„Still out there“ - Junge Akteure und kainkollektiv lesen die „Bremer Stadtmusikanten“ neu - Theater Bremen

Premiere am Donnerstag, 7. April 2017 um 18 Uhr, Treffpunkt Moks. -----Was haben die „Bremer Stadtmusikanten“ heute noch zu erzählen? Die spartenübergreifend arbeitenden KünstlerInnen von kainkollektiv und Junge Akteure nehmen sich das Märchen der Gebrüder Grimm vor und machen es zum Gegenstand einer vielfachen Übermalung.
22626

36 Junge Akteure, eine Tänzerin sowie drei Mitglieder des Syrischen Exilorchesters bilden das Ensemble des theatralen Projektes „Still out there“. Die Kooperation zwischen kainkollektiv und Theater Bremen wird im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Die Premiere findet am 6. April statt, Treffpunkt ist das Moks.

Nach der erfolgreichen Produktion „Out of control“, die kainkollektiv in der letzten Spielzeit gemeinsam mit dem Medienkollektiv sputnic und dem Moks erarbeitet hat, kommen Fabian Lettow und Mirjam Schmuck, die Köpfe von kainkollektiv, zurück an das Theater Bremen, um sich auf Spurensuche der „Bremer Stadtmusikanten“ zu begeben. Diese seien ja letztlich nie wirklich in Bremen angekommen, wie die beiden betonen, sondern befänden sich „Still out there“, im Räuberhaus, vor den Toren der Stadt.

kainkollektiv liest das Märchen als Gründungs-, Flüchtlings- und Besetzungsgeschichte und verankert es in dieser Lesart gleich vierfach: lokal und global sowie historisch und gegenwärtig. „Wir gucken bei unserer Arbeit im ersten Schritt immer nach lokalen Begebenheiten, um diese dann im zweiten Schritt zu untersuchen und deren globale Bezüge aufzuzeigen. Dabei fragen wir uns immer auch, was die Gegenwart auszeichnet, wie die historische Entwicklung war und welche Perspektive sich für die Zukunft ableiten lässt“ erläutert Fabian Lettow das Arbeitsprinzip von kainkollektiv. So wird aus dem klassischen Märchen beim Team um Schmuck und Lettow eine ‚Globe Opera': ein spartenübergreifendes Projekt, bei dem anhand des Märchens gleichermaßen Bremens Kolonial- und Hausbesetzergeschichte sowie seine Verflechtungen in den globalen Handel untersucht werden. Aber auch Bremens Streetart-Szene wird zum Thema gemacht, denn nicht zuletzt waren die Bremer Stadtmusikanten auch Straßenmusiker. Für kainkollektiv sind sie in erster Linie aber auch „Experten darin, wie man sich aus einer widrigen Situation befreit und für sich eine bessere Alternative entwickelt“ und somit im Kern auch sehr politische Figuren.

„Still out there“ gliedert sich in zwei Teile. Zunächst werden die Zuschauer auf einem Rundgang im städtischen Raum auf vier Routen geführt, die den einzelnen Tieren der Stadtmusikanten zugeordnet sind und verschiedenen Motiven folgen, die sich aus dem Märchen oder seinem Kontext ableiten lassen. Durch Hörspiele, die sie über Kopfhörer hören, werden sie zu verschiedenen Stationen geleitet, an denen die Jungen Akteure und die Musiker agieren werden. Beim Räuberhaus Moks laufen die Routen zusammen. Dort treffen die Zuschauer wieder auf das Ensemble, das sich im zweiten, stark choreografisch-musikalisch geprägten Teil des Projektes mit der Frage auseinandersetzt, wie man heutzutage Protest gegen die herrschenden Verhältnisse formulieren und diese verändern kann.

„Still out there“ richtet sich an junges Publikum ab dreizehn Jahren und ist als erster Teil eines zweiteiligen Projektes geplant, dass in der kommenden Spielzeit unter dem Titel „Of coming tales“ seine Fortsetzung finden wird.

Regie: kainkollektiv (Fabian Lettow, Mirjam Schmuck)

Bühne und Kostüme: Alexandra Tivig

Choreografie, Tanz: Ina Sladić

Video: Lukas Zerbst

Musikalische Leitung: Mirjam Schmuck

Dramaturgie: Sabrina Bohl

Produktionsleitung: Shalün Schmidt

Projektkoordination: Nathalie Forstman, Christiane Renziehausen

Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes. ksb_SW

Weitere Termine unter www.theaterbremen.de

Weitere Artikel