"Geächtet" von Ayad Akhtar - Schauspielhaus Graz

PREMIERE am 10. Dezember 2016, 19.30 Uhr, HAUS EINS. -----Der junge Anwalt Amir Kapoor hat es geschafft. Er ist glücklich verheiratet mit einer weißen, amerikanischen Künstlerin, die genauso attraktiv, erfolgreich, wohlhabend, weltoffen, tolerant, intelligent und gebildet ist wie er selbst. Er hat gute Karriereaussichten, ist bestens integriert in ein multiethnisches Mittelklasse-New-York und könnte als Paradebeispiel für eine gelungene Migrationsbiographie gelten.
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Gäbe es da nicht eine Lüge über seine Herkunft, die irgendwann auffliegt und alles ins Wanken bringt: Seinem Arbeitgeber, einer Kanzlei mit drei jüdischen Partnern, hat er verschwiegen, dass sein eigentlicher Nachname nicht Kapoor, sondern Abdullah ist. Den Mädchennamen seiner Mutter hatte er seinerzeit angenommen, um sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen, der seit 9/11 in allen Moslems tendenzielle Verbrecher und Terroristen sieht. Bei einem Abendessen mit Freunden – einem jüdischen Kunsthändler und dessen farbiger Frau – führen Alkohol und eine Kaskade fortgesetzter Demütigungen bei Amir zu einem Gefühl des Geächtet-Seins und entladen sich explosiv: Alles Aufgestaute, Unterdrückte, Verleugnete, das er stets akribisch zu vermeiden und verbergen suchte, bricht sich Bahn …

Ayad Akhtar wurde 1970 in Staten Island, New York, geboren und wuchs im Mittleren Westen auf. Seine Eltern sind aus Pakistan eingewanderte Ärzte. Akhtar studierte Theater an der Brown University sowie Regie an der Columbia University, arbeitete als Schauspieler und Autor, schreibt Drehbücher, Romane und Theaterstücke. „Geächtet“ ist sein erstes Theaterstück, das wie alle anderen bisherigen Werke des Autors die Herausforderungen der Integration von Moslems in das westliche Lebensmodell schildert und sich einer Aufklärung der islamischen Religion verschrieben hat.

Für „Geächtet“ erhielt Akhtar die beiden höchsten Literaturpreise des angelsächsischen Raumes – 2013 den Pulitzer-Preis sowie den Tony-Award. Von den Kritikerinnen und Kritikern der deutschsprachigen Fachzeitschrift Theater heute wurde „Geächtet, das gerade weltweit in unzähligen Theatern gespielt wird, als „ausländisches Stück des Jahres 2016“ ausgezeichnet.

Regisseur Volker Hesse, geboren 1944, ist der Sohn des Opernregisseurs Rudolf Hesse. Er wuchs in Deutschland und der Schweiz auf, studierte in Köln und Wien Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie. Nach Schauspielunterricht bei Will Quadflieg assistierte er Regisseuren wie Leopold Lindtberg und Hans Hollmann. Mitte der 1970er Jahre inszenierte Hesse u. a. am Stadttheater Bern, dem Stadttheater Trier und den Münchner Kammerspielen. 1979 wurde er Mitglied des Leitungsteams des Düsseldorfer Schauspielhauses und inszenierte dort unter anderem Grasers „Witwenverbrennung“ (1980), Lessings „Nathan der Weise“ (1983) und Dorsts „Heinrich oder die Schmerzen der Fantasie“ (1985). Mit Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“ wurde Hesse 1985 ans Berliner Theatertreffen eingeladen. Nach 1985 wirkte er erneut als freier Regisseur, so am Bayerischen Staatsschauspiel und am Berliner Maxim Gorki Theater. 1993 übernahm er gemeinsam mit Stephan Müller die Intendanz des Theaters am Neumarkt in Zürich, das er bis 1999 leitete. Hesses Uraufführungen „In Sekten“ (1995) und „Top Dogs“ (1997) wurden ans Berliner Theatertreffen eingeladen. 2001 wurde er Intendant des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin, das er bis 2006 leitete. Er inszenierte 2000 und 2007 das „Einsiedler Welttheater“, 2008 und 2012 leitete er die Tellspiele in Altdorf. Einen vorläufigen Höhepunkt in dieser Reihe bildet seine Inszenierung zur Eröffnung des Gotthard-Basis-Tunnels im Juni 2016 mit über 500 Mitwirkenden vor Tausenden von Zuschauerinnen und Zuschauern. Zuletzt arbeitete Volker Hesse am Düsseldorfer Schauspielhaus (Bertolt Brechts „Arturo Ui“) und am Konzert Theater Bern (Uraufführung von Philipp Löhles „Wir sind keine Barbaren!“, das als Auftragswerk für das Konzert Theater Bern entstand sowie eine Fassung von Homers „Ilias“ in der Übertragung von Raoul Schrott). 2010 wurde Volker Hesse mit dem Hans Reinhart-Ring ausgezeichnet.

Aus dem Amerikanischen von Barbara Christ

Regie Volker Hesse

Bühne und Kostüme Stephan Mannteuffel

Video rocafilm

Musik Bernhard Neumaier

Dramaturgie Karla Mäder

Mit Pascal Goffin, Benedikt Greiner, Florian Köhler, Mercy Dorcas Otieno, Evamaria Salcher

weitere Vorstellungen am 13. Dezember, am 13., 18., 19. und 25. Jänner,

jeweils 19.30 Uhr, sowie ab Februar

Tickets

T 0316 8000, F 0316 8008-1565, E tickets@ticketzentrum.at

I www.schauspielhaus-graz.com

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