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Uraufführung: «Sex» - Schauspielhaus Zürich

Bildkompositionen von Matthias Hartmann mit einem Text von Justine del Corte

Premiere am 24. Oktober 2008, 20 Uhr, Schiffbau Halle 2

 

Zwei Vierzehnjährige erleben im Elternschlafzimmer ihr gemeinsames erstes Mal.

Ein heranwachsender Junge wird in seinem schmuddeligen WG-Zimmer auf seinem Surfbrett mit offener Hose kurz vorm Höhepunkt sitzen gelassen. Ein Paar um die 30 versinkt nach der hoffentlich geglückten Zeugung eines Kindes in der Einsamkeit prägender Kindheitserlebnisse. Eine vierzigjährige Frau wird bei dem Versuch, einen sehr jungen, unschuldigen Mann zu verführen, aufs Bitterste abgewiesen. Ein junges Mädchen träumt von der Vereinigung mit einem Schwan, eine andere Frau erzählt von ihrer unbändigen Sucht nach Sex als einziger Möglichkeit, wenigstens für eine Weile ihre quälende Lebensangst zu verlieren…

 

Dieses Kaleidoskop aus Szenen kreist, direkt am Puls der Zeit, um die Sehnsucht, die Macht und die Bedeutung von Sex heute. Dabei eröffnen die einzelnen Begegnungen in ihren jeweiligen Besonderheiten den Blick auf das Eigentliche, das im Moment höchster körperlicher Ekstase verborgen sein könnte. Ein stets geheim bleibendes Etwas, das, so viel steht fest, den Tod, die Endlichkeit und die ewige Wiederkehr des Daseins in unser Bewusstsein hebt.

 

Nach der Komödie «Die Ratte» ist «Sex» das zweite Stück der Theater- und Drehbuchautorin Justine del Corte, das am Schauspielhaus Zürich seine Uraufführung erlebt. Auf der Grundlage dieses Textes entwickeln Matthias Hartmann und sein Ensemble die bereits mit «1979» und «pool (no water)» begonnene experimentelle Arbeit mit live und für den Zuschauer sichtbar produzierten Bildkompositionen weiter.

 

Alles, was auf der Bühne passiert, existiert als Behauptung. Dieser Vorgang des Behauptens als dem Theater ureigenstes Charakteristikum wird zum Zentrum der formalen Auseinandersetzung und inhaltlichen Arbeit. Die Bühne ist eine Laborsituation. Dort werden Möglichkeiten gesucht, die einzelnen Elemente durch Übersetzungsvorgänge in komplexe Bildkompositionen zu verwandeln. Erst durch diese Zusammensetzung entsteht der je spezifische Sinn. Eine Aktion, die auf der Bühne real passiert, erfährt, indem sie in ein anderes Medium übersetzt wird, eine neue Bedeutung. Sie wird in einen anderen Kontext gestellt. Genau diese Bedeutungsdifferenz zwischen realer Aktion auf der Bühne und Situation auf der Leinwand stellt das Behaupten als Grundmechanismus des Theaters aus. Das Theater wird in seiner formalen Ursprünglichkeit thematisiert.

 

Regie Matthias Hartmann – Bühne Volker Hintermeier – Kostüme Su Bühler – Video Stephan Komitsch, Andi A. Müller – Musik David Langhard – Licht Peter Bandl – Dramaturgie Barbara Sommer

 

Mit: Katharina von Bock, Simon Harlan, Christian Heller, Peter Holliger, Elena Nyffeler, Jörg Pohl, Annelore Sarbach, Yohanna Schwertfeger und David Langhard

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