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"Die Familie Schroffenstein" von Kleist in den Münchner Kammerspielen

Premiere 27. April 2007 im Schauspielhaus.

 

In Die Familie Schroffenstein formuliert der junge Kleist die Verzweiflung und den Mangel an einer Welt, die sich jeder objektiven, nach Wahrheit strebenden Erkenntnis entzieht.

An die Stelle der Gewissheit tritt der Verdacht, an die Stelle des Vertrauens tritt der Hass. Damit ist Kleist unser Zeitgenosse. In einer Zeit, in der alle nach Authentizität, nach Echtheit, nach Wahrheit gieren, in einer Zeit, in der sich das Gefühl der Gewissheit aber nicht einstellen will, weil es eben keine Wahrheit gibt, auf die man sich verlassen könnte, stellt sich die Frage nach der eigenen Wirklichkeit neu. Warum schaffen wir uns Kriege? Ist es wirklich die Liebe, in der sich der Mensch selbst erkennt? Auf welcher Ebene des Fakes befinden wir uns gerade? Ist wirklich alles nur kopiert und ausgeliehen? Kleist schreibt sein erstes Stück in mehreren Fassungen, bis sie am Ende bereitsteht zur Selbstauslöschung: Die Familie Schroffenstein. Seinen Anfang nimmt alles mit einem Erbvertrag und einem Racheschwur. Stirbt das Haus Warwand zuerst aus, dann übernimmt das Haus Rossitz den gesamten Besitz, umgekehrt gilt dasselbe. Das schafft Misstrauen. So ist es nicht verwunderlich, dass Graf Sylvester aus dem Hause Warwand beschuldigt wird, den jüngsten Sohn des Grafen Rupert getötet zu haben. Ottokar, der Sohn des letzteren, liebt die Tochter des ersteren, nur weiß er im Moment des Schwurs nichts von der wahren Herkunft seiner Agnes. So treibt Kleist die Romeo-und-Julia-Geschichte zwischen den beiden Abkömmlingen der Grafenhäuser in ein Inferno, an dessen Ende die Leichen der Liebenden nur das Schlussbild einer heillosen Verkettung des Nicht-Erkennens abgeben.

 

Regie Roger Vontobel

Bühne Petra Winterer

Kostüme Dagmar Fabisch

Dramaturgie Björn Bicker

Musik Immanuel Heidrich

Video Tobias Yves Zintel

Licht Jan Haas

 

Es spielen Caroline Ebner, Paul Herwig, Lena Lauzemis, Oliver Mallison, Jochen Noch, Annette Paulmann, Wolfgang Pregler, Jochen Striebeck und Sebastian Weber,

 

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