Die Übergangsgesellschaft von Volker Braun im Maxim Gorki Theater Berlin

Premiere 14.12.2013, 19.30 Uhr. ----- 25 Jahre nach der Berliner Erstaufführung beschäftigt sich Regisseur Lukas Langhoff aus heutiger Perspektive mit Volker Brauns Komödie, in der eine illustre Gesellschaft des Übergangs die Messer wetzt: alle reden sich um Kopf und Kragen und am Ende steht ein Haus in Flammen. Erst als jegliche Gewissheit in Schutt und Asche liegt, könnte etwas Neues beginnen.
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Jede Form von Veränderung ist der Treibstoff des Lebens! Ob erwartet, ob befürchtet, wenig auf dieser Welt scheint mehr Potenzial an Verzweiflung, Glück, Drama und Komik zu bieten als die Veränderung. So auch in Volker Brauns Komödie, in der drei Schwestern, ihr betriebsleitender Bruder, ein greiser Onkel, ein satter Literat, eine desillusionierte Schauspielerin und ein stotternder Philosoph als traumlose Übergangsgesellschaft aufeinander treffen. Irina, die jüngste der Schwestern, hat Geburtstag. Doch eine ausgelassene Stimmung will in der Familienvilla nicht aufkommen, denn die Einen sind noch verzweifelt und die Anderen schon am Ende.

So kommt es zu einer äußerst bunten Familienaufstellung, bei der das Chaos den Taktstock schwingt, und ein „Fest verdrängter Neigungen und Triebe“ nimmt seinen Lauf. Schauspielerin Mette zwingt alle zu träumen, Bruder Walter ruft den Kriegszustand aus, Onkel Wilhelm kocht das anarchistische Blut, Lehrerin Olga lässt die Hüllen fallen und Telefonistin Irina steckt das Haus in Brand. Für eine Nacht ist alles möglich und die Frage, wie es eigentlich weitergehen soll und warum, scheint keine mehr.

Am nächsten Morgen liegt ein prachtvoll deutsches Vaterhaus in Schutt und Asche und seine Bewohner stehen auf der Straße. Jetzt könnte etwas Neues beginnen.

1982 geschrieben und 1988 am Maxim Gorki Theater erstmals in der DDR aufgeführt, gilt die Übergangsgesellschaft als Prototyp des „Wendestücks“. Doch zeigt sich diese sogenannte „realsozialistische Passion“ als weitaus haltbarer als das Land, aus dem sie stammt. Diese Komödie vermag auch in Zeiten neuer Festgefahrenheit zu beschreiben, wo und wie Gesellschaft in den Einzelnen einbricht, ihn aufbaut, beschädigt, lähmt oder bewegt. Grund genug, sich ganz gegenwärtig mit Brauns Komödie des Übergangs auseinanderzusetzen.

In einer Spielfassung von Lukas Langhoff und Holger Kuhla

Regie + Bühne Lukas Langhoff

Mitarbeit Bühne Justus Saretz

Kostüme Ines Burisch

Musik Volkan T.

Dramaturgie Holger Kuhla

Mit: Tamer Arslan, Mareike Beykirch, Elizabeth Blonzen, Sebastian Brandes, Simon Brusis, Marleen Lohse, Taner Şahintürk, Faliolou Seck, Volkan T., Sesede Terziyan, Till Wonka

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