EIN VOLKSFEIND von Henrik Ibsen, Theater Bonn

Premiere 16.09.11 // 19:30 Uhr // Kammerspiele. -----Endlich ist der Aufschwung da. Seitdem die Stadtväter in den Fortschritt investiert und das visionäre Großprojekt in die Hand genommen haben, die Stadt in ein Kurbad zu verwandeln, strömen die Badegäste, fließt Geld in die klammen Kassen der Kommune.
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Der Haushalt ist fast saniert, die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch dann macht der Kurarzt Tomas Stockmann eine brisante Entdeckung: Seine Analysen des Badewassers haben ergeben, dass dieses durch Industriekloake verseucht und von gesundheitsschädigender Wirkung ist. Stockmann hält es für seine Pflicht, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären. Er setzt sich mit Medienleuten und einflussreichen Lobbyisten in Verbindung, die sofort eine Welle des Protestes entfachen wollen. Für diese Interessengruppen bietet der Skandal eine gute Gelegenheit, die den Stadtrat seit Jahren dominierende Machtclique alter Männer anzugreifen und vielleicht sogar aus dem Amt zu jagen. Revolutionsstimmung macht sich breit.

Doch der Bruder des Badearztes, zugleich Vorsitzender des Stadtrates und Polizeichef, will die Missstände um jeden Preis vertuschen. Mit geschickten taktischen Manövern zieht er die Strippen im Hintergrund und schafft es, die Stimmung zu kippen. Er rückt den Meinungsmachern ins Bewusstsein, dass die notwendigen Baumaßnahmen vor allem auf Kosten der Steuerzahler finanziert werden würden, dass ein Bekanntwerden der Umweltverschmutzung das Image des Kurortes und somit den Haushalt der Stadt auf Jahre ruinieren würde. Seine Politik sei alternativlos. Die öffentliche Meinung beginnt, sich gegen den Badearzt Stockmann zu richten. Der gewissenhafte Aufklärer wird plötzlich als Verleumder und Unruhestifter beschimpft. Und Stockmann steigert sich immer mehr in die Rolle des unverstandenen, einsamen Kämpfers für die Wahrheit hinein. Er wird zum blindwütigen Fanatiker der guten Sache.

Ibsens VOLKSFEIND zeigt, wie im politischen Diskurs Überzeugung und Eigeninteresse aufs Engste miteinander verflochten sind und wie leicht die öffentliche Stimmung durch die Medien zu manipulieren ist. Das Stück setzt sich kritisch mit dem Mehrheitsprinzip der Demokratie auseinander und erzählt davon, dass der Kampf für die Wahrheit genauso pervertieren kann wie eine Politik, die sich nur pragmatisch an Sachzwängen und Machtinteressen orientiert.

Lukas Langhoff, 1964 in Berlin geboren, wurde 1993 Regieassistent an der Berliner Volksbühne, wo er vorwiegend bei Frank Castorf, Johann Kresnik und Christoph Schlingensief assistierte. Von 1995 bis 1998 war er Künstlerischer Leiter des Praters. Seit 1996 führt er Regie, u.a. am Schauspiel Leipzig, Jungen Theater Göttingen, Bremer Theater, schauspielhannover, Maxim Gorki Theater Berlin, Theater Magdeburg, Hans Otto Theater Potsdam, Hebbel am Ufer Berlin und am Ballhaus Naunynstraße Berlin. EIN VOLKSFEIND ist seine erste Arbeit in Bonn.

Inszenierung: Lukas Langhoff

Bühne: Regina Fraas

Kostüme: Ines Burisch

Licht: Helmut Bolik

Dramaturgie: Christopher Hanf

Doktor Tomas Stockmann: Falilou Seck

Frau Stockmann, seine Frau: Jele Brückner

Petra, ihre Tochter, Lehrerin: Marleen Lohse

Peter Stockmann, Bruder des Doktors, Bürgermeister: Stefan Preiss

Hovstad, Redakteur des Volksboten: Konstantin Lindhorst

Billing, Mitarbeiter dieser Zeitung: Nico Link

Buchdrucker Aslaksen: Simon Brusis

Morten Kijl, Frau Stockmanns Pflegevater: N.N.

Termine

Fr. 23.09.11 // 19:30 Uhr // Kammerspiele

So. 25.09.11 // 18:00 Uhr // Kammerspiele

Do. 06.10.11 // 19:30 Uhr // Kammerspiele

So. 09.10.11 // 19:30 Uhr // Kammerspiele

Sa. 15.10.11 // 19:30 Uhr // Kammerspiele

Sa. 22.10.11 // 19:30 Uhr // Kammerspiele

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