Die Theater Chemnitz: TANZ | MODERNE | TANZ - Internationales Festival für zeitgenössischen Tanz

14. bis 19. Juni 2016 im Schauspielhaus, Opernhaus, Weltecho und anderen Orten. -----Auch bei der zweiten Runde des jungen Festivals steht der Tanz als bedeutende Komponente des kulturellen Lebens im Fokus, als eine Kunstform ohne sprachliche Barrieren. Tanzschaffende aller Nationalitäten sind Mittler zwischen den Kulturen und leisten einen Beitrag zur Festigung und Stabilität innerhalb der wachsenden europäischen, aber auch der globalen Gemeinschaft.
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Und so werden auch in diesem Jahr wieder wichtige Ensembles der Tanzszene sowohl aus Partnerstädten wie auch darüber hinaus zu Gast in Chemnitz sein, u. a. die Company Chameleon aus Manchester, Act2 – Cie Catherine Dreyfus aus Mulhouse, Cie Retouramont aus Charenton-le-Pont, Milan Tomášik aus Ljubljana, Yaron Shamir aus Tel Aviv, die Fabien Prioville Dance Company aus Düsseldorf, Overhead Project & HeadFeedHands aus Köln, Katriina Kantola und Antti Seppänen aus Tampere, das Physical Studio aus Lodz, Xuan Shi & Niannian Zhou aus Beijing sowie Aly Karambé und Kettly Noël aus Bamako / Mali.

Das Festivalprogramm wird mit einem vielfältigen Workshopangebot ergänzt.

Die Festivalleitung hat Sabrina Sadowska, Ballettbetriebsdirektorin und Ballettmeisterin der Theater Chemnitz, inne.

Das Programm

Dienstag, 14. Juni 2016

Pre-Opening des Festivals

¡ ON STAGE !

Vernissage zur Fotoausstellung von Dieter Wuschanski

Ice Love Clod (DEA)

Katriina Kantola und Antti Seppänen / Tampere

Neue Sächsische Galerie ǀ 19.00 Uhr | Eintritt frei

Mittwoch, 15. Juni 2016

Workshop – zeitgenössischer Tanz mit Yaron Shamir / Tel Aviv

Opernhaus, Ballettsaal ǀ 17.00 - 19.00 Uhr | Eintritt: 10,- €, erm. 5,- €

Begrenzte Teilnehmerzahl - nur mit Anmeldung unter festival@theater-chemnitz.de möglich

Eröffnung des Festivals

[How To Be] Almost There

Overhead Project & HeadFeedHands / Köln

Beauty Of The Beast

Company Chameleon / Manchester

Schauspielhaus, Große Bühne ǀ 20.00 Uhr | Eintritt: 10,- bis 18,- €

Donnerstag, 16. Juni 2016

Et si j’étais Moi! (DEA)

Act2 – Cie Catherine Dreyfus / Mulhouse – für Kinder ab 6 Jahren

Schauspielhaus, Große Bühne ǀ 17.00 Uhr | Eintritt: 8,- bis 14,- €

Workshop − Akrobatik und zeitgenössischer Tanz mit Florian Patschovsky / Köln

Opernhaus, Ballettsaal ǀ 17.00 - 19.00 Uhr | Eintritt: 10,- €, erm. 5,- €

Begrenzte Teilnehmerzahl - nur mit Anmeldung unter festival@theater-chemnitz.de möglich

C Lab

Physical Studio / Łódź („Moths“ / DEA) und junge Choreografen Ballett Chemnitz

Weltecho ǀ 19.00 + 22.00 Uhr | Eintritt: 10,- €, erm. 8,- €

Freitag, 17. Juni 2016

Workshop – zeitgenössischer Tanz

mit Milan Tomášik / Ljubljana

Opernhaus, Ballettsaal ǀ 16.00 - 18.00 Uhr | Eintritt: 10,- €, erm. 5,- €

Begrenzte Teilnehmerzahl - nur mit Anmeldung unter festival@theater-chemnitz.de möglich

Hands Down (DEA)

Company Chameleon / Manchester

Environnement Vertical

Cie Retouramont / Charenton-le-Pont

Innenstadt, Roter Turm ǀ 18.00 Uhr | Eintritt frei

Frozen

Yaron Shamir / Tel Aviv

The Sound Of Qin

Xuan Shi & Niannian Zhou Company / Beijing

Time For Us

Fabien Prioville Dance Company / Düsseldorf

Schauspielhaus, Große Bühne ǀ 20.00 Uhr | Eintritt: 10,- bis 18,- €

Samstag, 18. Juni 2016

Workshop – afrikanischer Tanz

mit Aly Karambé / Bamako

Opernhaus, Ballettsaal ǀ 14.00 - 16.00 Uhr | Eintritt: 10,- €, erm. 5,- €

Begrenzte Teilnehmerzahl - nur mit Anmeldung unter festival@theater-chemnitz.de möglich

Denkmäler tanzen auf!

