Theaterbiennale 2008

Vom 12 . bis zum 22. Juni veranstaltet das Hessische Staatstheater Wiesbaden zum dritten Mal die Theaterbiennale NEUE STÜCKE AUS EUROPA. Elf Tage lang werden die neuesten Theaterproduktionen aus ganz Europa zu Gast sein. Doch nicht nur Wiesbaden wird in diesem Jahr zum Schauplatz des weltweit größten Festivals zeitgenössischer Dramatik: Auch das Staatstheater in Mainz beteiligt sich an der Theaterbiennale und wird etwa ein Drittel der insgesamt 29 Produktionen auf seinen Bühnen präsentieren.

Die Theaterbiennale NEUE STÜCKE AUS EUROPA wurde im Europajahr 1992 in Bonn von Manfred Beilharz und dem Dramatiker Tankred Dorst gegründet und fand bereits in den Jahren 2004 und 2006 mit großem Erfolg am Staatstheater Wiesbaden statt. 2008 werden 29 Stücke aus 24 Ländern Europas gezeigt, darunter Theaterstücke von international erfolgreichen Autoren wie Tim Crouch (Großbritannien) und Roberto Saviano (Italien) sowie Inszenierungen von renommierten Regisseuren wie Jenny Andreasson (Schweden), Jan Klata (Polen) und Andreas Kriegenburg (Deutschland). NEUE STÜCKE AUS EUROPA ist aber vor allem ein Sprungbrett für Dramatiker, Regisseure und Ensembles aus Europa, die es noch zu entdecken gilt – so zum Beispiel die Autorin Tena Štivičić (Kroatien) und ihr Stück Funkenflug, sowie weitere Autoren aus Island, Irland, Tschechien, Griechenland, den Niederlanden, Serbien, Luxemburg, der Türkei und Russland.

Alle Inszenierungen werden in der Originalsprache gezeigt und simultan ins Deutsche übersetzt. Die Mehrzahl der Produktionen ist zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Deutsche Produktionen werden simultan ins Englische übersetzt.

Die ästhetische Bandbreite der eingeladenen Produktionen reicht von L’effet de Serge von Philippe Quesne (Frankreich – im August in Avignon zu sehen) einem Stück über einen Mann, der seine Zeit mit der Kreation von Kunststücken verbringt, bis zu Boris Godunow von Àlex Ollé und David Plana der Gruppe Fura dels Baus (Spanien), das sich auf sehr lebendige Weise mit dem Attentat auf das Moskauer Dubrowka-Theater im Jahr 2002 befasst. Ein Augenzwinkern darf auch bei der Theaterbiennale nicht fehlen: So dreht sich die Politsatire Heiße estnische Jungs von Tiit Ojaaso (Estland) um eine Gruppe junger Männer, die den demographischen Schwund der Esten mit dem selbstlosen Einsatz ihrer Lenden verhindern wollen und in Singet und seid froh von Ruud Gielens (Belgien) werden auf charmante und musikalische Art Themen verhandelt, die weit über die Frage der wallonischen und flämischen Kulturzugehörigkeit hinausweisen. Erstmals ist die Ukraine auf der Theaterbiennale vertreten, sie zeigt Soldatchen von Wladimir Sherebzow, ein emotionales wie humorvolles Stück über Soldaten und Offiziere in einer Militärkaserne.

Das Festival bespielt nicht nur alle Bühnen des Staatstheaters Wiesbaden (Großes Haus, Kleines Haus, Studio und Wartburg), sondern erobert auch Räume wie den Malersaal und das Museum Wiesbaden. Im Staatstheater Mainz werden das Kleine Haus und das TiC bespielt. Für Das Frankenstein-Projekt, inszeniert vom international gefeierten Filmregisseur Kornél Mundruczó aus Ungarn, wird vor dem Kleinen Haus des Staatstheater Mainz eine Containersiedlung aufgestellt.

Im Festivalzelt im Park auf der Rückseite des Staatstheaters in Wiesbaden finden außerdem Lesungen, Symposien und Publikumsgespräche mit den anwesenden Dramatikerinnen und Dramatikern und zahlreichen nationalen und internationalen Gästen statt.

