"Wozzeck" von Alban Berg aus der Oper Frankfurt als TV-Übertragung auf 3sat

Samstag, dem 16. Juli 2016, um 20.15 Uhr auf 3sat. -----Wozzeck lebt zusammen mit Marie und dem gemeinsamen unehelichen Kind in Armut. Seit geraumer Zeit plagen ihn Visionen von Tod und Weltuntergang, die die Ausweglosigkeit seiner persönlichen Situation zu spiegeln scheinen: Von seinem vorgesetzten Hauptmann verhöhnt, stellt sich Wozzeck – um etwas dazuzuverdienen – dem Doktor für medizinische Experimente zur Verfügung.
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Marie lässt sich mit dem Tambourmajor ein, was Hauptmann und Doktor dem von ihnen Ausgebeuteten in grober Weise enthüllen. Die Visionen verschwinden nicht. Nachdem Wozzeck vom Tambourmajor verprügelt wird, ersticht er Marie auf einem nächtlichen Spaziergang am Teich. Das Kind hört durch seine Spielkameraden vom Tod der Mutter.

Alban Bergs Wozzeck entstand nach dem Drama Woyzeck (1836) von Georg Büchner. Die Uraufführung fand am 14. Dezember 1925 an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin unter der musikalischen Leitung von Erich Kleiber statt. Das einzige zwölftonale Werk, das bis heute eine große Resonanz beim Zuschauer findet, kann als moderner Klassiker bezeichnet werden. Die letzte Neuinszenierung des Wozzeck kam an der Oper Frankfurt am 6. Oktober 1993 in der Regie von Peter Mussbach und unter der musikalischen Leitung von Sylvain Cambreling heraus.

Wozzeck von Alban Berg (1885-1935) in der Sicht von Christof Loy und unter der musikalischen Leitung von Frankfurts Generalmusikdirektor Sebastian Weigle war die letzte Neuproduktion der Oper Frankfurt im Opernhaus während der laufenden Spielzeit 2015/16. Die Inszenierung stieß auf großes Interesse von Publikums und Presse gleichermaßen.

So konnte man nach der Premiere am 26. Juni 2016 in einer der Kritiken lesen: „Kein Sozialkitsch, keine Wir-Arme-Leut-Thematik, keine Hier-Opfer-und-dort-Täter-Konstellation. Dafür klare Räume, analytische Blicke, scharfe Personenzeichnungen. An der Oper Frankfurt schaut der Regisseur Christof Loy sehr genau auf Alban Bergs Wozzeck (…).“

Ein weiterer Rezensent bemerkte: „Wie expressiv Alban Bergs Wozzeck-Musik klingen kann, mit welcher Empathie sie diesem verzweifelten Mann eine innere Stimme gibt, macht Sebastian Weigle (…) mit beklemmender Intensität deutlich. Mit phänomenaler Genauigkeit, in deutlichster Klarheit und Transparenz setzt das Frankfurter Opernorchester Bergs Partitur bezwingend in klangliche Dramatik um.“

Ein dritter Berichterstatter schreibt über die beiden Hauptpartien: „Der norwegische Bariton Audun Iversen gibt einen schauspielerisch und musikalisch beeindruckenden Wozzeck und auch Claudia Mahnke als Marie ist in ihrem Stimmungswechsel zwischen Existenzangst, Freude und Reue immer glaubwürdig. So ist diese vorletzte Premiere der Saison zugleich ihr Höhepunkt.“

Nun wird die Inszenierung auf 3sat übertragen. Der Fernsehsender präsentiert damit zum ersten Mal eine Produktion aus einem aktuellen „Opernhaus des Jahres“. 50 Kritiker des Fachmagazins Opernwelt hatten mehrheitlich für das Nationaltheater Mannheim und die Oper Frankfurt votiert.

Die musikalische Leitung liegt bei Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, den kommende Gastengagements u.a. mit Beethovens Fidelio und Straussʼ Der Rosenkavalier an die New Yorker Metropolitan Opera führen werden. Regelmäßiger Gast an der Oper Frankfurt ist Regisseur Christof Loy, der für Wozzeck erstmals seit Mozarts Don Giovanni in der Saison 2014/15 wieder ins Haus am Willy-Brandt-Platz zurückkehrte. Aktuelle Aufgaben sind seine Sicht auf Brittens Peter Grimes am Theater an der Wien, gefolgt von Mussorgskis Chowanschtschina an De Nederlandse Opera Amsterdam.

Die Titelpartie übernahm für das erkrankte Ensemblemitglied Johannes Martin Kränzle der norwegische Bariton Audun Iversen. Zu seinen jüngsten Gastengagements gehören Germont in Verdis La Traviata und Graf in Mozarts Le nozze di Figaro am Opernhaus Oslo. In Frankfurt gern gesehene Gäste sind der englische Tenor Peter Bronder (Hauptmann) und der deutsche Countertenor Martin Wölfel (Der Narr). Während der erstgenannte Künstler momentan vor allem als Mime in Wagners Der Ring des Nibelungen u.a. an der Mailänder Scala beschäftigt ist, kann Martin Wölfel auf zahlreiche Frankfurter Engagements u.a. als Edgar (Reimanns Lear) zurückblicken. Ensemblemitglied Claudia Mahnke (Marie) war auch 2015 wieder bei den Bayreuther Festspielen u.a. als Fricka und Waltraute in Der Ring des Nibelungen vertreten. An der Staatsoper Stuttgart gastierte sie kürzlich als Herodias in Straussʼ Salome. Ebenfalls aus dem Ensemble stammen Vincent Wolfsteiner (Tambourmajor), Martin Mitterrutzner (Andres) und Alfred Reiter (Doktor).

Alle übrigen Partien sind mit Mitgliedern des Opernstudios und des Ensembles der Oper Frankfurt besetzt. Zu weiteren Mitwirkenden gehören Chor, Kinderchor und Statisterie der Oper Frankfurt. Es spielt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester.

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