Ballett Chemnitz

15.00 – 17.00 Uhr | Eintritt frei | Fahrradtour – Treffpunkt: Theaterplatz

Begrenzte Teilnehmerzahl – nur mit Anmeldung unter tickets@theater-chemnitz.de möglich

Programmänderung:

Happenings (statt Ryzografie)

Physical Studio / Łódź

Silver Blue (DEA)

Milan Tomášik & Co / Ljubljana

Schauspielhaus, Große Bühne ǀ 20.00 Uhr | Eintritt: 10,- bis 18,- €

Sonntag, 19. Juni 2016

Abschluss des Festivals

Les Sorciers

Aly Karambé – Karembastudio / Bamako

Je ne suis plus une femme noire

Kettly Noël – Donko Seko / Bamako

Schauspielhaus, Große Bühne ǀ 20.00 Uhr | Eintritt: 10,- bis 18,- €

Abschlussparty

Schauspielhaus, Theaterclub Exil ǀ 22.00 Uhr | Eintritt frei

Die Stücke und Companies

¡ ON STAGE !

Seit Anbeginn der Fotografie gehört es zu den faszinierendsten Ereignissen, Bewegung im Bild festzuhalten und gegen den transitorischen Charakter des Lebendigen anzugehen. Seit 25 Jahren widmet sich der Fotograf Dieter Wuschanski in Theater und Tanz jenen Momenten des Vergänglichen, die in der theatralen Situation zwischen Publikum und Akteur entstehen und verschwinden. In seiner aktuellen Ausstellung zeigt er Bilder, die während der Vorstellung auf der Bühne entstanden sind und dem Betrachter eine andere, komplexe Sicht auf den Akteur in seiner absoluten Hingabe an die Bewegung ermöglichen. Die Konstellation Zuschauerraum-Rampe-Bühne wird aufgelöst in einer dynamischen Betrachtung, die das innere Nachvollziehen der Bewegung erlebbar macht.

Ice Love Clod (Deutsche Erstaufführung)

Ein Mann, eine Frau und all das Unausgesprochene dazwischen: Menschen begegnen sich und treiben auseinander. Die finnische Choreografin Anniina Kumpuniemi erzählt in „Ice Love Clod“ von der Undurchsichtigkeit unserer emotionalen Wildnis, die voll ist mit Gefühlen, welche sich wie der Wind ändern können. Diese seelische Natur ist nicht nur ein Teil von uns selbst, sondern auch von denen, die uns umgeben. Jene kräftigen Lebensenergien verbinden oder trennen uns, zwingen uns, gegen den Wind zu kämpfen oder uns mit ihm treiben zu lassen – bis zum Tod. Anniina Kumpuniemi ließ sich von dem Stück Agatha der französischen Autorin Marguerite Duras inspirieren, das auf eindrückliche Weise von den Worten zwischen den Zeilen erzählt und davon, was unsere Handlungen über unsere emotionalen Beweggründe preisgeben.

Choreografie: Anniina Kumpuniemi

Tanz: Katriina Kantola, Antti Seppänen

Sounddesign und Kompositionen: Teemu Kiiskilä

Lichtdesign: Katja Muttilainen

[How To Be] Almost There

Zwei Männer in einer Atmosphäre der Atemlosigkeit, der Verzweiflung, des stillen Krümmens und ahnungslosen Aufbäumens. Eine sandsturmartige Stuhlwüste im Nirgendwo. Ein Mensch, der sich im Bedürfnis nach Gesellschaft und Zurückgezogenheit, nach menschlicher Nähe und Distanz verliert und ein anderer, der die Mauern einreißt. Während einer kopfüber stürzt, fängt der andere ihn zärtlich auf, übergibt ihn dem festen Boden. Der Moment des Stillstands steht der Flucht gegenüber und beides bedeutet, das Menschliche auszuhalten. Dieses extrem körperliche Duett, getanzt von den Akrobaten Tim Behren und Florian Patschovsky, überrascht mit einem fein abgestimmten Ineinanderfließen von Zirkus und Tanz, das das Publikum im Angesicht ihrer Präzision und Poesie den Atem anhalten lässt.

