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Uraufführung: "Traumnovelle" von John von Düffel nach der gleichnamigen Novelle von Arthur Schnitzler im Landestheater Linz

Premiere 2. Februar 2013, 19.30 Uhr in den Kammerspielen. -----

Die Traumnovelle wurde zuerst 1925 als Fortsetzungsroman in einer Berliner Modezeitschrift veröffentlicht. Arthur Schnitzler, der große Diagnostiker, lebte im Wien des Fin de siècle. Schon 1907 hatte er in einer Tagebuchnotiz eine erste Skizze zur Erzählung vermerkt:

„N(ach)m(ittags) zu O(lga) über mein Sujet: Der junge Mensch, der von seiner schlafenden Geliebten fort in die Nacht hinaus zufällig in die tollsten Abenteuer verwickelt wird – sie schlafend daheim findet wie er zurückkehrt; sie wacht auf – erzählt einen ungeheuren Traum, wodurch der junge Mensch sich wieder schuldlos fühlt.“

 

In der Bearbeitung von John von Düffel für das Landestheater Linz erwacht die Traumnovelle gewissermaßen aus dem Schlaf der Vernunft. Keine Dichtung einer versunkenen Welt, ein nächtlicher Spaziergang des „ausgebrannten“ Arztes Albert durch erotische (Alb-)Träume.

 

„Wer bist du?“

„Willst du es wirklich wissen?“

Ein Ehepaar, Albert und Tine heißen die beiden in der Bühnenfassung von John von Düffel, kehrt nach einer, auf einem Maskenball verlebten, Nacht nach Hause zurück. Eine Frau war ausgerutscht, Albert hatte sie aufgefangen. Die Idee der Möglichkeit, dass alles ganz anders sein könnte, ist der Stein, der das Rutschen von Albert und Tine in ein „Zwischenland zwischen Bewusstem und Unbewusstem“ ins Rollen bringt. Trunken entspinnt sich ein provokantes Gespräch zwischen den beiden. Tine kurvt an den

Rändern der Beziehung und stellt Albert vor Geschichten aus der Vergangenheit. Im letzten Sommerurlaub war sie einem Dänen begegnet. Plötzlich war dieser Mann eine leuchtende Möglichkeit von einem anderen Leben gewesen.

 

Dieses Gespräch, als Ringen um den andren, als Ringen um sich, entfaltet sich in den Geschehnissen der darauf folgenden 36 Stunden. Albert, der Arzt, wird zu einem Notfall gerufen. Der Hofrat ist gestorben; seine Tochter Marianne gesteht Albert ihre ungestillte Liebe. Später trifft er in einer Bar auf eine „Baby-Nutte“ und trifft dort seinen Studienfreund Nachtigall, der nun als Pianist auch bei Privatgesellschaften spielt. Albert besorgt sich ein Kostüm, folgt dem Wagen Nachtigalls und verschafft sich mittels einer Parole (Dänemark!) Zutritt zum verbotenen Maskenball. Voller Begehren für die schönen Frauen, die dort tanzen, wird er enttarnt, eine Frau opfert sich für ihn und er wird des Hauses verwiesen. Wieder zu Hause erzählt Tine ihren brutal erotischen Traum.

 

Auch am nächsten Tag lässt Albert der Gedanke an die Maskenfrau nicht los, die ihn in der Nacht zuvor „gerettet“ hat. Er sucht sie und findet eine Tote, findet am Ende ins Ehebett zurück und erzählt Tine von den Ereignissen der letzten Stunden. Soweit die nächtlichen Geschehnisse der Traumnovelle. Über alle dem liegt ein freudianischer Nebel, zwischen all dem liegt Schnitzlers „Mittelbewusstsein“, mitten darin liegt der Versuch von Liebe.

 

„Kein Traum ist völlig Traum“, sagt Albert am Ende. „Wir sind viele“, könnt er ebenso gut sagen. Reichhaltig, rauschhaft, eine Reise durch die Geografie des Unbewussten, eine Reise durch die Geographie des Unbewussten. „Ich weiß, dass die Wirklichkeit einer Nacht“ sagt Tine, „nie ganz ihrer innersten Wahrheit entspricht.“

 

Inszenierung Bernarda Horres

Bühne Anja Jungheinrich

Kostüme Alexandra Pitz

Dramaturgie Franz Huber

 

Albert, Arzt, Mitte Vierzig Lutz Zeidler

Tine, seine Frau, Ende Dreißig Katharina Hofmann

Luzie, ihre Tochter Barbara Novotny

Marianne, des toten Hofrats Tochter Bettina Buchholz

Dr. Roediger, Verlobter von Marianne Aurel von Arx

Barmannfrau, älterer Transvestit Aurel von Arx

Mizzi, die Babynutte Barbara Novotny

Nachtigall Sebastian Hufschmidt

Maskenfrau Katharina Hofmann

Maskenmädchen Barbara Novotny

Gibisier, Maskenverleiher Sebastian Hufschmidt

Peperine, seine Tochter Barbara Novotny

Schwester Marianne Bettina Buchholz

Dr. Adler Sebastian Hufschmidt

Pianist Christoph Althoff

Maske / Erster Herr / Zweite Maske / Zweiter Herr Ensemble

 

Weitere Termine 5., 8., 13. und 26. Februar 2013

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