NEUE STÜCKE AUS EUROPA ist neben den Gastspielen auch ein Arbeits- und Werkstattfestival: Das FORUM JUNGER EUROPÄISCHER AUTOREN ist inzwischen zu einer festen Institution der Theaterbiennale geworden, das durch ein von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen unterstütztes FORUM JUNGER THEATERKRITIKER und ein deutsch-niederländisches Dramaturgieseminar ergänzt wird.

Die Theaterbiennale hat im Jahr 2008 einen Etat von 1,2 Millionen Euro, wozu das Land Hessen einen Beitrag in Höhe von 500.000 Euro leistet. Das Staatstheater Mainz trägt 200.000 Euro des Festivaletats, wovon 150.000 Euro dieser Summe dem Theateretat vom Land Rheinland-Pfalz zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Die Stadt Wiesbaden und die Kulturstiftung des Bundes tragen jeweils 150.000 Euro des Budgets. Das Land Hessen bezuschusste die Vorbereitungen im Jahr 2007, die Festivalrecherche und anfallende Personalkosten mit 120.000 Euro. Der Restbetrag wird durch eigene Einnahmen, internationale Kulturinstitutionen und private Sponsoren gedeckt. Medienpartner der Theaterbiennale 2008 sind der zdf theaterkanal, hr2 Kultur sowie der Wiesbadener Kurier.

Als Ersatz für das Stück "Lettische Liebe" von Alvis Hermanis, das wegen der

gesundheitlichen Gefährdung der Hauptdarstellerin ausfallen muss, wird das

schwedische Gastspiel "Mariella" von Mirja Unge vom Theater in Göteborg, ein

aufregendes Stück um Wege und Abwege schwedischer Mädchen, am 14. und 15.

Juni jeweils um 19.00 Uhr im Kleinen Haus im Staatstheater Wiesbaden

gezeigt.

Das Rahmenprogramm der Theaterbiennale 2008: Es wird diskutiert, gelesen,

gefeiert und getanzt

Das facettenreiche Rahmenprogramm umfasst Podiumsgespräche, Vorträge,

Lesungen, Konzerte und Partys, die im Festivalzelt am Warmen Damm und an

anderen Veranstaltungsorten an den Staatstheatern Wiesbaden und Mainz

stattfinden werden.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen des Rahmenprogramms ist frei!

Das Festivalzelt in Wiesbaden lädt zum gemeinsamen Feiern ein: Verschiedene Bands und DJs laden zum Tanzen, Chillen und stimmungsvollen Ausklingen des Tages ein, darunter ein Konzert der jugoslawischen Gruppe "Trovači", mit einer wilden Mischung aus Rock, Pop und Balkan-Ska, Partys mit bekannten DJs aus dem In- und Ausland und weiteren Konzerten u.a. mit Fatima Spar & Freedom Fries, einer postosmanischen Combo.

Im Deck 1 des Staastheaters Mainz wird am 13., 15., 16. und 18. Juni mit

RADIO UNFERTIG nach jeder Premiere die legendäre Partyreihe fortgesetzt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das FORUM JUNGER AUTOREN EUROPAS, das in der Vergangenheit mehrfach international bekannten Dramatikern als

Sprungbrett diente. In einer deutsch- und einer englischsprachigen Werkstatt

unter der Leitung der renommierten Dramatiker Theresia Walser und Mark

Ravenhill arbeiten 23 junge Autoren aus Deutschland, Spanien, der Schweiz,

England, Lettland, Litauen, Polen, Ungarn, der Türkei, Frankreich, Italien,

Mazedonien, Österreich, den Niederlanden und der Slowakei an dramatischen

Texten. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden auf einer szenischen Tour durch

Wiesbaden unter dem Motto "Europa in der Stadt" am 20. Juni präsentiert.

Treffpunkt ist um 21.30 Uhr in den Kolonnaden vor dem Kleinen Haus des

Staatstheaters Wiesbadens. Das Forum wird durch die

Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen unterstützt.