Tanz und Kreation: Tim Behren, Florian Patschovsky

Choreografie: Tim Behren, Maya Carroll, Anne Hirth, Florian Patschovsky

Bühnenbild und Kostüme: Alexandra Süßmilch

Soundcollage: Roy Carroll

Musik: Carroll, A Filetta, Pohjonen

Florian Patschovsky und Tim Behren wurden an der École Supérieure des Arts du Cirque (ÉSAC) in Brüssel mit dem Schwerpunkt Partnerakrobatik ausgebildet und gründeten dort das Akrobaten- und Choreografenduo Overhead Project. Seit 2008 entwickeln sie Stücke an der Grenze von zeitgenössischem Zirkus, Tanz und Performance, die vielfach ausgezeichnet wurden. 2012 debütierte das Duo als Overhead Project mit „Eh La“. 2014 folgte das Kooperationsprojekt „The Boy Who Cries Wolf“ mit der israelischen Choreografin Reut Shemesh und weitere Arbeiten der Künstler. Tim Behren und Florian Patschovsky tanzen darüber hinaus immer wieder auch bei anderen Companys. 2008 traten sie dem Freiburger Ensemble HeadFeedHands bei und wurden Teil der kollektiv-künstlerischen Leitung. Im November 2015 wurde das Duo Overhead Project mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für sein herausragendes künstlerisches Schaffen ausgezeichnet.

Beauty Of The Beast

Schon der Titel dieser neuesten Produktion der Company Chameleon reißt Gegensätze auf, hält Gut und Böse, schön und hässlich, angenommen und abgestoßen in der Schwebe. Sechs junge, charismatische Tänzer erzählen in einem dynamischen Stück von Männerwelten, Zusammengehörigkeit, von kleinen und großen Verletzlichkeiten und streifen dabei mit viel Humor sowie einer großen Portion Wahrheit zwischen Tanz, Theater und packender Musik auch ganz existenzielle Themen: Wo gehöre ich hin? Worüber definiere ich mich? Was macht mich aus? Und was passiert, wenn Zugehörigkeit Identität wird? Mit kraftvoller Körperlichkeit schälen sie in rasanten Szenen die Oberfläche ab von den ungeschriebenen Gesetzen des Zusammenhalts in einer Gruppe und spiegeln dabei unsere Zeit mit bestechender Präzision.

Choreografie: Anthony Missen

Tanz: Eryck Brahmania, Taylor Benjamin, Lee Clayden, Thomasin Gülgeç, Theo Fapohunda, Daniel Phung

Lichtdesign: Yaron Abulafia

Kostüme: Emma Bailey

Musik: Miguel Marin, Kevin Lennon, Johann Sebastian Bach, Wilson Simonal, Sizzla, Ocote Soul Sounds

Die Company Chameleon ist Manchesters einzige produzierende und tourende Tanzcompany mit jährlich ca. 50 Performances. Sie wurde 2007 von Anthony Missen und Kevin Edward Turner gegründet. Die Produktionen des Ensembles machen Archetypen, Geschichte und Geschichten lebendig durch einen kraftvollen und ausdrucksstarken Bewegungsstil und einen theatralen Grundgedanken, bei dem der Tanz selbst erzählt. Die Company Chameleon glaubt an das Tanztheater als eine lebendige Methode für den sozialen Wandel. Ein umfangreiches und qualitativ hochwertiges Bildungsprogramm mit diversen Kursen und Workshops in Schulen und Jugendgruppen im ganzen Land gehört neben den eigenen Bühnenproduktionen zu den Projekten der Company.

Et si j’étais Moi! (Deutsche Erstaufführung – für Kinder ab 6 Jahren)

Die Welt mit Kinderaugen betrachtet – alles hüpft und tanzt und setzt sich nach einer ganz eigenen, lebendigen Logik zusammen, bei der oben unten und unten oben sein kann. Nichts scheint organischer, als die nach einem freien und fantasievollen Ordnungsprinzip gestaltete Welt der Kinder mithilfe des Tanzes nachzuempfinden. Die Compagnie Act2 – Cie Catherine

Dreyfus begibt sich in „Et si j’étais Moi!“ in einen humorvollen und kindlichen Kosmos und erzählt auf sensible Weise von den kleinen und großen Geheimnissen des Alltags, von den manchmal undurchsichtigen Handlungen der Erwachsenen und all den Dingen, die uns werden lassen, was wir sind. In einem sich selbst scheinbar immer wieder neu zusammensetzenden Kubus lassen die Tänzer den Start ins Leben sinnlich greifbar werden,

sodass sich die kleinen und großen Zuschauer im gemeinsamen Universum der Träume wiederfinden.

