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Die Spielzeit 2006/07 in der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin

Ab 2. September.

Die Künstlerische Leitung (Regisseur Thomas Ostermeier und Chefdramaturg Jens Hillje), Direktor Jürgen Schitthelm und die Hausregisseure (Luk Perceval und Falk Richter) der Schaubühne am Lehniner Platz gaben in einer Pressekonferenz einen Überblick über die für die Spielzeit 2006/07 vorgesehenen Produktionen:

• »Ein Sommernachtstraum, frei nach William Shakespeare« (Regie / Choreographie: Thomas Ostermeier und Constanza Macras), Premiere am 2. September 2006

• »Tod eines Handlungsreisenden« von Arthur Miller (Regie: Luk Perceval), Premiere am 28. September 2006

• »Liebe ist nur eine Möglichkeit« von Christoph Nußbaumeder (Regie: Thomas Ostermeier), Uraufführung am 17. Oktober 2006

• »Drei Schwestern« von Anton Tschechow (Regie: Falk Richter), Premiere am 1. November 2006

• »Die Katze auf dem heißen Blechdach« von Tennessee Williams (Regie: Thomas Ostermeier) • »Baal« von Bertolt Brecht (Regie: Sebastian Nübling)

• »Der Hässliche« von Marius von Mayenburg (Regie: Benedict Andrews), Uraufführung

• »Steinigung« von Debbie Tucker Green (Regie: Benedict Andrews), Uraufführung • N.N., ein neues Stück von Falk Richter (Regie: Falk Richter), Uraufführung • N.N. (Regie: Enrico Stolzenburg)

• F.I.N.D. 7 (Festival Internationale Neue Dramatik), März 2007

 

PREMIEREN

 

»Ein Sommernachtstraum, frei nach William Shakespeare« ist bereits im Juni beim Koproduzenten, dem Hellenic Festival in Athen zur Aufführung gekommen. Es ist die erste gemeinsame Arbeit des Regisseurs Thomas Ostermeier mit der Choreographin Constanza Macras,

deren Werke »Back to the Present« und »Big in Bombay« in der Schaubühne zu sehen waren. Beide Künstler sind sowohl als Regisseure als auch als Choreographen an der Produktion

beteiligt.

 

Luk Perceval wird am 28. September Millers »Tod eines Handlungsreisenden« inszenieren. In den Hauptrollen spielen Thomas Thieme (Willy Loman), Bruno Cathomas (Biff) und André Szymanski (Happy). Im Zentrum der Inszenierung steht für den Regisseur nicht der gescheiterte American Dream, sondern das Thema der Scham, wenn ein Mensch seine Arbeit und damit in den Augen der anderen seine Existenzberechtigung verliert. Der arbeitslose Willy Loman wird von Perceval in den Kontext des heutigen Berlin gestellt: »Er hat keine Identität mehr und die einzige Lösung für ihn ist der Weg in den Tod. Seine Scham führt zu einem Spiel von Lügen, beinahe in den Dimensionen einer griechischen Tragödie«.

 

Die Uraufführung des Stücks »Liebe ist nur eine Möglichkeit« des niederbayerischen Dramatikers Christoph Nußbaumeder (Jahrgang 1978) war ursprünglich für die Spielzeit 2005/06 vorgesehen, musste jedoch wegen Etatkürzungen auf diese Spielzeit verschoben werden. Nußbaumeder hatte den 2. Stückewettbewerb der Schaubühne mit seinem Stück »Mit dem Gurkenflieger in die Südsee« gewonnen, das daraufhin beim F.I.N.D. 2005 präsentiert und bei der Ruhrtriennale uraufgeführt wurde.

 

Tschechows »Drei Schwestern« inszeniert Falk Richter, der neben Luk Perceval als fester Hausregisseur für die nächsten drei Jahre verpflichtet werden konnte. Es spielen Steffi Kühnert (Olga), Bibiana Beglau (Mascha) und Jule Böwe (Irina) als die Schwestern. In weiteren Rollen: Clemens Schick (Werschinin), Stipe Erceg (Tusenbach), Robert Beyer (Andrej), Lea Draeger (Natascha), Thomas Bading (Kulygin), Rafael Stachowiak (Soljony), Wolf Aniol

(Tschebutykin), Erhard Marggraf (Ferapont) und Lore Stefanek (Anfissa). Falk Richter sieht in der heutigen Lage in Deutschland Parallelen zur Entstehungszeit des Stücks: eine nach vergeblichen Reformanstrengungen von Ängsten, Erschöpfung und Stagnation geprägte Gesellschaft.

 

Tennessee Williams’ »Die Katze auf dem heißen Blechdach« ist laut Thomas Ostermeier nach »Tod eines Handlungsreisenden« das zweite Stück, das in dieser Spielzeit (unter Bezugnahme auf die Qualität des originalen Theaterstücks) »von einem schlechten amerikanischen Film in gutes deutsches Theater überführt wird«. Die Rolle des Big Daddy wird Josef Bierbichler

übernehmen, Jule Böwe wird als Katze zu sehen sein und Mark Waschke als Bick. Ostermeier wird sich, nachdem er mit seinen Ibsen-Inszenierungen das Thema der Aufsteiger imBlick hatte, in seiner »Katze« mit dem sozialen Abstieg beschäftigen. Eines der Probleme, die für ihn im Zentrum stehen (und das in der Verfilmung mit Elizabeth Taylor komplett ausgeblendet wurde), ist das eines homosexuellen Mannes, der in einer monogamen, heterosexuellen

Beziehung extrem unglücklich wird – trotz des Reichtums seiner Familie.

