Kammeroper »Julie« von Philippe Boesmans im Theater Magdeburg

Premiere Freitag, 4. 11. 2016, 19.30 Uhr im Studio des Schauspielhauses. -----Julie, Tochter aus wohlhabendem Hause und frisch entlobt, testet in der Mittsommernacht die gesellschaftlichen und sexuellen Grenzen aus: Sie tanzt mit dem Gesinde und verführt den Diener Jean, mit dem sich die Köchin Kristin verlobt glaubt.
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Julies Ausbruchversuch entfacht einen Machtkampf der Geschlechter und endet im Selbstmord – Jean selbst reicht Julie sein Rasiermesser.

Die erfolgreiche Reihe der Kammeropern im Schauspielhaus wird mit dem psychologisch packenden Werk »Julie« des renommierten belgischen Komponisten Philippe Boesmans fortgesetzt. Er schuf einen Einakter in deutscher Originalsprache nach der Vorlage von Strindbergs naturalistischem Schauspiel »Fräulein Julie« über gesellschaftliche und psychologische Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse. Strindbergs provokatives Stück setzt auf die ungeschminkte Darstellung von gesellschaftlichen Bedingungen sowie des ureigen Menschlichen in seiner Unverständlichkeit, Unberechenbarkeit und Unheimlichkeit.

Die – heute etwas überholten – gesellschaftlichen Umstände der Vorlage rücken bei Boesmans und Bondy – einem kongenialen Duo, das an der Brüsseler Oper »La Monnaie« mehrfach zusammenarbeitete – eher in den Hintergrund. Luc Bondy, selbst Theaterregisseur, konzentrierte den Originaltext stattdessen ganz auf die zunehmende Verstrickung der drei Hauptfiguren in einen Geschlechterkampf um Liebe, Hass, Eifersucht und Begehren. Boesman schrieb eine differenzierte, abwechslungsreiche und farbige Komposition, dank derer die Kammeroper einen intensiveren Zugang zu dem zugrundeliegenden Drama ermöglicht.

»Julie« verlangt von dem jungen Ensemble nicht nur sängerische, sondern auch schauspielerische Höchstleistung. In der kanadischen Erstaufführung 2015 feierte die Magdeburger Mezzosopranistin Lucia Cervoni in Toronto große Erfolge und wird nun auch in der Magdeburger Neuinszenierung in der Titelrolle zu hören sein.

Am Theater Magdeburg wird den Regieassistenten in allen Sparten die Möglichkeit gegeben, praktische Regieerfahrungen zu sammeln und eigene Produktionen zu präsentieren. Nach der Kinderoper zum Mitmachen »Nabucco« und der Mono-Oper »Das Tagebuch der Anne Frank« präsentiert Sebastian Gruner nun seine Sicht auf den Geschlechterkampf in der Kammeroper »Julie«.

Kammeroper in einem Akt von Philippe Boesmans

Libretto von Luc Bondy und Marie-Louise Bischofberger nach August Strindberg

Musikalische Leitung Jovan Mitic

Regie Sebastian Gruner

Bühne Tal Shacham

Kostüme Susann Stobernack

Dramaturgie Ulrike Schröder

Julie Lucia Cervoni

Kristin Julie Martin du Theil

Jean Thomas Florio

Magdeburgische Philharmonie

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