Choreografie: Catherine Dreyfus in Zusammenarbeit mit den Tänzern

Tanz: Catherine Dreyfus, Mélodie Joinville, Gaétan Jamard

Lichtdesign: Arnaud Poumarat

Musik: Stéphane Scott

Bühne: Arnaud Poumarat

2008 gründete Catherine Dreyfus ihre Compagnie Act2, nachdem sie als Tänzerin mit verschiedenen Choreografen, u. a. mit Odile Duboc, Simone Sandroni, Nathalie Pernette, Alain Imbert, Micha Purucker und Sosana Marcelino, zusammengearbeitet und an Projekten von Les Pas Nommés mitgewirkt hat. Für Catherine Dreyfus ist Tanz ein Weg, um Gefühle und Gedanken zu transportieren. Ihr Ziel ist es, den Körper in Kontakt mit der physischen Umwelt zu bringen; das Design der Bühne spielt daher eine wichtige Rolle. Musikalität,

Poesie und das Ungreifbare sind Zutaten ihres Universums, die auch ihre choreografischen Arbeiten prägen. Act2 bietet ein umfangreiches Programm u. a. mit offenen Proben und Workshops in Schulen, in Fachhochschulen der darstellenden Künste, für Familien sowie Fortbildungsveranstaltungen an.

C Lab – Moths (Deutsche Erstaufführung)

Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit verschwimmen. Was ist Spiel, was ist Wirklichkeit? Welche Wirklichkeiten bleiben bestehen, welche werden zerstört? „Moths“ dreht sich um ein Spiel, das fließend in unser Leben schwappt und sich mit unserer Realität mischt. Dieses Spiel ist ein Funke, ein Witz, Verrücktheit und bedeutet die Abwesenheit von Kontrolle. Was passiert, wenn wir alle Regeln außer Kraft setzen und alles möglich ist? Wer sind wir, wenn wir uns selbst verlieren? Sind wir bereit, für einen Moment des Vergnügens und des Hochgefühls alles zu riskieren? Das Spiel ist in der Lage, sich selbst und andere zu zerstören. Dennoch scheint der Verlust der Lebensbalance die einzige Möglichkeit zu sein, Veränderung und Entwicklung in Gang zu bringen.

Choreografie und Tanz: Grala Paweł, Joanna Jaworska, Ola Łaba, Wojciech Łaba

Musik: LA3A

Kostüme Agnieszka Zwartko

Das Physical Studio (Pracownia Fizyczna) wurde 2009 von Jacek Owczarek gegründet. Die Mitglieder der Company entwickeln ihre Stücke auf der Basis zeitgenössischer Tanz- und Improvisationstechniken und kooperieren mit verschiedenen Theatern und kulturellen Institutionen Polens. Das Physical Studio ist angegliedert an die Abteilung für Choreografie und Tanz der Musikhochschule Łódź. Jacek Owczarek unterrichtet Tanz und Kontaktimprovisation in nationalen und internationalen Workshops und universitären Lehrkursen.

C Lab – Junge Choreografen Ballett Chemnitz

Das Ballett Chemnitz zählt insgesamt 20 Tänzerinnen und Tänzer vieler Nationalitäten – junge Menschen mit verschiedensten Freuden, Sorgen, Träumen und Visionen. Doch eines haben sie gemeinsam: die Liebe zum Tanz. Mit dem Körper erzählen, mit Gesten über das mit Worten Mögliche hinausgehen, im Tanz die Imagination des Zuschauers für tiefer liegende Geheimnisse öffnen – all das passiert in und mit ihnen im Moment der Aufführung, wenn sie die verinnerlichte Choreografie im Licht der Scheinwerfer auf den Punkt bringen. Anlässlich des internationalen Festivals TANZ | MODERNE | TANZ treten Mitglieder des Chemnitzer Ballettensembles nicht nur als Tänzer, sondern auch als Choreografen in Erscheinung und bringen im experimentellen Rahmen des C Lab ihre ganz eigenen Körper- und Tanzgeschichten auf die Bühne des Weltechos.

