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"Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht im Schauspiel Essen

Premiere am 29. April 2016 im Grillo-Theater. -----

Nach Jahren des Wartens kommen drei der obersten Götter in die Provinz Sezuan – und keinen kümmert‘s. Wider Erwarten interessiert sich niemand unter den Einheimischen sonderlich für sie. Der Wasserverkäufer Wang hat es schwer, überhaupt eine Bleibe für die hohen Gäste zu finden. Einzig die Prostituierte Shen Te erklärt sich bereit, den Göttern Obdach zu gewähren.

Zum Dank statten diese den einzigen guten Menschen, der ihnen begegnet ist, mit Start­kapital aus, und bald eröffnet die nun Ex-Prostituierte einen kleinen Tabakladen. Doch damit fangen die Probleme erst an, denn Shen Te ist eben nicht nur Göttern gegenüber großzügig. Auch dreiste Schnorrer, überteuerte Handwerker und die halsabschneiderische Vermieterin haben leichtes Spiel mit ihr. Sie kann einfach nicht „Nein“ sagen, und schnell wird es finanziell eng für den kleinen Laden und seine Besitzerin. Da erscheint als Retter in der Not Shui Ta, vorgeblicher Vetter Shen Tes, doch eigentlich sie selbst in Verkleidung, der sich im Gegensatz zu ihr hervorragend nicht nur auf das „Nein“, sondern auch auf das „Ja“ des Wirtschaftens versteht. Ausgestattet mit Durchsetzungsvermögen, Skrupellosigkeit und dem sicheren Instinkt für den eigenen Vorteil macht der „Vetter“ reinen Tisch. Doch was ist nach der Teilzeittransformation zum Kapitalisten noch übrig vom „guten Menschen“?

 

Bertolt Brechts 1943 uraufgeführte Parabel über die Schizophrenie des Menschen im Alltag kapitalistischer Konkurrenz ist heute ungebrochene Realität. „Wie soll ich gut sein, wo alles so teuer ist?“, fragt Shen Te. Längst haben die guten Menschen des 21. Jahrhunderts sich wohlig eingelebt in der zur Bequemlichkeit verbogenen Maxime, dass es eben „kein richtiges Leben im falschen“ gebe. Doch Brecht ist doppelbödig: Seine Analyse der Verhältnisse beschränkt sich nicht auf moralische Kategorien, zielt nicht nur auf die Frage, ob ein Mensch gut ist, sondern auch auf die, ob er real zur Besserung der Verhältnisse beiträgt. In seine Kritik des Kapitalismus, der Religion und der bürgerlichen Aufklärung mischt sich die dissonant anklingende Erkenntnis, dass Unschuld nicht verwertbar und Schwäche nicht das Optimum ist.

 

Die Musik von Paul Dessau wurde für die Aufführung des Schauspiel Essen bearbeitet von Tobias Schütte.

 

Inszenierung

Moritz Peters

Musikalische Leitung

Tobias Schütte

Bühne

Lisa Marie Rohde

Moritz Peters

Kostüme

Christina Hillinger

Dramaturgie

Florian Heller

 

Shen Te / Shui Ta

Stephanie Schönfeld

Wang, ein Wasserverkäufer u. a.

Sven Seeburg

Yang Sun, ein stellungsloser Flieger u. a.

Philipp Noack

Die Hausbesitzerin Mi Tzü, Die Witwe Shin u. a.

Floriane Kleinpaß

Frau Yang, Die Frau, Die Alte u. a.

Ines Krug

Der Barbier Shu Fu, Der Mann, Der Alte u. a.

Thomas Anzenhofer

Der Schreiner Lin To, Der Polizist u. a.

Thomas Meczele

Neffe, Junge u. a.

Maximilian Immendorf

Ein Kind

Maximilian B. Schmid

Phil Tönder

Die Gruppe / Sprecher, Die drei Götter, Die achtköpfige Familie, Arbeitslose u. a.

Ensemble

Musiker

Tobias Schütte

Bastian Ruppert

Hajo Wiesemann

 

In Kooperation mit der Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen mbH (GSE).

 

 

 

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