Landestheater Linz: "In den Alpen" von Elfriede Jelinek

Premiere 16. Oktober 2011 um 19.30 Uhr in den Kammerspielen. -----Gibt es nach einer Katastrophe angemessene Worte? Nach Oslo? Nach 9/11? Nach dem Brand der Kitzsteingams vor 11 Jahren in Kaprun? Nach dem Holocaust? Oder ist alles was folgt einfach Gerede und der Versuch sich jeglicher Schuld zu entbinden.
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Oder einfach zur ökonomie- und leistungsorientierten Tagesordnung zurückzukehren. Denkt man an Österreich, denkt man ans Land der Berge, an schneebedeckte Gipfel, ans Skifahren, an Après-Ski. Österreich lebt mit und vor allem von seinen Bergen. „Freilich manchmal schlagen die Berge zurück und töten und verwunden.“ Zum Beispiel vor 11 Jahren in Kaprun: 155 Menschen verbrennen auf dem Weg zum Gipfel in einer Bergbahn. Nicht die ersten Opfer an diesem Ort. „Aber zum Glück tun das nur die Berge, nicht wir. Nicht wir.“ Ganz kurz wird Innegehalten im alpinen Treiben, und schon geht es weiter, bergauf – bergab. Gegen das Erinnern. „Wer war das, der ein Kleidungsstück auf einem Heizstrahler über einem Lärchenkasten vergessen hat? Wahrscheinlich war es ein Toter, der inzwischen beinahe selber schon vergessen ist.“

Zu vergessen ist ja auch ganz praktisch, sonst bleiben womöglich die Urlaubsgäste aus. Vielleicht kann man die plötzliche Aufmerksamkeit ja sogar zur Werbung nutzen: „Komisch, wie der Tod, der doch das Gehen selbst ist, soviel Kommen nach sich zieht.“ Denn wer sollte schon wollen, dass Ruhe einkehrt in den Zentren des Fremdenverkehrs? In einer Welt des Marktes und des Wettbewerbs hat Trauer und Gefühl keinen Platz. Es muss weitergehen: Noch schneller, noch besser, noch höher. Das Risiko einer Katastrophe immer inklusive.

Und längst nicht allen Toten von Kaprun wurde gerne gedacht. Wer will sich daran erinnern, dass der Inbegriff für das nach dem Krieg wieder erstarkende Österreich - der Staudamm von Kaprun - in seiner gefährlichsten Bauphase von Zwangsarbeitern errichtet wurde? Die österreichische Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek lässt in ihren Kaprun-Stücken In den Alpen und Das Werk Opfer, Helfer und Täter zu Wort kommen. Ein schonungsloser Blick auf unsere mitleidslose, profitorientierte westliche Welt. Gegen das Vergessen. Gegen die Verdrängung.

Inszenierung Christian Wittmann

Bühne Ralph Zeger

Kostüme Silke Fischer

Musik zeitblom

Dramaturgie Elke Ranzinger

Besetzung

Schneeflöckchen Bettina Buchholz

Barbara Novotny

Jenny Weichert

Bäume Thomas Kasten

Klaus Köhler

Joachim Rathke

Helfer Joachim Rathke

Das Kind Bettina Buchholz

Klaus Köhler

Jenny Weichert

Die junge Frau Barbara Novotny,

Bergrettungsmann Thomas Kasten

Der Mann Konstantin Bühler

Peter Klaus Köhler

Joachim Rathke

Heidi Bettina Buchholz

Barbara Novotny

Jenny Weichert

Hänsel Konstantin Bühler

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