Leonhard-Frank-Preis 2015 – Die Lange Nacht der Modernen Dramatik - Mainfranken Theater Würzburg

19. Juni 2015 | 18.00 Uhr | Kammerspiele | Eintritt frei -----Einmal im Jahr steht mit der „Langen Nacht der Modernen Dramatik“ eine Veranstaltung auf dem Spielplan des Würzburger Dreispartenhaus, die bereits eine große Fangemeinschaft besitzt. Die Beweggründe dafür liegen auf der Hand: Das Publikum erlebt nicht nur erste Kostproben von drei zeitgenössischen Stücken, sondern gehört auch zum Kreis der Auserwählten, die als Erstes erfahren, wer in diesem Jahr mit dem Leonhard-Frank-Preis ausgezeichnet wird.
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Das diesjährige Motto des Förderpreises für Dramatiker, der mit 4000 Euro dotiert ist und bereits zum neunten Mal verliehen wird, lautet ANGSTfrei. Denn Angst ist zu einer Schlüsselemotion unserer Zeit geworden. Vor dem Hintergrund der Frage „Wie stellt sich individuelle oder kollektive Angst dar und welche politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Effekte löst sie aus?“ rief das Mainfranken Theater in einer Ausschreibung Autorinnen und Autoren auf, Bühnentexten alle Arten einzureichen, die mit maximal drei Schauspielern beziehungsweise Schauspielerinnen besetzbar sind und noch nicht uraufgeführt wurden. Aus rund 60 Einsendungen wurden drei Finalstücke von einer Jury, zusammengesetzt aus dem Mainfranken Theater, der Leonhard-Frank-Gesellschaft und der Preisträgerin des letzten Jahres, ausgewählt.

Die Titel der nominierten Stücke, die in den Kammerspielen am 19. Juni 2015 um 18.00 Uhr von den Mitgliedern des Schauspielensembles in szenischen Lesungen vorgetragen werden, lauten: Nach der Party, Terrorkind und Flüchting @ Home. Im zweiten Teil des Abends bekommt das Publikum die Gelegenheit, mit den Anwärter für den Leonhard-Frank-Preis 2015 über ihre Stücke zu diskutieren, bevor dann abschließend die Jury das Gewinnerstück kürt, welches am 25. Mai 2016 in den Kammerspielen uraufgeführt wird. Der Eintritt ist frei.

Die Bühnenwerke und Beteiligten

NACH DER PARTY von Angelika Waldis

Ein Zimmer mit einem langen Tisch, auf dem sich benutztes Geschirr stapelt. Die Party ist vorbei, alle Gäste heimgegangen. Nun beginnt das große Aufräumen für sie und ihn. War mit dem Essen alles in Ordnung, haben sich die Gäste amüsiert? Einige Indiskretionen über die Abwesenden werden ausgetauscht, philosophische Betrachtungen folgen auf banale Alltagstheorien. Im kommunikativen Miteinander sind beide ein eingespieltes Team: brillant analytisch, schlagfertig und pointiert. Können sich die beiden eigentlich noch überraschen? Aber zu später Stunde schleicht sich so manche bewusste und unbewusste Selbstoffenbarung in das lässige Gespräch ein.

Die Autorin

Angelika Waldis wurde 1940 in Luzern in der Zentralschweiz geboren. Nach ihrem Studium der Anglistik und Germanistik an der Universität Zürich wurde sie Lehrerin und arbeitete als Journalistin. 1982 konzipierte sie gemeinsam mit ihrem Mann Otmar Bucher das Jugendmagazin Spick, für das sie mehrfach ausgezeichnet wurden. Seit 2000 lebt sie als freie Autorin in der Nähe von Zürich. Für Tita und Leo wurde sie mit dem Schweizer Jugendbuchpreis prämiert. Auch ihre Romane und Erzählungen – über das Dramatische und Absurde im täglichen Umgang mit sich und den andern – erhielten verschiedene Auszeichnungen. Zuletzt erschienen: Aufräumen (2013). Ihr neuer Roman heißt Marktplatz der Heimlichkeiten und erscheint im Juli 2015 im Europa Verlag. Weitere Infos zur Autorin sind über www.angelikawaldis.ch einsehbar.

TERRORKIND von Karsten Laske

Eigentlich soll es morgens wie am Schnürchen laufen: Aufstehen, waschen, Frühstück, Kind zum Kindergarten bringen. Aber mit Tarek ist das nicht zu machen. Er macht ständig Ärger, ist aufsässig, wie von einem Dämon besessen. Es ist mal wieder so ein verunglückter Vormittag, als die Mutter Zeugin eines Amoklauf an der nahe gelegenen Schule wird. Welchen Eindruck macht dieses Erlebnis auf ihren Sohn? Wird es zum Schlüsselerlebnis für Tareks späteres Leben?

Der Autor

Karsten Laske wurde 1965 in Brandenburg/Havel geboren und wuchs in Sachsen auf. Nach einem Schauspielstudium an der Hochschule „Ernst Busch“ in Berlin erhielt er ein Festengagement am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Anschließend arbeitete er an der Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Potsdam als künstlerischer Mitarbeiter im Fachbereich Regie. Seit 1998 arbeitet er als Autor und Regisseur. 2005 erhielt Karsten Laske den Grimme-Preis für die ARD-Doku-Reihe Damals in der DDR. 2010 wurde er für Mein Bruder, Hitlerjunge Quex mit der Goldenen Lola für das beste Spielfilmdrehbuch ausgezeichnet. Karsten Laske lebt auf der Insel Hiddensee.

FLÜCHTLING @ HOME von Livia Huber

Die gut situierte Mara ist, seitdem sie im Fernsehen mit dem Elend von Flüchtlingen konfrontiert wurde, fassungslos. Angesichts der Not von Hunderttausenden vergeht ihr die Lust am Shoppen. Ihrem Mann Stefan gegenüber deklamiert sie eindringlich ihr Mitgefühl. Doch dieser will ihre laut postulierte Hilfsbereitschaft auf die Probe stellen. Er engagiert seinen Arbeitskollegen Ali, einen stummen Flüchtling zu spielen, um den sich Mara fortan kümmern kann. Aber recht bald fühlen sich weder Mara noch Ali wohl in Stefans Spielanordnung. Wie kann Mara den vermeintlichen Flüchtling wieder loswerden?

Die Autorin

Livia Huber,1988 geboren, wuchs in Einsiedeln im Kanton Schwyz auf. 2006/2007 absolvierte sie dort ein einjähriges Praktikum im Kindergarten und verbrachte anschließend ein halbes Jahr in Irland. Von 2008 bis 2011 studierte sie Literarisches Schreiben an der Schule für Angewandte Linguistik in Zürich. 2012 wurde ihr Stück Mutter Hausfrau Vater Arzt beim Züricher Dramenprozessor für die Uraufführung ausgewählt. Zwei Jahre später gewann sie mit diesem Stück den Publikumspreis der Heidelberger Theatertage. Livia Huber gründete 2013 das Kinderkulturzentrum Zauberwald.

Die Jury

Ulrike Schäfer (Preisträgerin Leonhard-Frank-Preis 2014)

Daniel Osthoff (Leonhard-Frank-Gesellschaft)

Hermann Schneider (Intendant Mainfranken Theater)

Stephan Suschke (Schauspieldirektor Mainfranken Theater)

Roland Marzinowski (Leitender Schauspieldramaturg)

Wiebke Melle (Schauspieldramaturgin)

Tim Stefaniak (Regieassistent und Regisseur des Gewinnerstücks 2015)

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