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Christoph Willibald Ritter von Gluck, ORFEO ED EURIDICE, Mainfranken Theater Würzburg

Premiere: 16. Juni 2012 | 19.30 Uhr | Großes Haus. -----

„Orfeo ed Euridice“ ist die erste sogenannte Reformoper, die Christoph Willibald Ritter von Gluck 1762 gemeinsam mit dem italienischen Librettisten Raniero di Calzabigi auf Basis des Orpheus-Mythos’ schuf.

Orfeo beklagt den Tod Euridices. Mit seinem Gesang besänftigt er die Götter, die ihm folglich gestatten, seine Geliebte aus der Unterwelt zu befreien. Doch hieran ist eine Bedingung geknüpft: Orfeo darf Euridice erst anblicken, wenn beide die Unterwelt verlassen haben. Tatsächlich scheitert er an dieser Prüfung und gibt ihrem unentwegten Flehen, sie anzusehen, nach.

 

Im Rahmen des Mozartfestes 2012 bringt das Mainfranken Theater Würzburg am 16. Juni eine Neuinszenierung der Wiener Fassung aus dem Jahre 1762 mit dem Einschub der Arie der Euridice „E quest'asil ameno” der Pariser Fassung auf die Bühne. Für Generalmusikdirektor Enrico Calesso steht dabei die musikdramaturgische Treue der Musik im Vordergrund, d.h. eine klangliche Realisation des Notentexts, die der Wirkung der Musik Glucks nachspürt.

 

Schauspieldirektor Bernhard Stengele feierte 2005 sein Regiedebüt im Musiktheater in Würzburg und erzielte mit Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ einen großen Publikumserfolg. Die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit des Lebens betrachtet er nun als runden Abschluss für seine Arbeit am Mainfranken Theater Würzburg. Die Ouvertüre mit ihrem heiteren, festlichen Charakter benutzt Bernhard Stengele in seiner Regiearbeit, um die Situation vor dem Tod Euridices zu skizzieren. Der Riss zwischen der Eingangsmusik und den folgenden Szenen interpretiert Stengele als die emotionale Fallhöhe, die entsteht, wenn jemand unerwartet aus dem Leben tritt. Auch das ‚Lieto fine’, das glückliche Ende, das traditionell durch einen ‚Deus ex machina’ herbeigeführt wird, ist ein Relikt des Zeitgeschmacks des 18. Jahrhunderts: Mit dem Einschub der Arie „E quest'asil ameno” wird in der Würzburger Fassung ein Ende geschaffen, das versöhnlich ist, aber auf das unvorhergesehene, märchenhafte glückliche Ende verzichtet.

 

Mit ihrem Ausstattungskonzept schuf Marianne Hollenstein einen Raum, der eine Einheit von Musik, Szene und Architektur bildet. Um die Nähe von Musik – Gesang und Instrumentalmusik – und Szene auch im Bühnenbild herauszuarbeiten, hat sich das Team dieser Produktion einheitlich dazu entschlossen, die Musiker des Philharmonischen Orchesters Würzburg auf die Bühne zu bringen. Marianne Hollenstein kreierte hierzu einen abstrakten Raum, der große Bilder entstehen lässt und der Fantasie des Zuschauers Freiheit zur Entfaltung bietet.

 

Ein wesentliches Moment des Würzburger „Orfeos“ ist die Arbeit von Ivan Alboresi, der mit den Sängerinnen und Sängern des Opernchores besondere Bewegungsabläufe choreografierte. Der Fokus wurde auf die Schaffung adäquater Dynamiken für die unterschiedlichen Rollen gelegt, die der Chor verkörpert: Trauergäste, Furien in der Unterwelt und Seelen im Elysium.

 

Text von Raniero de Calzabigi

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Musikalische Leitung: Enrico Calesso

Inszenierung: Bernhard Stengele

Bühne und Kostüme: Marianne Hollenstein

Choreografie: Ivan Alboresi

Choreinstudierung: Markus Popp

Dramaturgie: Beate Kröhnert

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Ulrich Sinn

Studienleitung: Alexis Agrafiotis

Regieassistenz und Abendspielleitung: Andreas Beuermann

Bühnenbildassistenz: Stella Kasparek

Kostümbildassistenz: Kristopher Kempf

 

Mit

Orfeo: Sonja Koppelhuber

Euridice: Nathalie de Montmollin

Amore: Anja Gutgesell

 

Opernchor des Mainfranken Theaters Würzburg

Philharmonisches Orchester Würzburg

 

 

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