I. Choreografie und Tanz: Natalia Krekou, Alanna Saskia Pfeiffer, Tarah Malaika Pfeiffer,

Raul Arcangelo, Ivan Cheranev, Leonardo Fonseca, Emilijus Miliauskas

II. My Mind Holds The Key

Choreografie und Tanz: Helena Gläser

III. Re Construct

Choreografie und Tanz: Marta Papaccio, Raul Arcangelo

IV. Choreografie und Tanz: Alessio Ciaccio

Hands Down (Deutsche Erstaufführung)

Der Drahtseilakt der Zusammengehörigkeit – wirst du mich auffangen, wenn ich falle? Lass los, halte dich fest. Wie können wir uns miteinander verbinden? Was hält uns aneinander fest? Was ist nötig, um eine Verbindung zu lösen? Kraftvoll und emotional erkunden Taylor Benjamin und Riccardo Meneghini, Tänzer der Company Chameleon, in dem Duett „Hands Down“ die Spannungen zwischenmenschlicher Vereinigungen und wie wir Stärke und Verwundbarkeit in unseren Beziehungen zeigen. Das Stück ist der letzte Teil einer Trilogie, die mit „Search & Find“ und „Push“ bereits das Publikum begeisterte.

Choreografie: Anthony Missen

Tanz: Taylor Benjamin, Riccardo Meneghini

Musik: John Mattias (Burke and Wills), Ryuichi Sakamoto und Alva Noto (Noon), John Mattias (Black Bank Road), Lamplighter (Lux)

Kostüme: Anthony Missen

Company: siehe „Beauty Of The Beast”

Environnement Vertical

Einen Raum umarmen, mit beiden Händen umfassen, ihn komplett begreifen. Wir messen seine Höhe, seine Biegungen, seine Landschaft, wir kalkulieren Strecken, Volumen, wir berühren seine Oberfläche. Er ist gemacht aus Fülle und Leere. Tänzer bewegen sich in Räumen, die zwischen dem Existenten und dem Möglichen entstehen. „Environnement Vertical“ ist eine Konfrontation des Körpers mit der ihn umgebenden Umwelt. Die Tänzer dringen ein in die Architektur, ihre Textur und ihre Schwingungen, indem sie den festen Boden verlassen und in luftiger Höhe alle Dimensionen des Raumes erobern. Ein spielerischer Kampf findet statt zwischen der Architektur, der Leere und dem Körper, der sich zu lösen versucht – zunächst mit heftigem Willen und dann mit Lebensnotwendigkeit und die Schwerelosigkeit stets zwischen Gefahr und Chance ausbalancierend.

Choreografie: Fabrice Guillot

Tanz: Francisca Alvarez, Nathalie Tedesco

Seit mehreren Jahren ist Fabrice Guillot Teil der Compagnie Retouramont und entwickelt mit einer einzigartigen, die Dinge erforschenden Herangehensweise eigene choreografische Arbeiten. Fabrice Guillot ist professioneller Kletterer, was ihm eine unendliche Vielfalt von Bewegungen eröffnet. Einen Klettersteig zu bewältigen, bedeutet immer auch Orte, Rhythmen, innere Befindlichkeiten u. a. m. zu finden. Er hat mit Bruno Dizien und Laura de Nercy zusammengearbeitet und war Akteur in der Company Roc In Lichen. Er begleitete Kitsou Dubois in seiner choreografischen Forschung und kooperierte mit verschiedenen weiteren Künstlern, unter denen Antoine Le Menestrel, Ingrid Temin und Geneviève Mazin besonders zu erwähnen sind. Der Danse Vertical, zu dem auch Environnement Vertical gehört, ist eine neue Tendenz im zeitgenössischen Tanz, bei der Bewegung und Tanz aus neuen Dimensionen betrachtet werden.

Frozen

Berge – die Entdeckung zerschlagener Bilder des Fragens und der Suche nach einer Hand nach einem freien Fall. Kälte und schwarz-weiße Farben überall. Eingeständnis führt eine betrübliche Kraft mit sich. Perfekte Symbiose? Das endlose Dilemma zwischen Alleinsein und Zusammensein. Wie tief würden wir gehen? Wie weit hinaus würden wir uns strecken und uns selbst für Zusammengehörigkeit aufs Spiel setzen? Je mehr du vertraust, desto mehr erlaubst du dir, Schichten fallen zu lassen und das egozentrische Selbst zu offenbaren, während du deinen Partner beobachtest und prüfst. Ein Chaos aus Empathie, Zuneigung, Schmerz und Qual verlangt nach einer mutigen Entscheidung und Aufopferung. Hingabe erfordert Mut und Fantasie. Yaron Shamir blickt in dem Duett „Frozen“ zur Musik des Chemnitzer Musikers Carsten Nicolai (Alva Noto) auf die Dimensionen unserer Zweisamkeiten.

