Der kanadische Theaterregisseur Robert Lepage liefert die diesjährige Botschaft zum Welttheatertag

Das Internationale Theaterinstitut (ITI), dessen Präsident der Wiesbadener Intendant Dr. Manfred Beilharz ist, feiert seit 1961 alljährlich am 27. März den Welttheatertag. Seither wurden in jedem Jahr international renommierte Theaterleute (u.a. Jean Cocteau, Arthur Miller, Peter Brook und Tankred Dorst) um „Botschaften“ gebeten, in denen sie sich mit der Bedeutung des Theaters im gesellschaftlichen Kontext auseinandersetzen.

In diesem Jahr hat Robert Lepage, Theater- und Filmregisseur, Filmemacher, Bühnenbildner, Autor und Schauspieler aus Québec, Kanada, eine Botschaft verfasst.

Auszüge aus der Botschaft:

Es gibt viele Hypothesen über den Ursprung des Theaters – die für mich denkwür-digste hat die Form einer Fabel: Vor undenklicher Zeit saßen eines Nachts in einer Höhle ein paar Menschen um ein wärmendes Feuer und erzählten sich Geschichten. Plötzlich kam einer von ihnen auf die Idee, aufzustehen und seine Erzählung mit Hilfe seines Schattens zu illustrieren. (...) Heutzutage hat das Scheinwerferlicht das Lager-feuer ersetzt und das Bühnenbild die Höhlenwände. (Diese) Fabel (erinnert uns) dar-an, dass die Technologie am Anfang des Theaters steht und nicht als Bedrohung aufgefasst werden sollte (...) Entscheidend für das Überleben des Theaters ist seine Fähigkeit, sich wieder und wieder zu erfinden und dabei neue Mittel (...) zu integrie-ren. Wie soll Theater Zeugnis ablegen von den Herausforderungen seiner Epoche (...) wenn es nicht selbst Offenheit beweist? Wie kann sich das Theater rühmen, Lö-sungen anzubieten für Probleme wie Intoleranz, Ausgrenzung, Rassismus, wenn es in seiner ureigensten Praxis jede Mischform und Integration verweigert? Um die Welt in ihrer gesamten Komplexität darzustellen, müssen die Künstler neue Formen und Ideen vorschlagen (...) Es ist wahr, wir gehen Risiken ein, wenn wir mit dem Feuer spielen, aber wir lassen es darauf ankommen: Wir können verbrennen, aber auch er-staunen und erhellen.

Robert Lepage, Québec, 17. Februar 2008

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