"Katzelmacher" von Rainer Werner Fassbinder im Theater Bern

Premiere Fr, 28. Oktober 2016, 19:30 Uhr, Vidmar 1. -----Acht Menschen leben einen Alltag, geprägt vom Trott stumpfer Monotonie. Sie schwanken zwischen Verachtung, Abhängigkeit und Ausbeutung, zwischen fahler Liebesbekundung und rohem Liebeshandel. Ein Ausbrechen aus der Tristesse ist nicht in Sicht, denn in dieser Gruppe braucht man einander – um einer Ordnung willen.
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Doch dann trifft der Gastarbeiter Jorgos auf diese gebrochenen Figuren. Vom Ausländer angezogen wie befremdet, entladen sich an ihm die unter der Oberfläche brodelnden Emotionen der acht, Wünsche und Wirklichkeit verschwimmen: Die Frauen begehren ihn, die Männer schlagen ihn nieder. Das Feindbild, an dem sich die Aggressionen entladen können, ist gefunden, die Hetzjagd gegen den Eindringling unaufhaltsam.

Wie häufig in seinen Filmen und Theaterstücken, so wirft Fassbinder auch in Katzelmacher ein scharfes Auge auf die Dynamik sozialer Beziehungen, auf die Fragen von Schuld und Not, Sehnsucht und Selbstentfremdung. Dabei legt er seinen Figuren eine sehr verdichtete Sprache in den Mund, die – ähnlich wie bei Horváth – dem Zuschauer einen tiefen Einblick in deren Seelenleben gestattet.

Knapp 50 Jahre nach der Uraufführung von Katzelmacher bringt Claudia Meyer Fassbinders Kammerspiel auf die Bühne der Vidmar 1.

Rainer Werner Fassbinder, einer der wichtigsten deutschen Filmemacher der 1970er- und 1980er-Jahre, begann wie so viele seine Karriere am Theater. Auch Katzelmacher, als Theaterstück geschrieben und 1969 verfilmt, inszenierte Fassbinder selbst und zunächst auf der Bühne seines eigenen Theaters: 1966 von Fassbinder unter dem Namen «Actiontheater » gegründet, benannte er es 1968 um in «Antitheater», um bereits im Titel den Anspruch des Gegenentwurfs zum deutschen Staatstheaterbetrieb festzuhalten. Im April desselben Jahres erlebte Katzelmacher seine Uraufführung. Vertreter eines kleinbürgerlichen Milieus folgen dem Gang ihres Lebens: Sie gehen zur Arbeit und ins Wirtshaus, reden mehr über andere als über sich nachzudenken, betrügen ihre Liebhaber, Arbeitgeber und Sehnsüchte, und manchmal geht es auch ums Geld. Als aber der griechische Gastarbeiter Jorgos auftaucht, wird es für die Männer und Frauen zunehmend schwierig, ihre Wünsche und deren

Wirklichkeit auseinanderzuhalten. Claudia Meyer, die bereits 2014.2015 in ihrer Inszenierung von Karl Schönherrs Weibsteufel ihr Gespür für die Psychologie von Wunsch und Wahn unter Beweis gestellt hat, bringt Fassbinders Kammerspiel auf die Bühne der Vidmar 1.

Regie Claudia Meyer

Bühne & Kostüme Aurel Lenfert

Musik Michael Wilhelmi

Dramaturgie Elisabeth Caesar –

Mit

Nina Mariel Kohler, Mariananda Schempp, Milva Stark, Irina Wrona, Nico Delpy, Tobias Krüger, Jonathan Loosli, Gabriel Schneider

Weitere Vorstellungen 02.*, 15. Nov | 02.,

18., 29. Dez 2016 | 04., 14. Jan | 02., 19. Feb. | 10., 22. Mrz 2017

*Einführung 30 Min vor der Vorstellung

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