»La Douce«, ein Musiktheater von Emmanuel Nunes nach der Erzählung »Die Sanfte« von Fjodor Dostojewski - Staatsoper im Schiller Theater Berlin

Premiere am 19. November 2016, 20 Uhr - Werkstatt. -----Ein Musiktheater für Schauspieler, Sänger, Kammerensemble und Live-Elektronik. - In Dostojewskis Erzählung »Die Sanfte« erzählt ein Pfandleiher in einem an ein unsichtbares Publikum gerichteten Monolog von seiner gescheiterten Ehe und dem Selbstmord seiner Frau, für den er Gründe zu finden versucht.
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Das Mädchen war damals mit 16 Jahren in die Ehe mit dem deutlich älteren Mann geflüchtet, um ihrer von Gewalt und Unterdrückung geprägten Kindheit zu entkommen, doch schon bald begann sie, unter der Strenge und dem anhaltenden Schweigen ihres Ehemanns zu leiden. Emmanuel Nunes lässt in seinem Musiktheater nicht nur den Pfandleiher, sondern auch die »Sanfte« selbst zu Wort kommen.

Die komplexe Stilistik von Emmanuel Nunes – der in seinen Anfangsjahren von Komponisten wie Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez geprägt wurde – zeichnet sich durch expansive Klangfarben, Impulshaftigkeit und einer bemerkenswerten expressiven Intensität aus. Nunes‘ Musik bildet eine dichte atmosphärische Klanglandschaft und lässt in Verbindung mit Dostojewskis Text eindrückliche musikalische Momentaufnahmen entstehen.

Das Libretto, nach der Erzählung »Die Sanfte« von Fjodor Dostojewski, stammt ebenfalls von dem 2012 verstorbenen portugiesischen Komponisten, der seit den 1970er Jahren zu den bemerkenswerten Vertretern zeitgenössischer Musik gehört.

Die Regie liegt in den Händen von Anna Bergmann, die 2011 von der Süddeutschen Zeitung als »das explodierende Fräuleinwunder des deutschen Theaterbetriebs« beschrieben wurde und mit »La Douce« ihr Debüt an der Berliner Staatsoper gibt. Vergangene Regiearbeiten führten sie u. a. bereits an das Maxim-Gorki-Theater, das Burgtheater Wien, das Münchner Volkstheater oder das Schauspielhaus Bochum. Neben zahlreichen Uraufführungen inszenierte sie u. a. am Malmö Stadsteater die schwedische Erstaufführung von Elfriede Jelineks »Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften«. Ab 2009 folgten die ersten Operninszenierungen mit »Madama Butterfly« am Oldenburgischen Staatstheater, »Der Freischütz« am Stadttheater Klagenfurt (2012) sowie »La Bohème« am Badischen Staatstheater Karlsruhe (2015). Für ihre Inszenierung von »Fräulein Julie« am Theater in der Josefstadt ist sie als beste Regisseurin für den Nestroy Preis 2016 nominiert, der am 7. November 2016 vergeben wird.

Ebenfalls erstmals in der Werkstatt der Staatsoper zu erleben ist der Dirigent Titus Engel, der so renommierte Klangkörper wie u. a. das Orchestre de l'Opéra de Paris, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Konzerthausorchester Berlin, Mozarteumorchester Salzburg, WDR Sinfonieorchester, RSO Stuttgart, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Orquesta Sinfónica de Castilla y León, Berner Symphonieorchester, Mahler Chamber Orchestra, Danish National Chamber Orchestra sowie die Kammerorchester in Stuttgart, Zürich, München und Basel dirigiert. Regelmäßig leitet er führende Ensembles für zeitgenössische Musik, darunter das Ensemble Modern, das Ensemble Musikfabrik, das Ensemble Recherche, das Collegium Novum Zürich, das Remix Ensemble und das Klangforum Wien. Von 2000 bis 2012 war er musikalischer Leiter von courage – Dresdner Ensemble für zeitgenössische Musik.

In der Inszenierung von Anna Bergmann werden beide Protagonisten gedoppelt und sowohl durch ein Schauspieler- als auch Sängerpaar verkörpert. Die Zuschauer begeben sich in einem begehbaren Bühnenraum von Katharina Faltner als Zeugen und Betrachter dieser »Szenen einer Ehe« auf Spurensuche, um die Gründe für das Scheitern der Beziehung und den tragischen Freitod des Mädchens zu verstehen. Durch die fragmentarische Erzählstruktur wird es dabei jedem Einzelnen ermöglicht, die Puzzleteile der Geschichte selbst zusammen zu setzen.

Bea Brocks und Sebastian Kuschmann übernehmen als Schauspieler die Rollen der Sanften und des Pfandleihers. Zum Ensemble zählen außerdem Dénise Beck (Sopran) und Zvi Emanuel-Marial (Countertenor) sowie der Schauspieler Uli Kirsch. Es spielen Mitglieder der Staatskapelle Berlin.

Die komplexe Stilistik von Emmanuel Nunes – der in seinen Anfangsjahren von Komponisten wie Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez geprägt wurde – zeichnet sich durch expansive Klangfarben, Impulshaftigkeit und einer bemerkenswerten expressiven Intensität aus. Nunes‘ Musik bildet eine dichte atmosphärische Klanglandschaft und lässt in Verbindung mit Dostojewskis Text eindrückliche musikalische Momentaufnahmen entstehen.

In deutscher Sprache

Weitere Vorstellungen am 20., 23., 24., 26., 27. und 29. November 2016

Eine Werkeinführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn statt.

Tickets sowie weitere Informationen unter Telefon 030 20 35 45 55 und www.staatsoper-berlin.de

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