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DAS MÄDCHEN AUS DER STREICHHOLZFABRIK nach dem Film von Aki Kaurismäki im Schauspielhaus Bochum

Premiere am 2. Juni 2013, 19:00, Kammerspiele. -----

Es wird nicht viel gesprochen in diesem Film: Nur wenige Worte genügen dem finnischen Regisseur Aki Kaurismäki, um die traurige Geschichte von Iris, dem Mädchen aus der Streichholzfabrik, zu erzählen. Es ist eine stille Welt, in der Iris lebt.

Menschliche Stimmen hören wir nur abends aus dem Fernsehen, wenn sie mit ihrer Mutter und dem Stiefvater die Nachrichten schaut. Tagsüber arbeitet sie in der Streichholzfabrik. Auch hier scheinen die Maschinen das Regiment zu führen: unscheinbar und nebensächlich tauchen die Menschen zwischen ihnen auf. Das Schönste, das Iris in ihrer Welt findet, ist ein Kleid mit roten Blumen, das sie sich kauft. Für eine Nacht erobert sie damit den wohlhabenden Aarne, doch als auch er sie wegstößt, entfernt Iris alle Menschen aus ihrer Welt. David Bösch inszeniert dieses traurige und berührende Märchen mit Maja Beckmann als Iris.

 

Wenn David Bösch den vielleicht schweigsamsten Film von Aki Kaurismaki auf die Bühne der Kammerspiele bringt, wird dies eine Untersuchung darüber sein, wie viele Worte das Theater braucht um eine Geschichte zu erzählen. Im Film dau-ert es 13 Minuten bis Iris, das Mädchen aus der Streichholzfabrik, das erste Wort spricht. Sie sagt: „Ein kleines Bier.“ Zuvor haben wir die Fabrik gesehen, in der sie arbeitet, ihre Familie, bei der sie lebt, die Wege, sie sie jeden Tag geht. In ihrer Welt sind die Maschinen und der Fernseher lauter als die Menschen.

 

Als Iris von einem flüchtigen Bekannten schwanger wird und ihm in einem Brief ihre Situation erklärt, findet sie ein einziges Mal viele schöne Worte für sich und ihr Kind. Die Antwort ist ein Scheck und die Aufforderung, das Balg wegmachen zu lassen. Danach bringt Iris ihre Welt mit Rattengift endgültig zum Schweigen.

 

Neben den sehr reduzierten Dialogtexten enthält die Aufführung Textpassagen aus dem Film-Treatment Kaurismakis. Doch was auch immer die Figuren sagen, es gelingt ihnen nicht, miteinander zu reden und sich nahe zu kommen.

 

David Bösch wird mit Beginn der neuen Saison fester Regisseur des Wiener Burgtheaters. Am Schauspielhaus Bochum läuft u. a. seine zum NRW-Theatertreffen 2013 eingeladene Inszenierung von Borcherts „Draußen vor der Tür“ und – bereits in der fünften Spielzeit (der dritten in Bochum) – seine Interpretation von Büchners „Woyzeck“. Für die Saison 2013/2014 ist außerdem eine neue Arbeit von ihm für das Schauspielhaus in Planung.

 

Regie: David Bösch

Bühne: Franziska Gebhardt

Kostüme: Anna Maria Schories

Dramaturgie: Sabine Reich

 

Mit: Maja Beckmann, Anne Knaack, Matthias Redlhammer, Daniel Stock

 

Die nächsten Vorstellungen: 7.6., 15.6., 23.6.

 

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