Choreografie: Yaron Shamir

Tanz: Nora Vladiguerov, Yaron Shamir

Musik: Alva Noto

Yaron Shamir wurde in Israel geboren und lebt seit 2011 in Berlin. Seine künstlerische Karriere als Choreograf und Tänzer begann er 1998; zuvor war er vier Jahre lang Offizier in der israelischen Armee. Seine Ausbildung wurde vom israelischen Ministerium für Kultur und Erziehung und seine Arbeit auch vom Goethe-Institut gefördert. Seit 2009 entwickelt Yaron Shamir Choreografien und Installationsprojekte sowohl mit Ensembles als auch solistisch. Er leitet weltweit Workshops an internationalen Bühnen und bei Festivals. Neben seiner Arbeit in Deutschland wurde er als Gastchoreograf in die Schweiz, nach Spanien, Italien, Dänemark, Polen, Israel, Osteuropa und nach Südkorea eingeladen.

The Sound Of Qin

Für diese Produktion ließen sich Xuan Shi und Niannian Zhou von einem der ältesten Musikinstrumente der Welt inspirieren: der klassischen chinesischen Griffbrettzither, der Qin. Sie kann auf eine 3000-jährige Geschichte zurückblicken – eine Zeitdauer, die auf den zarten Saiten in ruhiger Konzentration gebündelt zu sein und im Spiel wiederzuerwachen scheint. Xuan Shi und Niannian Zhou vereinen in ihrem Stück die Weite dieser musikalischen Tradition mit den neuen Wegen des zeitgenössischen Tanzes und erschaffen für den Moment der Aufführung in Synthese mit dem puren Klang der Qin eine intime, eindringliche Verbindung zwischen Publikum, Musiker und Tänzern. Sie erzählen dabei vom längst Vergangenen, dem Kommenden und dem, was zeitlos immer wiederkehrt.

Tanz und Choreografie: Xuan Shi, Niannian Zhou

Musik: Cheng, Yu Hong

Licht: Martin Hauk

Kostüme: Chantal Margiotta

Xuan Shi wurde in der Provinz Yunnan (China) geboren. Er studierte Volkstanz am Central College von Beijing und als Gaststudent an der an der Folkwang Hochschule in Essen. Er war Mitglied der Kanton Modern Dance Company und arbeitete u. a. mit der Shen Wei Dance Company. Xuan Shi ist seit 2002 Mitglied der Compagnie Sasha Waltz & Guests. Niannian Zhou wurde in Guangzhou (China) geboren. Sie studierte Tanz an der Guangdong Dance School sowie an der Folkwang-Hochschule Essen und war Mitglied der Guangdong Modern Dance Company. Bisher arbeitete sie u. a. mit der Rubato Dance Company, der Shen Wei Dance Company und der Ji Xin Dance Company. 2014 begannen Xuan Shi und Niannian Zhou ihre Zusammenarbeit und waren bisher in China und Berlin zu erleben. Mit dem Ensemble Sasha Waltz & Guests wirkten sie mit vielen verschiedenen Künstlern in diversen Produktionen und Tanzprojekten mit.

Time For Us

Wie begegnen wir uns? Wo kommen wir mit all unseren Ansprüchen und Bedürfnissen her? Was verbindet uns? „Time For Us“ von Fabien Prioville und seiner Frau Azusa Seyama Prioville konzentriert sich auf den erlebten Augenblick der Begegnung zweier Menschen. Es geht um die Suche nach der Bedeutung dieses Moments, um das Erforschen des Gemeinsamen und der Intimität. Darüber hinaus ist es auch eine biografische Replik der Tänzer: Beide wurden in ihrer Arbeit maßgeblich von der großen Choreografin Pina Bausch beeinflusst, deren Erbe in dieser Produktion stets anklingt.

Konzept: Fabien Prioville

Choreografie und Tanz: Fabien Prioville, Azusa Seyama Prioville

Fabien Prioville absolvierte sein Studium am Centre National de Danse Contemporaine (CNDC) in Angers. Er arbeitete in Édouard Locks Company La La La Human Steps (Canada)

und mit Philippe Blanchard (Stockholm), bevor er 1999 Ensemblemitglied beim Tanztheater Wuppertal Pina Bausch wurde. Seit 2006 arbeitet er freischaffend als Tänzer und Choreograf. Verschiedene Auftragswerke führten ihn nach New York, Japan und Australien. 2010 gründete er die Fabien Prioville Dance Company. Die Japanerin Azusa Seyama Prioville hat Ballett in Japan, den USA, in Mexiko, Kuba und Deutschland studiert. Sie tanzte in verschiedenen Companys und ist Mitglied des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch.

Denkmäler tanzen auf!

