DAS KONGO TRIBUNAL - EINE PRODUKTION VON MILO RAU / INTERNATIONAL INSTITUTE OF POLITICAL MURDER (IIPM)

HEARINGS:29. BIS 31. MAI 2015, DIE BUKAVU HEARINGS, COLLÈGE ALFAJIRI, BUKAVU (OSTKONGO)26. BIS 28. JUNI 2015, DIE BERLIN HEARINGS, SOPHIENSAELE, BERLIN
18941

Nach seinem umstrittenen Performance- und Filmprojekt „Die Moskauer Prozesse“ (2013/14) und der mit dem europaweit gefeierten Stück „The Civil Wars“ gestarteten Europa-Trilogie (2014/15) inszeniert Milo Rau nun das wohl größenwahnsinnigste politische Kunstprojekt unserer Zeit. „Das Kongo Tribunal“ versammelt in der Tradition von Jean-Paul Sartres und Bertrand Russels Vietnam Tribunal in

Bukavu – der „Welthauptstadt der Vergewaltigung“ im Ostkongo – und in Berlin – der Stadt der historischen Afrika-Konferenz von 1885 – mehr als 60 Zeugen und Experten.

Während sechs Tagen treten kongolesische Regierungs- und Oppositionspolitiker, Militärs und Rebellen, UNO- und Weltbankfunktionäre, große Minenbaufirmen genauso wie einfache kongolesische

Bürger, Philosophen, Ökonomen und Juristen vor eine internationale Jury (u. a. mit Jean Ziegler, Saran

Kaba Jones, Wolfgang Kaleck, Harald Welzer). Während die Hearings im Ostkongo auf drei lokale Fälle fokussieren, stehen in Berlin die Verwicklung der EU, der Weltbank, der internationalen Gemeinschaft

und der multinationalen Unternehmen im Mittelpunkt. Ein menschlich erschütterndes, analytisch tiefgründiges Tableau der neokolonialen Weltordnung – live durchgeführt von Milo Rau und seinem International Institute of Political Murder.

Seit über 20 Jahren verwandelt ein unüberschaubarer Bürgerkrieg ein Gebiet von der Größe Westeuropas in eine Hölle auf Erden: Es ist der Kongo-Krieg, der seit dem Zweiten Weltkrieg opferreichste Konflikt überhaupt. Präsentierte er sich zuerst als bloßer Folgekonflikt des Genozids im Nachbarland Ruanda und des darauf Bei einem Recherche-Dreh dreht Milo Rau mit kongolesischen

Soldaten.

In der Anfangsphase auf die Zerschlagung der aus Ruanda geflohenen Völkermord-Milizen beschränkt,

hat sich der Konflikt in eine global vernetzte, aus sich selbst lebende „Wirtschaft des Krieges“ verwandelt, zu der mit billigen Kalaschnikows und Macheten ausgerüstete Kindersoldaten genauso gehören wie deutsche NGOs, chinesische Rohstoffhändler und kanadische Bergbaufirmen. Denn der Grund für den Fortbestand des Kriegs im Kongo sind längst keine ethnischen Gegensätze mehr: sondern die für das bevorstehende 21. Jahrhundert überlebenswichtigen Rohstoffe wie Coltan, Niobium oder Kassiterit. „Unsere Handyhersteller führen im Kongo Krieg“, fasste vor einigen Jahren die Tageszeitung Die Welt die Situation zusammen – denn nirgendwo sonst sind die für die Kommunikationstechnologie entscheidenden Coltanvorkommen größer als im Ostkongo. Aber auch Metalle wie Kobalt, Kupfer und Zinn, die zur Erzeugung, Transport und Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen und somit für die „Energiewende“ unverzichtbar sind, machen den Ostkongo für sämtliche Industrienationen geostrategisch wertvoll.

Mit „Das Kongo Tribunal“ soll nun erstmals ein unverschleiertes Porträt dieses gewaltigsten Wirtschaftskriegs der Menschheitsgeschichte entstehen – seiner wirtschaftlichen und politischen Ursachen genauso wie seines konkreten Gesichts vor Ort. Warum bleiben alle Bemühungen der UNO

(die auch vor dem Begriff „Genozid“ nicht zurückschreckt) und der vom Internationalen Strafgerichtshof gegen die Milizen geführten Prozesse völlig wirkungslos? Darf der Krieg im Kongo nicht zu Ende gehen, weil zu viele lokale und internationale Player in den boomenden

Rohstoffhandel im Ostkongo verwickelt sind oder von der Unsicherheit in der Region profitieren?

„Das Kongo Tribunal“ versammelt im Mai 2015 in Bukavu und direkt im Anschluss in Berlin die zentralen Akteure und Analytiker des Kongokriegs zu einem großen Tribunal. In zwei Teilen werden

die zentralen Konfliktlinien des Kongo-Kriegs anhand von Hearings Theater-Saal des Collège Alfajiri in Bukavu, in dem Ende Mai 2015 das Kongo- Tribunal stattfinden wird.

