Offener Brief des Generalintendanten des Theaters Plauen-Zwickau

In einem offenen Brief zur aktuellen Theaterdebatte im Osten Deutschlands und in Plauen-Zwickau im Speziellen wandte sich am 21.4.2015 der Generalintendant des Theaters Plauen-Zwickau Roland May an die Bundesstaatsministerin für Kultur Monika Grütters, an die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, an die beiden Landräte der Kreise Zwickauer Land und des Vogtlandkreises, an die Stadtoberhäupter von Zwickau und Plauen sowie an die Stadträte der beiden Städte, die Kreisräte der Kreise und die regionalen Abgeordneten des Sächsischen Landtages und des Bundestags.
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May äußert sich besorgt über den zunehmenden Abbau von Mehrspartentheatern in Ostdeutschland, u. a. in Rostock und in Dessau, der mit Begriffen wie Strukturveränderung und funktionelle Sparten vernebelt werde und, obschon erst unlängst durch die Aufnahme als immaterielles Kulturerbe in die UNESCO-Liste geschützt, Theater dem Marktgeschehen im Zuge des Neoliberalismus preisgebe.

Das Theater Plauen-Zwickau stehe nun ebenfalls durch die Reduzierung des Etats ab 2018 vor eklatanten Einschnitten, die einen massiven Personalabbau bis zu Spartenschließungen zur Folge haben werden.

Für die breite Diskussion über das Ende Mai vom Geschäftsführer vorzulegende Konzept der künftigen Aufstellung der Theatergesellschaft stellt Roland May verschiedene Überlegungen an. Er hinterfragt die Ungleichbehandlung der städtischen Angestellten und der Theatermitarbeiter, die über einen Haustarifvertrag weniger Gehalt bekommen. „Warum müssen hier die Theatermitarbeiter seit Jahren auf die gleiche Anerkennung ihrer Arbeit verzichten wie die städtischen Angestellten?“

An die Stadt Zwickau richtet er die Frage, ob diese nicht ihre Zuschüsse über den bereits erhöhten Verteilungsschlüssel hinaus weiter anheben könne. „Ist es nicht denkbar, dass in offensichtlichen finanziellen Notlagen des einen Gesellschafters der andere Gesellschafter in umfassenderer Solidarität und zeitlicher Begrenzung für momentan nicht zu leistende Zuschüsse einsteht?“

Von den beiden Landkreisen fordert der Generalintendant eine finanzielle Beteiligung an der Theatergesellschaft und auch die Bespielung des Theaters in Bad Elster durch die Landesbühnen Sachsen verlangt er zu beenden. „Das Land Sachsen als Gesellschafter sollte dafür Sorge tragen, dass die Landesbühnen nur in Kulturräumen ohne kommunal geförderte Theater auftreten. Auch sollte die unsinnige Doppelfinanzierung der Kultur im Vogtland endlich beendet werden.“ Einen Orchesterabbau im Vogtland befürwortet er jedoch nicht, weil er „bei einer Besetzung von gegenwärtig ca. 100 Musikerstellen (die Vogtlandphilharmonie ist hier mit 50 % betrachtet) in einem Kulturraum für ca. 500 000 Einwohner im Vergleich zu anderen Kulturräumen nicht einleuchten will.“

Das sächsische Kulturraumgesetz schlägt er vor, durch Einführung einer Exzellenzförderung für Mehrspartentheater zu verfeinern. „Mindeststandards bei festem Personal zur Realisierung von großen romantischen Opern im Musiktheater und dem klassischen deutschen Repertoire im Schauspiel sollten so erhalten bleiben, um den repräsentativen Charakter und die überregionale Ausstrahlungskraft der Einrichtungen zu bewahren.“

Auch den Bund fordert er auf, sich durch die Förderung von Projekten, die sich mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen beschäftigen, an der Finanzierung von Mehrspartentheatern zu beteiligen und damit deren Bildungsauftrag zu unterstützen.

Zum Schluss fordert er alle Adressaten auf: „Lassen Sie uns in einen großen Dialog treten, in dem vielleicht noch weitreichendere und interessantere Vorschläge das Licht der Welt erblicken, auch wenn sie aktuellen Zuständigkeiten widersprechen sollten.“

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