Auch beim zweiten Festival TANZ | MODERNE | TANZ nimmt das Ballett Chemnitz das Publikum mit auf einen tänzerischen Streifzug durch die Stadt – diesmal entlang der Denkmäler. Sie widmen sich den kleinen und großen Monumenten, die wir mehr oder weniger bewusst wahrnehmen, deren Schönheit aber unbedingt entdeckt werden sollte. Vom Startpunkt Theaterplatz geht es alle 20 Minuten per Fahrrad zu den einzelnen Stationen in der Innenstadt, am Stadthallenpark, im Park der Opfer des Faschismus, auf dem Schlossberg und am Brühl geführt. Parallel zur Fahrradtour findet eine Führung zu Fuß statt, die um 15.00 Uhr beginnt.

Konzept: Sabrina Sadowska

Choreografie und Tanz: Ballett Chemnitz

Das Ballett Chemnitz entwickelte sich in den 20er Jahren zu einer eigenen Sparte. Namhafte Solotänzer wurden engagiert, wodurch es zur Blüte gelangte und mit wichtigen Erstaufführungen über die Grenzen der Stadt hinaus von sich reden machte. Gastspiele von Mary Wigman und Gret Palucca brachten ebenfalls die Aufmerksamkeit der Szene nach Chemnitz. Nach einer Zäsur im Zweiten Weltkrieg bauten die Wigman-Schülerin Thea Maaß und Jean Weidt das Ballett wieder auf und führten es erneut zu überregionalem Ansehen. Verschiedene Choreografen prägten fortan das Ensemble, allen voran Chefchoreograf Hermann Rudolph, in Nachfolge dann Torsten Händler und Lode Devos. Aktuell widmet sich das internationale Ballettensemble unter Leitung von Reiner Feistel und Sabrina Sadowska in vorwiegend moderner Bewegungssprache den „Klassikern“ des Ballettrepertoires und legt auch durch Uraufführungen Zeugnis der eigenen schöpferischen Energie ab.

Programmänderung:

Happenings (statt Ryzografie)

„Happenings“ ist ein gemeinsames Projekt des Physical Studios und des Musikerduos SzaZa.

Im Zentrum steht die Improvisation. Sie ist ein wichtiger Bestandteil, um sich authentisch im Moment zu begegnen und aufeinander zu reagieren mit den choreografischen Mitteln aus der Release-Technik und Kontaktimprovisation.

Der Umgang mit dem Körper im Bereich des Spontanen und Unvermuteten bildet einen zentralen Aspekt in der Arbeit des Physical Studios.

Projekt: Jacek Owczarek

Tanz: Aleksandra Łaba, Paweł Grala, Ilona Gumowska, Krzysztof Skolimowski, Adrian Bartczak

Musik: SzaZa (Paweł Szamburski, Patryk Zakrocki)

Company: siehe „Moths”

Silver Blue (Deutsche Erstaufführung)

Kunst ist niemals Selbstzweck, Kunst ist immer eine Auseinandersetzung mit unserer Wirklichkeit – so auch im zeitgenössischen Tanz, der immer wieder neu die Frage aufwirft, in welcher Welt wir leben möchten. Obwohl wir das Leben genießen und glücklich sind, befinden wir uns in einer Realität, die von Angst und Hoffnungslosigkeit dominiert wird, was Zeit und Raum begrenzt. „Silver Blue“ ist die zweite Performance der Company Milan Tomášik & Co. Im Zentrum steht die intensive Auseinandersetzung mit Rhythmus als Folge von Körperanspannung und -entspannung in Analogie zu den Bewegungen unserer Lebensrealität. „Silver Blue“ bringt dabei neue, unerwartete Ergebnisse in der physischen Befragung unserer Wirklichkeit ans Tageslicht.

Konzept und Choreografie: Milan Tomášik

Tanz: Alessandro Sollima, Milan Tomášik, Špela Vodeb, Tina Valentan

Musik: Aleš Zorec

Licht- und Bühnengestaltung: Luka Curk

Fotos und Video: Albert Vidal, Vèrtex Comunicació, Hana-Bi

Der Slowake Milan Tomášik lebt und arbeitet in Slowenien. Er studierte Tanz am Conservatorium J. L. Bellu in Banská Bystrica, an der Akademie der Darstellenden Künste in Bratislava und am Ausbildungszentrum P.A.R.T.S. von Anna Teresa de Keersmaeker in Brüssel. Nachdem er bei verschiedenen Festivals und Companys getanzt hat, begann er 2006 seine eigenen Arbeiten zu entwickeln. Milan Tomášik hat bereits mit diversen renommierten Choreografen kooperiert und ist Mitbegründer und aktives Mitglied des Les SlovaKs Dance Collective, einer Brüsseler Company, mit der er durch Europa, Afrika, China, Mittel- und Nordamerika tourte. 2014 gründete er sein eigenes Ensemble Milan Tomášik & Co. Er gibt Workshops für professionelle Companys, an Tanzhochschulen, in offenen Kursen und bei Festivals.

