch-spielerischen Humor und einer nüchternen Klarheit der Fakten“, beschreibt Stefan Michalzik in der Frankfurter Rundschau seine Arbeitsweise.

Von und mit:

Alexander Karschnia, Nicola Nord, Krisjan Schellingerhout, Claudia Splitt, Sascha Sulimma, Vincent van der Valk&Co.

Text: Alexander Karschnia, Nicola Nord&Co.

Musik: Sascha Sulimma&Co.

Bühne: Noah Fischer&Co.

Kostüme und Mitarbeit Bühne: Franziska Sauer&Co.

Licht: Rainer Casper

Regieassistenz: Hilkje Kempka

Technische Leitung: Marc Zeuske Company

Management: Katja Sonnemann

Pressearbeit: Yven Augustin

24.11. - 26.+28.11.2016, HAU Hebbel am Ufer (HAU1), Berlin / 14.01.2017, Ringlokschuppen Ruhr, Mülheim an der Ruhr / 20.01. - 21.01.2017, FFT Düsseldorf, Düsseldorf / 03.02.2017, brut, Wien / 18.02. - 19.02.2017, Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt am Main / 28.02. - 01.03.2017, Frascati, Amsterdam / 04.03.2017 Theater im Pumpenhaus, Münster

Eine Produktion von andcompany&Co. in Koproduktion mit HAU Heb-bel am Ufer (Berlin), Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main, FFT Düsseldorf, Ringlokschuppen Ruhr, Theater im Pumpenhaus Münster, brut Wien und House on Fire mit Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Union.

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, durch den Regieren-den Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenhei-ten und die Kunststiftung NRW.

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