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Uraufführung: "Mais in Deutschland und anderen Galaxien" Von Olivia Wenzel im Ballhaus Naunynstrasse Berlin

Premiere 19.2.2015, 20 Uhr. -----

Susanne hätte Noah gerne nach seiner Geburt zu dessen Vater nach Angola gebracht. Noah war mehr ein Plan für ihren Ausbruch als etwas, was bindet. Sie wollte schon immer weg – damals aus der Enge des eigenen Elternhauses und der Begrenztheit der DDR, dann aus allen Beziehungen, in denen sie war und jetzt vor allem weg von Noah.

Ihrem Sohn, den sie nicht geliebt kriegt, und der sie einfach so ans Leben fesselt. Kompromisse machen Löcher in die Menschen. Diese Löcher gehen nie wieder zu.

 

"Ich bin sieben Jahre alt, klettere auf einen Baum und starre in den Himmel. So viele, schöne Lichtpunkte. Ich falle rückwärts runter und schlage mir den Kopf auf, Platzwunde. Als meine Mutter mich sieht, sagt sie: 'Scheiße, bist du bescheuert.'"

 

Mais ist die Geschichte von Heranwachsenden – eine Geschichte der Sehnsucht nach Anerkennung. Während Susanne provoziert, versucht Noah, nicht weiter aufzufallen – seine bloße Existenz scheint Provokation genug für andere zu sein. Susannes Rebellion wird zu Noahs Trägheit - in der die Zeit vergeht, Gegenwart erinnert und Erinnerung vergegenwärtigt wird. Dazwischen sucht Noah sich selbst, liebt andere. Wünscht sich einen Platz im Kopf der Mutter, wird Familienvater. Er zeichnet Comics, kreiert hier seine Geschichte, die noch keiner braucht – ohne Glitzer, ein fancy Staubfänger eben. In ihr würde Noah seine Mutter am liebsten auf den Mond katapultieren. Doch erst geht’s durchs gesamtdeutsche Maisfeld, bis das Mädchen Lila den beiden vor die (T)raumkapsel springt. Lila liebt halbe Stunden, kleine Dinge und vor allem – wunde Punkte.

 

Und was ist die Überraschung? Es gibt keine. Nur wir hier, das ist alles. Susanne und Noah begegnen sich im Andromedanebel – zwischen ostdeutschem Punk und fliegenden Popkörnern.

 

Mais spiegelt gesellschaftliche Kontexte in fiktiven Biografien, die auch immer die eigenen, ganz persönlichen sein können und erzählt von der Unmöglichkeit des anscheinend Selbstverständlichen: der Liebe zwischen Mutter und Kind.

 

Olivia Wenzel, 1985 in Weimar geboren, studierte 2004-2010 Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Sie lebt in Berlin. Wenzel schreibt Theatertexte & Prosa und ist Sängerin & Songwriterin der Band ANKA.

 

Für ihr Theaterstück Jiggy Porsche taucht ab (UA April 2012, Münchner Kammerspiele) erhielt sie 2011 in der »Langen Nacht der neuen Dramatik« den Münchner Förderpreis für deutschsprachige Dramatik. Ihr Stück Exzess, mein Liebling wurde 2013 zur »Langen Nacht der Autoren« am Deutschen Theater eingeladen. Weitere Texte sind Weißes Mäuschen, Warme Pistole über den NSU (UA: Juni 2013, Ballhaus Ost und Staatstheater Braunschweig) und Vom Sitzen auf angestammten Plätzen (UA: September 2014, Thalia Theater Hamburg). Zur Zeit erarbeitet sie mit mehreren Taxifahrer_innen und der Regisseurin Jessica Glause das dokumentarische Format Halbgötter in Gelb (AT), UA Mai 2015 in Berlin.

 

Regie: Atif Mohammed Nor Hussein

Ausstattung: Petra Korink

Dramaturgie: Nora Haakh, Katja Wenzel

 

Mit:

Asad Schwarz-Msesilamba

Dela Dabulamanzi

Theo Plakoudakis

Lisa Scheibner

Toks Körner

Isabelle Redfern

Atilla Oener

 

Weitere Aufführungen: 21., 23.-25.2.2015, 20 Uhr

22.2.2015, 19 Uhr

 

Vom 21.-25.2. mit englischen Übertiteln

 

Eine Produktion von Kultursprünge im Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH, gefördert von der Einzelprojektförderung des Landes Berlin und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin im Rahmen von We are Tomorrow. Der Text ist entstanden innerhalb der postmigrantischen Literaturwerkstatt "Rauş - Neue deutsche Stücke", in Zusammenarbeit mit dem Maxim Gorki Theater und dem Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

 

 

 

 

 

 

 

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