Anders als vor dem Internationalen Strafgerichtshof und den nationalen Gerichten werden vor dem „Kongo Tribunal“ nicht nur die lokalen Akteure – die Rebellenführer und die Soldaten der unteren Ränge – zur Verantwortung gezogen, sondern auch ihre internationalen Mittäter, die diesen Bürgerkrieg – sei es intendiert oder im Unwissen – unterstützen oder seine Beendigung verhindern.

Wie bereits in Milo Raus von der internationalen Presse gefeiertem Film „Die Moskauer Prozesse“ werden die Gegenstände der Untersuchung kontrovers und mit offenem Ausgang verhandelt: Liegen die Ursachen des „Afrikanischen Weltkriegs“ in einer nicht bewältigten kolonialen Vergangenheit?

Inwiefern ist die Energiewende mit ihrem enormen Bedarf an seltenen Metallen und Biodiesel eine Kriegserklärung an die Kongoregion? Und entscheidet sich gar in diesem bisher größten und blutigsten Wirtschaftskrieg der Menschheitsgeschichte die zukünftige Ordnung der Weltgemeinschaft?

Mit „Das Kongo Tribunal“ schließt Milo Rau an seine Beschäftigung mit Zentralafrika an, die er mit der Theater-, Film-, Hörspielund Buchproduktion „Hate Radio“ (über den ruandischen Genozid)

2011 in Angriff genommen und u. a. mit der Talkshowreihe „Die Berliner Gespräche“ 2013/14 fortgeführt hat. Internationaler Kinostart des begleitenden Filmprojekts „Das Kongo Tribunal“ ist für

Herbst 2016 vorgesehen.

Das Kongo-Tribunal versammelt in Bukavu und Berlin mehr als 60 Zeugen.

DREHBUCH UND REGIE Milo Rau

RECHERCHE UND CASTING Eva-Maria Bertschy

PRODUKTION Arne Birkenstock, Olivier Zobrist

KOPRODUKTION Milo Rau

BÜHNE UND AUSSTATTUNG Anton Lukas

KAMERA Thomas Schneider

SOUND Jens Baudisch, Marco Teufen

SCHNITT Anke Trojan

AUFNAHMELEITUNG Mascha Euchner-Martinez, Mirjam Knapp

PRODUKTIONSLEITUNG Mascha Euchner-Martinez, Kirsten Schauries, Eva-Karen Tittmann REGIE- UND

RECHERCHEASSISTENZ Mirjam Knapp

PRODUKTION CROSSMEDIAbSebastian Lemke

RECHERCHE VOR ORT Kris Berwouts, Chrispin Mvano Ya Bauma, Jean Moreau Tubibu

TECHNISCHE LEITUNG BUKAVU Patric Byamungu

CORPORATE DESIGN Nina Wolters

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT Yven Augustin

REDAKTION BEGLEITBUCH Rolf Bossart

UNTERSUCHUNGSLEITER Sylvestre Bisimwa

GERICHTSVORSITZ Jean-Louis Gilissen

GERICHTSSCHREIBERINNEN Marie Noël Cikuru, Kathrin Röggla JURY Vénantie Bisimwa Nabintu, Colette Braeckman, Saran Kaba Jones, Wolfgang Kaleck, Gilbert Kalinda, Prince Kihangi, Marc-Antoine Vumilia, Harald Welzer, Jean Ziegler

EXPERTEN Tom Butler, Marcellin Cishambo Ruhoya, Tricia Feeney, Tyler Gillard, Vital Kamerhe, Renate Künast, Lambert Mende Omalanga, Linda Polman u. a.

DAS KONGO TRIBUNAL – ist ein Film- und Theaterprojekt von Milo Rau und dem International Institute of Political Murder (IIPM). Das THEATERPROJEKT ist eine Koproduktion des IIPM mit den Sophiensaelen

Berlin, in Zusammenarbeit mit Fruitmarket Kultur und Medien, Langfilm, dem European Center for Constitutional and Human Rights und der Zürcher Hochschule der Künste, gefördert durch Mittel des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, des Hauptstadtkulturfonds Berlin, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Goethe Instituts Johannesburg. Mit der freundlichen Unterstützung von Brussels Airlines.

Der FILM ist eine deutsch-schweizerische Koproduktion der Fruitmarket Kultur und Medien und der Langfilm, in Zusammenarbeit mit dem IIPM, dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF & Radio Télévision Suisse RTS, Lemafrika Culture et Développement (Bukavu) und Kwetu Film Institute (Kigali), gefördert durch die Film und Medienstiftung NRW, das Bundesamt für Kultur (Schweiz), den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Deutschland), die Kulturförderung Kanton

St. Gallen / Swisslos, der Zürcher Filmstiftung, die Filmförderungsanstalt, den

Deutschen Filmförderfonds und die Volkart Stiftung.

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