Die Entdeckung und Förderung junger Autoren in der Konfrontation mit jungen

Regisseuren steht im Vordergrund des Autorenprojekts "Text trifft Regie" am

15. Juni im Foyer des Kleinen Hauses des Staatstheaters Mainz.

Podiumsgespräche mit den Themen "Polnische Dramatik und deutsche Geschichte"

(Fr 13. Juni um 17.00 Uhr), "Der Traum vom Zaun oder Die Hölle, das sind die

Anderen" (Sa 14.6., 16.00 Uhr) über Ausgrenzung und Abgrenzung in

Vorstadtghettos, Lifestyle-Communities und ethnischen Enklaven, "Das

Wiedererstarken des Nationalen" über Europa im Spannungsfeld von

Globalisierung und Re-Nationalisierung (Mi 18. Juni, 17.00 Uhr) und

"Innovative Formen des szenischen Schreibens" (19. Juni, 17.00 Uhr), finden

alle im Festivalzelt in Wiesbaden statt. Am Sonntag, 15. Juni und 22. Juni

jeweils um 11.00 Uhr steht eine Vortragsreihe zum Thema "Nachdenken über

Europa" auf den Programm.

Am Donnerstag, 19. Juni, um 22.00 Uhr findet im Foyer des Staatstheaters

Wiesbaden eine Veranstaltung des ZDFtheaterkanals statt, die unter dem Motto "Angst! Hoffnung! Theater." live im theaterkanal übertragen wird. Manfred Beilharz, Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, der Präsident der

Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, der spanische Autor

Daniel Plana (La Fura dels Baus) und die türkische Autorin und Regisseurin

Sahika Tekand debatieren über Chancen und Möglichkeiten politischen

Theaters. Durch den Abend führt die 3sat Kulturzeit-Moderatorin Tina

Mendelsohn.

Am letzten Tag der Theaterbiennale, Sonntag, 22. Juni, finden sich ab 12.30

Uhr die künstlerische Leitung, Medienvertreter, Paten und Gäste zu einem

abschließenden Pressegespräch zusammen, in dessen Rahmen auch der vom

WIESBADENER KURIER gestiftete Übersetzerpreis für die beste Übersetzung

innerhalb des Festivals verliehen wird. Ab 21.30 Uhr wird die

Theaterbiennale mit einer großen Party im Festivalzelt abgeschlossen: DJ

Michael Abt-Okudzeto, der Manager des legendären Balkan-Regisseurs Emir

Kusturica und seiner berühmtem "No Smoking Orchestra", wird elektronische

Balkansounds und irrwitzige Blasmusik auflegen.

NEUE STÜCKE AUS EUROPA wird für die jeweiligen Städte am Donnerstag, 12.

Juni um 18.00 Uhr in Wiesbaden und am Freitag, 13. Juni um 19.00 Uhr in

Mainz feierlich eröffnet.

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Mobil unterwegs zur Theaterbiennale in Wiesbaden und Mainz | 12. – 22. Juni 2008

Biennale – mit Kulturticket und Busshuttle zu den Spielstätten in Wiesbaden und Mainz

29 Produktionen aus 24 Ländern in 23 Sprachen, das alles in 11 Tagen und in 10 verschiedenen Spielstätten – ist nicht zu schaffen? Ist es doch! Mit dem Kulturticket und dem kostenlosen Shuttleservice der Theaterbiennale NEUE STÜCKE AUS EUROPA sind Theaterbesucher während des Festivals mobiler denn je und können bequem zwischen den Vorstellungen und Veranstaltungen des Rahmenprogramms zwischen den Staatstheatern Wiesbaden und Mainz pendeln.

Alle Eintrittskarten sind mit dem Logo des Kulturtickets versehen, diese Theaterkarten berechtigen am Veranstaltungstag zur Nutzung der RMW-Verkehrsmittel im gesamten RMV-Verbundgebiet. Hinfahrt: frühestens 5 Stunden vor Veranstaltungsbeginn, Rückfahrt: bis Betriebsschluss.

Zusammen mit dem ESWE Verkehr bietet die Theaterbiennale jeweils zur ersten und nach der letzten Vorstellung einen Busshuttle zwischen Wiesbaden und Mainz und vice versa an. Kostenlose Zählkarten hierfür sind an den Theaterkassen sowie beim Rhein-Mainischen Besucherring (in der Theaterkolonnade, Wiesbaden) erhältlich.

Die Abfahrtshaltestellen sind:

Wiesbaden: Paulinenstraße/ Am Warmen Damm, gegenüber Theaterparkhaus

Mainz: Quintinsstraße/ Ecke Schusterstraße, Quintinskirche

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