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Zwischen Traum und Wirklichkeit

"Hoffmanns Erzählungen" (nach E.T.A. Hoffmann und Jacques Offenbach) im Düsseldorfer Schauspielhaus

Copyright: Sebastian Hoppe

 

An der Wirklichkeit kann man schon einmal verzweifeln! Zumal wenn es sich um ein Leben in den stürmischen Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts handelt. E. T. A. Hoffmann hat für sich ein Gegenmittel in der Poesie gefunden. In seinen Erzählungen bricht in das harmlos bürgerliche Biedermeieridyll unversehens das Phantastische ein. Markus Bothe hat sich diese Verfahrensweise für sein Bühnenstück "Hoffmanns Erzählungen" zunutze gemacht, die ebenfalls schon Jacques Offenbach anwendete. Hoffmanns Leben und Werk werden dabei miteinander verknüpft.

 

In einer chaotischen Bücherhöhle, angereichert mit einer Unzahl von Flaschen Alkohol, lebt und agiert Christian Ehrich als Hoffmann. Er führt eine Doppelexistenz: einerseits ist er im Brotberuf ein fundierter, anerkannter Jurist, andererseits ist er Künstler mit musikalischen und dichterischen Talenten. Da er aber in seinen Erzählungen eigene Erlebnisse karikaturhaft verwendet, und sich einige Protagonisten nur zu gut gezeichnet finden, landet er selbst vor Gericht.

 

Ist es der Alkoholwahn, dass ihn nun in seiner Dichterklause seine eigenen Geschöpfe heimsuchen? Durch verborgene Tapetentüren finden jedenfalls seine geistigen Erzeugnisse Eintritt in seine Wohnung. Die Geisterstunde macht so mit Begebnissen in seinem Leben bekannt und führt in sein Werk ein. Eine launige Kurzfassung von Mozarts Oper "Don Giovanni", die Hoffmann so schätzte, dass er gleich seinen dritten Vornamen in Amadeus umwandelte, wird gegeben. Seine Muse, der Sandmann und Meister Coppelius erscheinen. Julia Markus, die obsessiv angebetete Gesangschülerin aus Bamberger Zeiten, tritt gleich achtfach auf. Der Richter, grandios gespielt von Verena Reichhardt; nimmt ihn albraumhaft in die Mangel. Und immer wieder holt Claudia Hübbecker als kluge, liebe- und verständnisvolle Ehefrau Mischa ihn in die Realität zurück. Auch die Rezeptionsgeschichte seines Werkes wird gestreift, wenn etwa Szenen in Stummfilmmanier vorgeführt werden. Leben und Fantasie sind eins. Und wie aus einem Guss ist auch diese Inszenierung: die Bühne von Robert Schweer, die Kostüme von Justina Klimczyk, die Musiker und die gesamte Schauspielerbesetzung, ganz wunderbar. Kein Wunder ist es indessen, dass diese Erzählungen Hoffmanns in Bothscher Manier beim Publikum großen Anklang fanden.

 

Besetzung / Team:

Christian Ehrich / Hoffmann

Moritz Führmann / Hoffmanns Alter Ego / Muse

Dirk Ossig / Baron/Coppelius. Coppola/Giulietta

Winfried Küppers / Hoffmanns ältere Alter Ego ("Vater"/Krespel/Doktor)

Verena Reichhardt / Richter / "Mutter"

Simin Soraya / Julia Mark / "Kind" / Antonia

Patrizia Wapinska / Julia Mark / Olympia / Dapertutto

Claudia Hübbecker / Hoffmanns Frau / Donna Anna

Henning Beckmann / Musiker

Christoph Kammer / Musiker

Lars Kuklinski / Musiker

 

Regie: Markus Bothe

Bühne: Robert Schweer

Kostüme: Justina Klimczyk

Musik: Henning Beckmann / Musikalische Leitung

Dramaturgie: Ludwig Haugk

 

Premiere: 20. April 2013

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