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"draussen tobt die Dunkelziffer" von Kathrin Röggla im Schauspiel Leipzig

Premiere: Sa 18.11.2006, 20.00 Uhr, Schaubühne Lindenfels.

„im herzen unserer wirtschaft schlägt ein puls, der von den schulden angetrieben wird.“ Nicht nur die Staatsschulden steigen in einer Zeit der allgemeinen Konjunkturschwäche, auch die Überschuldung privater Haushalte nimmt immer mehr zu.

 

So gilt laut Schuldenreport 2006 jeder zwölfte Haushalt in Deutschland als überschuldet. Das heißt, das Einkommen dieser Haushalte reicht nicht mehr aus, um den Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Rekordwerte an Zwangsversteigerungen, vor allem in den neuen Bundesländern, und eine jährliche Steigerung der Insolvenzen um 40 Prozent sind die Folgen. So auch in Sachsen, wo allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2005 4.300 Insolvenzverfahren gemeldet wurden, die private Haushalte betrafen, davon allein 871 in Leipzig. „aber im grunde wissen wir gar nicht, was los ist, was wirklich los ist – ich sage nur: die dunkelziffer!“
Die österreichische Autorin Kathrin Röggla hat sich in den Schuldnerberatungen umgesehen. Entstanden ist ein Stück über Berater, Schuldner und deren Angehörige, über Opfer so genannter „Kreditunfälle“, wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Scheidung, über Kauf- und Spielsüchtige, Topmanager und Sozialhilfeempfänger, Insolvenzverwalter und Stromabsteller. So kommt der Weltmarktführer, der sich von niemandem sagen lässt, dass er pleite ist, ebenso zu Wort wie die Sozialhilfefamilie, deren einzige Freude, ein elektrischer Badeofen, zugleich der Grund für ihre hoffnungslose Überschuldung ist.
Die Perspektiven wechseln, verschieben sich, aber schuldig fühlen sich alle, weil sie nicht wissen, wer sonst an ihrem Elend schuld sein sollte. Und keiner weiß, wie es so weit kommen konnte, denn sie alle verstehen die Welt, in der sie leben, schon lange nicht mehr.

Das Stück beschreibt ein Klima der Unsicherheit und der Ohnmacht, der Angst und der Scham, das in allen sozialen Schichten herrscht. Röggla hat die verschiedenen Jargons aufgegriffen und sich anverwandelt, sie zitiert und persifliert, verwebt die unterschiedlichen Redeweisen in ein rhythmisiertes Sprachgeflecht – komisch und real, ironisch und ungeschminkt.

Koproduktion mit der Schaubühne Lindenfels.

Regie: Thorsten Duit
Bühne + Kostüme: Birgit Stoessel
Musikalische Leitung: Juan Garcia

Es spielen:
Andreas Keller, Jörg Malchow, Stephanie Schönfeld, Susanne Stein

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