»Doktor Faust« von Ferruccio Busoni in der Semperoper Dresden

Premiere am 19. März 2017 um 18 Uhr. ----- 92 Jahre nach der Dresdner Uraufführung kehrt »Doktor Faust« von Ferruccio Busoni an die Semperoper zurück. In der Neuinszenierung wird der Mythos um den Wissenschaftler Faust aufgespürt, der sich vom Mittelalter bis in die Gegenwart spinnt und den um Erkenntnis ringenden Gelehrten in einer Reise durch 500 Jahre immer wieder mit der Frage nach seiner eigenen Identität konfrontiert: im Kampf mit dem Selbst, im Kontext einer Gesellschaftsordnung und in der Auseinandersetzung mit metaphysischen Erfahrungen.
22494

Kommen Sie näher, treten Sie ein – in die wundersame Welt des Doktor Faust! Ein bisschen erinnert sie vielleicht an eine Zaubershow, diese »Dichtung in Musik« von Ferruccio Busoni, ganz elementar aber an das Puppenspiel, auf das der Autor selbst hinweist. Denn an einer Überzeugung ließ der Italo-Deutsche nicht rütteln: »Das Theater ist richtig, wenn es einen Gegensatz zum Leben bietet: Das gibt, was das Leben nicht hat.« Für Busoni hieß das: Magie. Für sein Opus magnum bedeutete es: Faust.

Keinen Geringeren als den Prototypen unstillbarer Wissensgier stellte Busoni in den Mittelpunkt seiner »Oper, die keine Oper ist«: das Genie, das sich mit irdischem Wissen nicht zufrieden geben will, den Urtypus des ewig Suchenden, der sich auf einen Pakt mit Mephistopheles einlässt und am Ende – ja, was – verdammt wird? Erlöst wird? Eine Position jenseits von Gut und Böse gewinnt? Faust diente dem Komponisten zur praktischen Umsetzung seiner neuen Opernästhetik: Selbstständig sollte die Musik sein, wundersam der Inhalt und desillusionierend die Darstellung. Ergebnis war ein so vielschichtiges wie herausforderndes Stück Musiktheater, das bis zu Busonis Tod und der Uraufführung in Dresden 1925 rätselhaftes Fragment blieb – ganz im Sinne der Intention des Dichters: »Die Bühne zeigt vom Leben die Gebärde, / Unechtheit steht auf ihrer Stirn geprägt; / auf dass sie nicht zum Spiegel-Zerrbild werde, / als Zauberspiegel wirk’ sie schön und echt; / gebt zu, dass sie das Wahre nur entwerte, / dem Unglaubhaften wird sie erst gerecht.«

Mit dem Faust-Stoff beschäftigte sich der Komponist Ferruccio Busoni bereits seit 1910. »Eine hervorragende, historische und sprichwörtliche Figur, die mit dem Zauberischen und Unenträtselten zusammenhänge«, wollte er zum Mittelpunkt seiner Opern machen. Es ging ihm um die Figur Faust, mit deren Vielschichtigkeit und Zeitlosigkeit als Prototyp des wissbegierigen Menschen sich der Komponist auseinandersetzen wollte. Ganz bewusst nahm er für seine Arbeit nicht Goethes Meisterwerk »Faust« zur Vorlage, sondern orientiert sich an Puppenspielen seit dem 17. Jahrhundert, die ihm als Inspirationsquelle dienten. Die Vollendung seiner vierten und letzten Opernkomposition erlebte Ferruccio Busoni nicht mehr, zu zwei Szenen des Librettos fand er keine entsprechende Musik und legte das Werk beiseite. Busonis Freund und ehemaliger Schüler Philipp Jarnach ergänzte nach dessen Tod 1924 die fehlenden Kompositionen und »Doktor Faust« konnte im Mai 1925 in Dresden uraufgeführt werden. Der Dirigent und Musikforscher Antony Beaumont war es, der sich 1975 noch einmal Ferruccio Busonis Oper, seine Schriften und Briefe vornahm und über die zwei unvollendeten Szenen nachdachte. Eine tiefgründige Recherche und das Auffinden verloren geglaubter Skizzen ermutigten den Musikforscher Beaumont dazu, eine neue Fassung anzufertigen, die er 1982 veröffentlichte. Diese Fassung nimmt sich auch das künstlerische Team um Regisseur Keith Warner zur Grundlage ihrer Inszenierung des »Doktor Faust« an der Semperoper Dresden.

Dichtung für Musik in zwei Vorspielen, einem Zwischenspiel und drei Hauptbildern Nach Skizzen des Komponisten ergänzt und vollendet von Antony Beaumont (1984) In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung Tomáš Netopil

Inszenierung Keith Warner

Mitarbeit Regie Anja Kühnhold

Bühnenbild Tilo Steffens

Video Manuel Kolip

Kostümbild Julia Müer

Licht John Bishop

Choreografie Karl Alfred Schreiner

Assistenz Choreographie Patrick Teschner

Chor Jörn Hinnerk Andresen

Dramaturgie Juliane Schunke

Doktor Faust Lester Lynch

Wagner Michael Eder

Mephistopheles / Ein Nachtwächter Mark Le Brocq

Herzog von Parma / Megäros Michael König

Herzogin von Parma Manuela Uhl

Zeremonienmeister / Gravis Magnus Piontek

Soldat, des Mädchens Bruder / Naturgelehrter Sebastian Wartig

Ein Leutnant / Beelzebuth Jürgen Müller

Erster Student aus Krakau Eric Stokloßa

Zweiter Student aus Krakau Bernhard Hansky

Dritter Student aus Krakau Allen Boxer

Theologe / Levis Tilmann Rönnebeck

Jurist / Asmodus Stephan Klemm

Erster Student aus Wittenberg Gerald Hupach

Zweiter Student aus Wittenberg Khanyiso Gwenxane

Dritter Student aus Wittenberg Alexandros Stavrakakis

Vierter Student aus Wittenberg / Tenorsolo Aaron Pegram

Fünfter Student aus Wittenberg Benjamin Glaubitz

Erste Frauenstimme Roxana Incontrera

Zweite Frauenstimme Angela Liebold

Dritte Frauenstimme Elisabeth Wilke

Sächsischer Staatsopernchor Dresden

Sächsische Staatskapelle Dresden

Weitere Artikel