Les Sorciers

Tänzer sind Magier. Sie kreieren Bewegungen, Gesten, Tänze und Sprachen immer wieder neu und bringen Geschichten in die Welt. Für all das nutzen sie ihre Magie, die Magie des Körpers. Aly Karembé hat mit „Les Sorciers“ eine Tanzperformance erschaffen, die aus Geräuschen der Natur Rhythmen entstehen lässt, zu denen sich ein Tanz entwickelt, der auf traditionelle Kulttänze zurückgeht. Die Akteure sind dadurch tief in afrikanischen Traditionen verwurzelt und führen das Publikum zurück in die Natur und zum Ursprung. Sie tanzen um ihr Leben, sie tanzen, um ihre Haut zu retten und ihre Körper der Zeit, dem Rhythmus und den Kräften des Lebens zu unterwerfen. Sie beginnen sich selbst mit einer beschleunigten Leidenschaft zu drehen, der Sprunggelenke der Erde entfesselt …

Tanz: Aly Karembé, Alou Cisse, Bokar Dembéle

Musik: Cheick Diallo

Aly Karembé begann mit traditionellem afrikanischen Tanz. Ab 2003 erhielt er Unterricht in zeitgenössischem Tanz und Choreografie im neu gegründeten choreografischen Zentrum Donko Seko in Bamako. 2003 begegnete er Barbara Sarreau und so den Einflüssen von Maguy Marin und Angelin Prejocaj. 2008 nahm ihn Kettly Noël mit auf Europa- und Afrika-Tournee. 2010 kam der Durchbruch mit „Idoscure“, wofür Aly Karembé den Prix VISAS von Culturefrance / Afrique et Caraibes sowie den Preis Orange Mali der Biennale Danse Bamako Danse erhielt. Ermutigt durch diesen Erfolg gründete er seine eigene Company Karembastudio in Mali.

Je ne suis plus une femme noire

Von der Nacht ins Licht, eine schwarze Frau im Dunkel, eine Frau im Licht. Eine Frau, die nicht nur Frau ist, eine Frau, die kein Mann ist – es ist eine Frage des Seins. Was würde passieren, wenn man eine Abstraktion des Menschen und der ganzen Identität anstellen würde? Was bliebe von der Materie? Leben ist tägliches Sterben. Die ewige Wiederholung ist allen gemeinsam, der tägliche Beweis unserer eigenen Existenz. Kettly Noël hinterfragt in ihrem Stück ihre eigene Biografie und damit das Leben unzähliger schwarzer Frauen in der aktuellen, beklemmenden Realität. Sie erzählt von der Erhabenheit einer jungen Frau, aber auch von Unterdrückung, Flucht und Folter. Der bildende Künstler Joël Andrianomearisoa aus Madagaskar begleitet sie auf der Bühne. Mit Zitaten aus dem afrikanischen Tanz und dem klassischen Ballett gehen beide zwischen Lust und Entsetzen zutiefst existenziellen Fragen ihrer Wirklichkeit nach.

Konzept, Regie und Tanz: Kettly Noël

Bühneninstallation und Tanz: Joël Andrianomearisoa

Lichtgestaltung: Samuel Antoine Dozières

Musik: Hugo Maillet (China Woman Party Girl, Brigitte Bardot & Serge Gainsbourg Harley Davidson, Jimmy Scott, Prince Nothing Compares To You)

Kettly Noël stammt aus Haiti und choreografiert seit 20 Jahren eigene Stücke, für die sie vielfach ausgezeichnet wurde. Sie untersucht die Traditionen des Tanzes in Afrika und erfindet ihn dabei radikal neu. Im Mali, das nach Stationen in Paris und Benin seit 1999 zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden ist, etablierte sie ein Festival, eine Kompanie und ein Produktions- und Ausbildungszentrum (Donko Seko) für zeitgenössischen Tanz. Es befindet sich in Malis Hauptstadt Bamako.

Karten sind unter Tel. 0371 / 4000-430 und www.theater-chemnitz.de erhältlich.

Mehr Infos unter www.theater-chemnitz.de und www.tanz-moderne-tanz.de.

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