 

Um »Aufstieg und Absturz einer Künstlerkarriere« geht es laut Künstlerischem Leiter und Chefdramaturg Jens Hillje in Bertolt Brechts »Baal«, das Sebastian Nübling an der Schaubühne inszenieren wird. Nüblings Produktion von »Dunkel lockende Welt« (Münchner Kammerspiele) war zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen. Nübling gibt mit »Baal« nicht nur sein Schaubühnen-, sondern auch sein Berlin-Debüt.

 

Luk Perceval entwickelt ein Projekt unter dem Arbeitstitel »Molière«. Er wird darin vier Stücke (»Tartuffe«, »Der Menschenfeind«, »Don Juan« und »Der Geizige«) des französischen Dramatikers präsentieren. Im Zentrum des Abends wird ein Protagonist, gespielt von Thomas Thieme, stehen, der sich durch die vier verschiedenen Stücke »vom naiv Geborenen zum dementen

Idioten« (Perceval) entwickeln wird. Die Textfassung erstellt Perceval in Zusammenarbeit mit Feridun Zaimoglu und Günter Senkel, die bereits den Text zu Percevals »Othello«- Inszenierung bearbeitet hatten. »Molière« wird in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen im Juli 2007 Premiere haben und im August/September an der Schaubühne zu sehen sein.

 

NEUE DRAMATIK

Entdeckungen im Bereich der neuen Dramatik bilden auch in dieser Spielzeit einen Schwerpunkt im Schaubühnen-Repertoire: Der australische Regisseur Benedict Andrews, der bereits Sarah Kanes »Gesäubert« an der Schaubühne inszenierte, wird Regie bei Marius von Mayenburgs neuem Stück, »Der Hässliche«, sowie bei »Steinigung« von Debbie Tucker Green führen. »Steinigung« wurde bereits als szenische Lesung beim F.I.N.D. 2006 gezeigt.

Das Stück der afro-britischen Dramatikerin Green ist für weiße Schauspieler geschrieben, die Afrikaner spielen und behandelt Themen des »vergessenen Kontinents« wie Aids, Kindersoldaten und archaische Bräuche.

 

Falk Richters zweite Regiearbeit in dieser Spielzeit wird voraussichtlich sein Stück »Im Ausnahmezustand« sein, an welchem er zur Zeit noch arbeitet. Als Alternative ist ein neues Stück der britischen Dramatikerin Caryl Churchill vorgesehen. Regisseur Enrico Stolzenburg wird wieder ein neues Stück im Studio inszenieren. Autor und Titel stehen noch nicht fest.

Schaubühne am Lehniner Platz

 

Das Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) hat im März 2007 den Schwerpunkt Israel. »Die Recherche«, so Jens Hillje, »ist auf Grund der aktuellen politischen Entwicklungen kompliziert, aber es gibt eine kritische und äußerst interessante Generation neuer israelischer Dramatiker, die erstmalig in Berlin präsentiert werden sollen.«

Wie Thomas Ostermeier betont, identifiziert das Publikum die Schaubühne weiterhin stark mit zeitgenössischer Dramatik. Diese zentrale Aufgabe erfüllt das Haus mit den zahlreichen Urund deutschsprachigen Erstaufführungen.

Die Reihe »Streitraum«, die seit 7 Jahren an der Schaubühne beheimatet ist, wird mit den Moderatoren Carolin Emcke und Matthias Greffrath fortgesetzt und steht unter dem Motto »Die geschlossene Gesellschaft (und ihre Freunde)«. Am 8. Oktober wird Greffrath mit Terry Eagleton unter dem Leitthema »Rückkehr der Religion« darüber diskutieren, ob eine

wertgebundene Säkularität eine Alternative zur Wiedererstarkung religiöser Werte sein könnte.

 

GASTSPIELE

Folgende Gastspiele sind momentan geplant:

• Ibsen Festival, Oslo, »Hedda Gabler«, 5.+6.9.06

• Abbey Theatre, Dublin, »Hedda Gabler«, 29.9.-1.10.06

• Königliches Theater, Kopenhagen, »Hedda Gabler«, 14.-16.10.06

• National Theatre, Taipeh, »Wunschkonzert«, 20.-22.10.06

• National Theatre, Taipeh, »Nora«, 27.-29.10.06

• Barbican Theatre, London, »Zerbombt«, 7.-11.11.06

• Landestheater, Landsberg, »Blackbird«, 11.11.06

• Brooklyn Academy of Music, NY, »Hedda Gabler«, 28.11.-2.12.06

• Maison des Arts, Creteil, »Unter Eis«, 19.+20.12.06

• Festival de Liège / Nationaltheater Brüssel, »Unter Eis«, Januar 2007

• Cameri Theater, Tel Aviv (geplant), »Hedda Gabler«, Januar 2007

• Théâtre les Gémeaux, Paris, »Hedda Gabler«, 31.1.-11.2.07

• Südtiroler Kulturinstitut, Bozen, »Hedda Gabler«, 21.+22.3.07

• Théâtre National, Lyon, »Hedda Gabler«, 27.-31.3.07

• Münchner Kammerspiele, »Tod eines Handlungsreisenden«, April 2007

• Teatre Lliure, Barcelona, »Hedda Gabler«, 12.+13.5.07

• Duisburger Akzente, »Hedda Gabler«, 27.+28.5.07

• Salzburger Festspiele, »Molière«, Juli 2007

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